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Nahverkehr:Landrat sieht Vorteile für Pendler bei MVV-Flatrate

Mit einer MVV-Flatrate könnten Pendler ins Zentrum Münchens profitieren. Nachteile dürften aber Passagiere haben, die nur bis zum Stadtrand fahren.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Tarif muss vereinfacht werden, sagt Josef Niedermaier. Noch wichtiger wäre, dass auch die Nachbar-Kreise einsteigen.

Hauptsache, es wird einfacher und verständlicher: Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) sieht die für Dezember 2018 geplante Tarifreform des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) im Prinzip positiv. Das jetzige System sei doch für viele "schwer durchschaubar", sagt er. In jüngster Zeit wurde die Möglichkeit einer "Flatrate" für München diskutiert. Demnach würde in der ganzen Landeshauptstadt ein einheitlicher Tarif gelten. Dagegen waren Stimmen laut geworden, die vor einer Benachteiligung der Pendler aus dem Umland warnten.

"Es gibt immer Betroffene. Irgendeinen Tod wird man sterben müssen", sagt dagegen der Tölzer Landrat. Er habe an mehreren Gesellschafterversammlungen des MVV teilgenommen, in denen verschiedene Tarifmodelle diskutiert worden seien. Schließlich müssten sich die Stadt München, der Freistaat und acht Landkreise auf ein Konstrukt einigen: "Das ist wirklich komplex." Das aktuell diskutierte Modell sei für Bad Tölz-Wolfratshausen durchaus tragbar, findet Niedermaier. "Das hat auch für unsere Pendler Vorteile." Einzig jene, die nicht den vollen Münchner Innenraum beanspruchten, würden dann zu den Verlierern gehören: "Wenn zum Beispiel jemand von Geretsried nur bis zu Siemens fährt." Auf wie viele Pendler dies zutrifft, könne er nicht sagen.

Niedermaier ist damit auf einer Linie mit seinem Dachauer Amtskollegen: Stefan Löwl (CSU) hat das Münchner "Ein-Zonen-Modell" gutgeheißen. Die meisten Pendler brauchen nach seiner Überzeugung ohnehin ein Ticket für den gesamten Stadtkern.

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Der Tölzer Landrat macht aber zum wiederholten Mal auf ein anderes Problem aufmerksam: Bad Tölz-Wolfratshausen sei ja nur zur Hälfte - der nördlichen - dem MVV angeschlossen. Im Süden werde er dagegen von der Werdenfelsbahn und der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) bedient. Man werde den Verkehr in der Metropolregion München aber nur in den Griff bekommen, wenn man den MVV-Raum vergrößere: "Das ist uns wichtig." Insofern müsste die MVV-Tarifreform auch für Neueinsteiger reizvoll sein. Niedermaier denkt an die Nachbar-Landkreise Weilheim-Schongau - von dort kommt die Werdenfelsbahn - und Miesbach - wo die BOB auf dem Weg nach Bad Tölz und Lenggries durchfährt. Bei beiden Landräten, so hatte Niedermaier schon im Frühjahr erklärt, "penetriere ich das ständig".

Zu den neuesten Erkenntnissen über den Ausbau der S 7 bis Geretsried äußert sich der Landrat entspannt. Die angebliche Verzögerung um zwei Jahre bis zum Jahr 2028, die in der gemeinsamen Sitzung des Kreistags mit den Stadträten Geretsried und Wolfratshausen Ende Juli zur Sprache kam, sei gar keine, sagt Niedermaier. Vielmehr stehe jetzt eben der Zeitplan. Es handle sich in der veränderten Form der Planung mit Tunnel in Wolfratshausen schließlich um einen komplexen Bau. Man dürfe sich nicht wundern, wie lange das dauere, wenn man "Wolfratshausen halb umgraben muss". Auch die Kosten hätten ihn nicht überrascht. Es sei klar gewesen, dass die Kalkulation mit 167 Millionen Euro aus dem Jahr 2009 angepasst werden müsste. Dass nun mit 200 Millionen Euro gerechnet werde, stelle auch den daran beteiligten Landkreis nicht vor Probleme: Eine Zunahme der Kosten habe bereits in dem Beschluss gestanden, mit dem der Kreistag sich - neben Geretsried und Wolfratshausen - vor zwei Jahren zur Übernahme der Mehrkosten durch einen Tunnel bereit erklärt hatte.

© SZ vom 17.08.2017
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