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Nachhaltigkeit in Bad Tölz-Wolfratshausen:Zu gut für die Tonne

Bürger retten ihren Tante-Emma-Laden

Gerade Frischwaren wie Obst und Gemüse sind schnell nicht mehr so ansehnlich, aber dennoch genießbar. Um sie vor der Vernichtung zu retten, gehen Unternehmer im Landkreis unterschiedliche Wege.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Unternehmer aus dem Landkreis wollen unverkaufte Lebensmittel davor retten, am Ende des Geschäftstages entsorgt zu werden. Manche spenden die Waren an die Tafel, andere nutzen eine neue App

Von Laura Kukulenz, Wolfratshausen

Immer mehr Unternehmen aus der Lebensmittelbranche setzen sich für einen nachhaltigeren Umgang mit Nahrungsmitteln ein. Ein Trend, der inzwischen auch im Landkreis Bad Tölz- Wolfratshausen angekommen ist und praktiziert wird.

Deutschlandweit werden jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Davon landen fast drei Millionen Tonnen allein in den Mülltonnen der Supermärkte. Häufig werden dabei Produkte entsorgt, die zwar nicht mehr taufrisch aussehen, aber trotzdem noch genießbar sind. Um solche Lebensmittel vor der Tonne zu retten, nutzen Unternehmen im Landkreis verschiedene Möglichkeiten. Edeka Heininger in Waldram etwa spendet einen Großteil der übrig gebliebenen Waren an die Tafel. Die Bäckerei Ratschillers in Wolfratshausen nutzt indes die App "Too good to go", um Backwaren am Abend nicht wegwerfen zu müssen. Über diese kostenlose App verkaufen Firmen übrig gebliebene Lebensmittel zu einem günstigeren Preis. Die Partnerbetriebe der App schonen dadurch Ressourcen und stärken Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit. Kunden wiederum haben die Möglichkeit, überproduzierte Lebensmittel zu einem reduzierten Preis zu erhalten.

Die App zeigt alle Partner, egal ob Restaurants, Bäckereien oder Supermärkte, und deren Angebote an. Bezahlt werden kann derzeit nur online über die App. Bar im Geschäft funktioniert es nicht. Seit März arbeite die Bäckerei Ratschillers in Wolfratshausen mit "Too good to go" zusammen. "Wir haben davon gelesen und es dann einfach ausprobiert", erzählt Lazar Kajkut, der Pächter der Bäckerei. Er empfindet es als eine gute Lösung: "Bevor ich die Ware wegschmeiße, gebe ich sie doch lieber her. Es ist auch nicht aufwendig. Ich fahre sehr gut damit", sagt er.

Inzwischen könne er täglich über die App übrig gebliebene Backwaren anbieten. Das Angebot werde von seinen Kunden sehr gut angenommen. "Sie rennen mir die Bude ein", sagt er grinsend. Für die Ware, die er dort anbiete, habe er somit eine umweltbewusstere Lösung gefunden.

Auch Klaus Heininger, Chef des Edeka-Marktes Heininger im Wolfratshauser Ortsteil Waldram, versucht, weniger Lebensmittel wegwerfen zu müssen. Komplett vermeiden lasse es sich jedoch noch nicht. "Mal bleibt mehr liegen, mal weniger. Ich kann nicht einschätzen, wie viel es ist." An Feiertagen sei es meistens ein bisschen mehr. "Im Zweifel hat man immer zu viel, um die Versorgung sicherzustellen", sagt er. Hauptsächlich bleibe am Ende des Tages Frischware, etwa Obst und Gemüse, liegen. Deutschlandweit machen Obst und Gemüse etwa 44 Prozent des Lebensmittelabfalls aus, gefolgt von Molkereiprodukten, Teigwaren und Fleisch. Klaus Heininger schmeiße die bei ihm übrig gebliebenen Lebensmittel nicht alle weg. "Wir geben es zum Teil den Mitarbeitern mit und normalerweise gebe ich viel an die Tafel, aber das geht momentan nicht", sagt er. Aufgrund der Corona-Pandemie muss die Tafel vorerst auf die Ausgabe verzichten.

Man müsse in seiner Branche viel an der Disposition arbeiten, sagt Heininger, dadurch lasse sich einiges vermeiden. "Die beste Lösung ist, dass man so bestellt, dass es am Abend aus ist", sagt er. Es könne eben nicht den ganzen Tag über alles vorgehalten werden. "So mache ich es momentan beim Obst", sagt er. Auf der anderen Seite sei es durchaus der Anspruch, "dass jeder eine volle Versorgung von früh bis spät garantieren möchte", sagt er.

Einen Fortschritt sehe er dennoch durch die bewusstere Logistik und Disposition: "Unsere Mülltonnen sind mittlerweile nicht mehr voll", sagt er.

© SZ vom 26.01.2021
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