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Natur-Aktion einer Software-Firma:Vom Büro in den Tümpel

VmWork sozial Tag

Annette Maier (links) mit Kollegen bei der Arbeit in einem der Tümpel des Zentrums für Umwelt und Kultur.

(Foto: Manfred Neubauer)

225 Mitarbeiter helfen im Kloster Benediktbeuern bei der Instandhaltung. Sie pflanzen Bäume, schneiden Lichtungen frei und freuen sich über den Tag im Freien.

Mit einer Heugabel entfernt Annette Maier Schilfüberreste aus einem Tümpel. Ihr Kollege, der mit einer wasserfesten Latzhose hüfttief im trüben Wasser steht, schneidet das Schilf. Die beiden sind zwei von 225 Leuten des Software-Unternehmens VMware , die überwiegend aus Unterschleißheim bei München ins Kloster Benediktbeuern gekommen sind. Sie arbeiten an 25 Projekten in den Anlagen des Zentrums für Umwelt und Kultur - unentgeltlich. Darunter ist auch Annette Maier, die Vizepräsidentin für Deutschland des amerikanischen IT-Unternehmens VMware.

Ins Kloster mit seinen vielen Einrichtungen kommen jedes Jahr tausende Besucher. Im Zentrum für Umwelt und Kultur können Jugend und Erwachsene an Bildungsprogrammen teilnehmen. Das reicht von der Kandiertour auf dem Kochelsee über Fledermausführungen bis zu Workshops über erneuerbare Energie. Wer einfach so nach Benediktbeuern kommt, kann den Schmetterlingspfad und die Erlebnisbiotope erkunden oder über den Barfußpfad laufen.

Die zahlreichen Angebote und Besucher bedeuten jedoch einen großen Arbeitsaufwand für das Kloster - alles muss in Stand gehalten werden. Deshalb war ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger froh, dass er die Helfer begrüßen konnte - fast alle Mitarbeiter von VMware aus dem Büro in Unterschleißheim waren für den Tag freigestellt worden, viele weitere aus ganz Deutschland gekommen, um den Barfußpfad zu sanieren, Insektenhotels zu bauen und Bäume zu pflanzen oder zu fällen.

In Gruppen von fünf bis 30 Mitarbeitern schwärmten sie über das Gelände aus, wo sie den ganzen Tag zum Teil schwere körperliche Arbeit leisteten. Da wurden Wände gestrichen, Stühle und Tische repariert, aber auch ein neues Werbekonzept für die Kochelseehütte des ZUK erstellt.

Jedes Jahr können Mitarbeiter über die Plattform VMware Foundation zusätzlich zu ihren Urlaubstagen, 40 bezahlte Arbeitsstunden nutzen, um bei gemeinnützigen Projekten mitzuarbeiten. Weltweit nützten Mitarbeiter die VMware Foundation, sie werde sehr positiv gesehen, sagt Projektmanagerin Valentina Kulic. "Ich finde es super, wir sind viel unterwegs und in Büros. Hier können wir in der Natur im Freien arbeiten und unsere Kollegen aus ganz Deutschland wiedersehen", sagt sie. Mitarbeiter Björn Brundert ist für den Tag extra aus Hamburg angereist und sagt, für ihn sei es eine willkommene Unterbrechung, aus dem Chaos des G20-Gipfels kommend in Benediktbeuern etwas Konkretes machen zu können.

Wer 40 Stunden für einen guten Zweck gearbeitet hat, kann sich einen Wohltätigkeitsverein aussuchen, dem VMware 1000 Dollar spendet. Zusätzlich stockt VMware Spenden von Mitarbeitern auf. In Benediktbeuern haben die freiwilligen Helfer der Firma acht Stunden in der Hitze geschuftet, diese zählen zu den 40 Stunden. Beim ersten Social Day im vergangenen Jahr haben 282 Mitarbeiter bei mindestens einem sozialen Projekt mitgemacht.

So halfen voriges Jahr 150 Angestellte, das Gelände des Zentrums für pädagogische Kinder-und Jugendhilfe von "kids to life" in Unterhaching zu sanieren. Maier sagt: "Die Philosophie des Unternehmens ist, dass wir viel nehmen, aber auch etwas zurückgeben möchten." In der Größe des Projekts sei es nicht einfach gewesen, ein passendes Areal zu finden, das für 225 Menschen Arbeit hat, sagt die Deutschlandchefin. Der Kontakt zum Kloster sei über einen Mitarbeiter gelaufen, dessen Frau dem Stiftungsbeirat angehöre.

"Etwas für die nächste Generation erhalten - es sind die kleinen Sachen, die etwas ausmachen", sagt der Angestellte Carl Szenthe. Viele, die sonst die fünf wohltätigen Tage nicht nutzten, seien bei dem Social Day dabei. Denn der tut auch den Arbeitenden gut. Szenthe sagt: "Es ist wie Ferien, etwas für die Seele."

© SZ vom 12.07.2017

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