Nach der Umstellung Müll mit erhöhtem Pflegebedarf

Ein Grund für die Einführung der gelben Tonne war, dass die Wertstoffinseln häufig verdreckt waren. Nun sind sie abgebaut, und viele Menschen legen trotzdem ihren Müll dort ab.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Einführung der gelben Tonne klappt nicht reibungslos. Die meisten Wertstoffinseln sind schon abgebaut. Wo sie standen, legen nun Menschen ihre Tüten ab.

Von Claudia Koestler

Plastikfolien, Konservendosen, Joghurtbecher, Milchtüten: Seit Anfang des Jahres müssen die Bürger im Landkreis das alles nicht mehr an der Wertstoffinsel sortieren. Es gibt die gelbe Tonne, in die alle Verpackungen wandern, die nicht aus Papier oder Glas sind, sondern aus Kunststoff, Metall, Verbundstoff oder Naturmaterialien. Dass im Gegenzug die Wertstoffinseln abgebaut wurden, hat sich offenbar noch nicht herumgesprochen. Seit der Umstellung vor rund einer Woche finden Mitarbeiter der Bauhöfe und der Wertstoffgewinnungs- und Vermarktungsgesellschaft (WGV) Quarzbichl immer wieder illegal entsorgte Abfälle - ausgerechnet dort, wo zuvor die Wertstoffinseln standen.

Seit Mitte November sind rund 35 000 der gelben Tonnen im Landkreis ausgeliefert worden. Parallel wurden seit 27. Dezember die Wertstoffinsel-Gitterboxen abgebaut, weil die Entsorgung mit Einführung der gelben Tonne von einem Bring- auf ein Holsystem umgestellt wurde. Nun sind die ersten gelben Tonnen nicht nur gefüllt, sondern auch schon geleert: "Die erste Anlieferung sah sehr gut aus, es war nur wenig drin, was nicht hinein gehört, Glas etwa, oder Papier. Es läuft also gut an", lobt WGV-Sprecher Georg Schneider.

Problematisch hingegen ist, dass offenbar noch nicht alle ihre gelbe Tonne nutzen: "In den ersten Tagen kam es häufig vor, dass manche ihren Müll einfach dort ablagerten, wo es früher die Wertstoffinseln gab", sagt Schneider. Das bestätigt Florian Schallhammer, Leiter des Tölzer Betriebshofes: "Teilweise waren die Müllsäcke genau um jenes Schild der WGV drapiert, das darauf hinweist, dass es dort nun keine Wertstoffinsel mehr gibt", sagt er. Überraschend sei das nicht: "Wir hatten schon erwartet, oder sollte ich sagen: befürchtet, dass die ehemaligen Standplätze noch ein bisserl weiter genutzt werden".

Dabei waren die Wertstoffinseln ein Grund für die Einführung der gelben Tonne. Denn obwohl das "Tölzer System" rund 30 Jahre lang praktiziert wurde, war der Zustand der Inseln oft erbärmlich. Immer wieder tauchten Fotos verdreckter Sammelplätze auf, aus den Öffnungen quollen Blister, Tüten und Dosen. Der Vermüllung war kaum beizukommen, auch Schilder und Kameras halfen nicht.

Ob es sich bei den jetzigen Müllablagerungen an den ehemaligen Entsorgungsstationen um Gewohnheit, Unwissenheit oder vorsätzliche Taten handelt, will Schneider nicht bewerten. Schließlich können noch nicht alle Verbraucher eine gelbe Tonne nutzen. Für die Anlieferung zuständig ist die Firma Lachner im Auftrag des Unternehmens Heinz Entsorgung. Zwar sei die Grundauslieferung "soweit reibungslos verlaufen", erklärt ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage, gibt aber auch zu: "Aufgrund fehlender und nicht vollständiger Datensätze musste die Rudolf Lachner GmbH vereinzelt Nachlieferungen veranlassen." Das Unternehmen sei derzeit mit mehreren Fahrzeugen unterwegs, um die restlichen Tonnen schnellstmöglich auszuliefern. Weil die Wertstoffinseln erst kürzlich zurückgebaut wurden, "entscheiden sich aktuell viele Haushalte erst jetzt dafür, eine gelbe Tonne zu bestellen", erklärt der Unternehmenssprecher.

Schneider spricht deshalb von einem "erhöhten Pflegebedarf", den es in der Übergangsphase gebe. Allerdings müsse bei illegaler Entsorgung schnell gehandelt werden - "sonst kriegen die Säcke Junge", sagt der Abfallexperte. Damit meint er, dass sich andere animiert fühlen könnten, ihre Tüten dazu zu legen. Um das Problem schnell in den Griff zu kriegen, setzt die WGV auf Information: "Wir haben einen Mitarbeiter, der die Gemeinden und Städte berät und von ihnen informiert wird, so dass wir reagieren können", sagt Schneider. Auch Verbraucher könnten entsprechende Beobachtungen melden. Wer noch auf seine gelbe Tonne wartet, den bittet Schneider um eines: Geduld.