Er verlasse den Berg nur zum Einkaufen, Haareschneiden und für das Münchner Oktoberfest, hat Stefan Obermüller vor Jahren einmal in einem Gespräch gesagt. Mit seiner zweiten Frau Veronika lebte der Wirt und Inhaber der Stie-Alm das ganze Jahr über auf dem Brauneck, ein besonderer Mensch mit einer besonderen Verbundenheit zur alpinen Natur. Am 23. April 2025 ist er an einem Herzstillstand gestorben.
Obermüller sei ein „Lenggrieser Urgestein“ gewesen, sagt Antonia Asenstorfer, die Geschäftsführerin der Brauneck- und Wallbergbahnen sowie der Alpenbahnen Spitzingsee ist. „Der Stie-Steffe hat das Zeug zur Legende.“ Als Teil der Liftegemeinschaft am Lenggrieser Hausberg – im Eigentum von Obermüller waren der Idealhang- und der Zirkuslift am hinteren Brauneck – arbeitete Asenstorfer intensiv mit ihm zusammen. „Wir haben ihn als verlässlichen Partner, einen guten Menschen mit großem Herz erlebt“, so die Bergbahn-Geschäftsführerin. Sein plötzlicher Tod habe alle sehr überrascht und tief getroffen.
Sein Almkäse vom Brauneck wurde mehrfach prämiert
Seit Mitte der 1920er-Jahre bewirtschaftet die Familie Obermüller bereits ihre Alm am Brauneck. Die Großmutter des Stie-Steffe bewirtete damals bereits die ersten Skigäste, die zu diesem Zeitpunkt noch ohne Lifte auf den Berg steigen mussten. Später kamen Übernachtungsmöglichkeiten hinzu. Stefan Obermüller war ebenso Pionier, er eröffnete um die Jahrtausendwende seine eigene Almkäserei. Mehr als ein Dutzend Kühe verschiedener Rassen hielten er und seine Frau Veronika während der Sommermonate am Berg und verarbeiteten deren Milch.
In den oberbayerischen Bergen dürfte wohl kaum eine zweite derart große Almkäserei existieren. Dass Obermüller darauf zurecht stolz war, zeigen die Prämierungen, die er mit seinem Betrieb bekam: etwa die Käseharfe in Gold bei der Käseolympiade 2012 in österreichischen Galtür für seinen Bergkäse.
Obermüller verarbeitete seine Milch auch zu Butter und brannte am Berg Schnaps, etwa Enzian aus den Wurzelstöcken auf seinem 45 Hektar großen Almgebiet. Er engagierte sich zudem in zahlreichen Vereinen und war unter anderem für die Lawinenkommission tätig. Für die Natur am Berg konnte sich Obermüller immer begeistern. Er genieße es, mit seiner Frau einfach nur auf der Terrasse zu sitzen und das Rotwild, die Gemsen und die Adler zu beobachten, schilderte er. Manchen, die immer wieder auftauchten, gab der Almwirt sogar Namen.
Am 30. April ist Stefan Obermüller in Lenggries beerdigt worden. Die Stie-Alm am Brauneck ist derzeit geschlossen, soll aber zur Sommersaison wieder öffnen.
