WolfratshausenKampagne gegen Zerstörungswut

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Der Wolfratshauser Altstadtverein will gegen den zunehmdenden Vandalismus ins Feld ziehen.

Stephanie Schwaderer

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Der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) will gegen den "zunehmenden Vandalismus" ins Feld ziehen. Sein erster Weg führt ihn dabei in die Wolfratshauser Schulen. Beim Künstlerstammtisch am Montagabend, bei dem auch die "Kunstmeile drei" thematisiert wurde, erläuterte Hans-Werner Kuhlmann ein Projekt, das der Altstadtverein gemeinsam mit dem Fotografen Andreas Nitsche in Kürze starten will.

"Es geht nicht darum, Jugendliche unter Generalverdacht zu stellen", sagte Kuhlmann vorab. Bis heute sei beispielsweise nicht geklärt, auf wessen Konto die beschädigten Exponate bei der jüngsten Kunstmeile im September gingen. Zwar hätten in der fraglichen Nacht Schüler in der Loisachhalle gefeiert.

Dass sie es aber auch waren, die die Skulpturen beschädigten und in die Loisach warfen, sei nicht erwiesen. Gleichwohl steht für Kuhlmann außer Frage, dass das Übel in einem Mangel an Erziehung wurzelt: "Erziehung im Elternhaus findet kaum mehr statt. Und die Schulen sind damit überfordert."

In Andreas Nitsche hat der LAW-Sprecher einen leidenschaftlichen Verbündeten gefunden. Seit zehn Jahren hat es sich der Fotograf zur Aufgabe gemacht, um fünf Uhr morgens mit der Kamera loszuziehen, um Spuren nächtlicher Zerstörungswut zu dokumentieren - zunächst in München, mittlerweile auch in Wolfratshausen. Dorthin sei er geflohen, "weil es in der Landeshauptstadt nicht mehr auszuhalten war", erzählte Nitsche beim Stammtisch. Dann aber habe er schnell erkannt, "dass hier das Gleiche abläuft". Die Kultur des Partymachens laufe überall aus dem Ruder.

Seiner Beobachtung nach sind es keine Jugendlichen, sondern junge erwachsene Männer, die in den frühen Morgenstunden - "besoffen, angefressen, übermüdet" - ihre Wut an Blumentöpfen oder Parkbänken auslassen. Dennoch hält auch er es für nötig, das Gespräch mit Schülern zu suchen, um ihnen zu vermitteln, "dass Sachbeschädigung kein Kavaliersdelikt ist". Zugleich müsse man ihnen vorleben, "dass uncool sein cool ist".

Die LAW will Nitsches Bilder nun zunächst als Wanderausstellung durch die Hammerschmiedschule, die Realschule und die Schule in Waldram schicken. Anschließend lädt sie Jugendliche zur Podiumsdiskussion ein, an der sich auch Lehrer und Polizisten sowie Vertreter der Stadt und des Jugendfördervereins beteiligen sollen. Das Ganze werde noch vor Ostern über die Bühne gehen, sagte Kuhlmann. Bei den 15 Stammtisch-Gästen fand dieser Plan einhellige Zustimmung. Kulturrefernt Ludwig Gollwitzer regte lediglich an, auch Künstler ins Gespräch einzubeziehen.

Die "Kunstmeile drei" soll heuer vom 10. bis 25.September stattfinden und im Prinzip wie die "Kunstmeile zwei" aussehen. Sprich: Wolfratshauser Geschäftsleute stellen Schaufenster zur Verfügung, heimische Künstler liefern die Exponate. Ziel sei es, wieder "ein kleines Highlight wie zuletzt die Verhüllung des Vermessungsamtes" einzubringen. Vorschläge nimmt die LAW entgegen. Ein Sicherheitskonzept will Kuhlmann mit der Polizei erörtern, sobald feststeht, welche Künstler mit welchen Skulpturen vertreten sein werden. Denkbar sei es, Objekte im Außenbereich zu zentrieren und einen Wachdienst zu organisieren.

© SZ vom 09.02.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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