Nachwuchs verendet Drama bei Familie Storch

Seit einigen Jahren ist das Dach vom Kloster Benediktbeuern eine bei Störchen beliebte Herberge. In manchen Jahren wollten sich dort sogar schon mehrere Vogelpärchen niederlassen. Nicht selten kommt es unter den Tieren dann zu einer energischen Auseinandersetzung.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Von den drei Küken auf dem Klosterdach in Benediktbeuern hat keines das nasskalte Frühjahr überlebt. In ganz Oberbayern war die Brutsaison schwierig. Doch es gibt auch Hoffnung für die eleganten Vögel.

Von Florian Zick

Die Störche auf dem Dach des Klosters Benediktbeuern haben fast schon so etwas wie Kultstatus. Das im Kloster angesiedelte Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) widmete den "Klosterstörchen" längere Zeit sogar einen ganzen Blog. Und auch als das Kloster heuer am 13. März via Facebook verkündete: "Wir haben wieder zwei Störche zu Gast", hagelte es Likes und Herzchen. Zumindest für dieses Jahr hat die animalische Liebesgeschichte allerdings schon wieder ein abruptes Ende gefunden.

Zwar hat das Storchenpaar, das sich in Benediktbeuern niedergelassen hat, zunächst fleißig gebrütet. Bald sind drei Jungstörche geschlüpft. Doch das heuer schon arg nasskühle Frühjahr hat keines der Jungtiere überlebt. "Die sind leider alle gestorben", sagt Martin Blösl, der Leiter vom ZUK am Kloster Benediktbeuern. Und auch von den Vogeleltern hat man schon länger nichts mehr gesehen. Die Altstörche haben nach dem Tod des Nachwuchses Benediktbeuern offenbar verlassen.

Eine solche Storchen-Tragödie ist an sich zwar nichts Außergewöhnliches. Weißstörchen gelingt es selten, ihre komplette Brut großzuziehen. Insofern gab es auch am Kloster Benediktbeuern immer wieder einen tierischen Trauerfall zu beklagen. Es nehme einen natürlich trotzdem immer wieder ein bisschen mit, sagt Blösl, wenn auf dem Dach erst kleine Küken schlüpfen, dann aber doch keines der Tiere mehr flügge werde.

Wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) mitteilt, ist das Benediktbeurer Storchen-Drama kein Einzelfall. Vor allem in Oberbayern und in Schwaben hätten die zahlreichen Regentage im Mai unter den Jungvögeln ungewöhnlich viele Opfer gefordert. In diesen beiden Regionen sind nach LBV-Angaben heuer besonders hohe Verluste gemeldet worden. Südlich vom Ammersee zum Beispiel ist nach Schätzung von Fachleuten etwa die Hälfte der Jungstörche schon wieder ums Leben gekommen.

Ankunft in Benediktbeuern: Anfang April hatte sich das Storchenpaar gerade auf dem Klosterdach häuslich eingerichtet.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Zu leiden hatten unter dem nasskalten Wetter vor allem die besonders früh geschlüpften Jungtiere, die bis Mai schon zu kleinen Storchenkindern herangewachsen waren. Aufgrund ihrer Größe, erklärt Oda Wieding, die LBV-Storchenexpertin, könnten die Alttiere ihre Jungen dann nicht mehr ausreichend gegen die Witterung schützen. Kleine Küken würden sich dann noch problemlos unter das Gefieder der Eltern kuscheln können, aber für die Größeren sei da nicht mehr genug Platz.

Dazu kommt, dass die Eltern bei Regen nicht besonders gerne abheben. Ein hungriger Storchenschnabel verlangt am Tag aber gerne nach bis zu einem Kilo Futter. Wenn das Muttertier da seine Schwingen schützend über das Nest ausbreiten muss und Vater Storch seine vom Regen schweren Flügel nur noch halb so oft in die Lüfte schwingt wie sonst, dann kommt einfach nicht mehr ausreichend Babynahrung rein.

Wo die Klosterstörche hin sind, ist nicht bekannt. Die beiden Vögel seien schließlich nicht getrackt gewesen, sagt ZUK-Chef Martin Blösl. Aber wer weiß: Vielleicht versuchen sie ja beim nächsten Mal woanders ihr Babyglück. Wie der LBV mitteilt, sei der Bruterfolg außerhalb von Schwaben und Oberbayern dieses Jahr nämlich außergewöhnlich gut gewesen. Und das wiederum ist auch für Benediktbeuern eine gute Nachricht. Wenn sich in Summe die Storchenpopulation im Vergleich zu anderen Jahren ungefähr die Waage gehalten hat, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich nächstes Jahr wieder Störche das Kloster als Kinderstube aussuchen. Dann vielleicht wieder mit besserem Erfolg beim Aufziehen.