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Nach der erbitterten Auseinandersetzung:Einigung im Penzberger Bierzelt-Streit

Festplatz Festzelt

Festwirtin Claudia Fahrenschon ist startklar.

(Foto: Manfred Neubauer)

Christian Fahrenschon darf beim Volksfest auf der Berghalde nun doch an vier Abenden länger aufsperren. Darauf haben sich die Stadt und der Wirt verständigt.

Der Streit um die Öffnungszeiten beim Penzberger Volksfest hat ein Ende: Auf Empfehlung des Verwaltungsgerichts München hin hat sich die Stadt Penzberg am Montag gütlich mit Festwirt Christian Fahrenschon geeinigt. Anders als ursprünglich von der Stadt genehmigt, darf das Festzelt heuer demnach nun tatsächlich an vier Abenden länger aufhaben, nicht nur an zweien. "Wir sind sehr froh über diese Entscheidung", sagte Fahrenschon. Für die Zukunft müsse sich die Stadt aber schon überlegen, welchen Stellenwert das Volksfest in Penzberg noch haben solle, so der Festwirt.

Der Einigung vorausgegangen war eine erbitterte Auseinandersetzung über die Schließzeiten des Bierzelts. Der Stadtrat hatte schon vergangenen November beschlossen, dass Fahrenschon heuer an vier Abenden länger aufsperren darf, schließlich feiert Penzberg dieses Jahr ein nicht ganz unbedeutendes Jubiläum. Die Stadterhebung der ehemaligen Bergarbeitersiedlung ist genau 100 Jahre her. Da sollten die Penzberger auch mal länger feiern dürfen. Im Bescheid der Stadt waren letztlich aber doch wieder nur zwei Tage mit längeren Öffnungszeiten genehmigt. Die Polizei habe Sicherheitsbedenken gehabt, so hieß es aus dem Rathaus. Deshalb habe man es bei den altbewährten zwei Tagen belassen.

Der Stadtrat hat im Frühjahr zwar eine kurze Notiz zu diesem Sachverhalt bekommen. Als das Volksfest langsam näher rückte, rumorte es vor wenigen Wochen trotzdem noch einmal gewaltig. Einen Stadtratsbeschluss einfach so kippen, ohne das Lokalparlament noch einmal mit der Angelegenheit zu befassen? So gehe es ja auch nicht! Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD) musste sich einiges an Kritik anhören. Unschön sei der Vorgang allemal - richtig ungut, hieß es. Das ganz große Fass hat die Opposition im Rathaus dann aber doch nicht aufgemacht. Warum auch. Festwirt Fahrenschon hatte da schließlich schon einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht gestellt.

"Ruhiges Ausgehverhalten"

Es gehe nur um vier Tage, sagt Stadtrat André Anderl (Freie Lokalpolitik Penzberg), zwei mehr als üblich. Da solle man sich mal nicht so haben. In ganz Penzberg gebe es sowieso nur wenige Lokale, die länger aufhätten. "Wir haben hier ein ruhiges Ausgehverhalten", so Anderl. Wenn dann tatsächlich mal was los ist, dürfe man das nicht auch noch unterbinden. Zumal man froh sein müsse, überhaupt solche Wirtsleute wie die Fahrenschons zu haben. Die organisieren inzwischen nämlich auch die Schausteller und Fahrgeschäfte. Wäre das nicht so, würde in Penzberg vielleicht auch kein Karussell mehr Halt machen, unkt Anderl. "Die gehen dann nach Erding oder bauen vielleicht auch schon mal fürs Oktoberfest auf", sagt er.

Der Penzberger Polizeichef Jan Pfeil hat keine Lust, den Buhmann zu geben. "Es macht mir schon Sorgen, wenn es jetzt heißt, die Polizei sei die Spaßbremse", sagt er. Die Empfehlung mit den lediglich zwei längeren Abenden habe seine Inspektion schließlich nicht abgegeben, um die Leute zu ärgern. Aber in den vergangenen Jahren hätten sich die Einsätze nach 23 Uhr gemehrt. Nichts wirklich Wildes, die üblichen Volksfesteinsätze eben. Aber zur gleichen Zeit gebe es woanders in der Region auch noch große Volksfeste. Wenn dann doch einmal etwas passiert, könne man deshalb nicht so schnell auf Verstärkung hoffen. "Wir wollen ja nur, dass die Leute friedlich feiern können", sagt Pfeil. Nun dafür kritisiert zu werden, dass sie sich um die Sicherheit kümmerten, "dieses negative Feedback brauche ich nicht", so der Polizeichef.

Wenn am Freitag beim Volksfest auf der Berghalde in Penzberg nun angezapft wird, wird allerdings auch die Polizei die längeren Öffnungszeiten mittragen. Schon am Eröffnungstag wird das Festzelt bis um 1 Uhr nachts aufhaben, das Gleiche gilt für den Tag darauf und für Freitag und Samstag des zweiten Wochenendes - insgesamt an vier Tagen also, wie vom Stadtrat beschlossen. An allen anderen Tagen wird das Zelt bereits um Mitternacht zumachen.

Diese eine Stunde mehr, das mag sich vielleicht läppisch anhören, sagt Festwirt Fahrenschon. "80 Prozent des Umsatzes machen wir aber erst nach 20 Uhr", sagt er. So ein Volksfest sei eben eine Abendveranstaltung. Und wenn man wolle, dass sich das Geschäft für die Schausteller, Budenbetreiber und Wirtsleute noch lohne, so Fahrenschon, dann müsse man eben für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen. "Wir machen aber jetzt erst einmal ein schönes Fest", sagt er. Und wie es dann in den kommenden Jahren weitergehe, ob man die Öffnungszeiten auch für zukünftige Penzberger Volksfeste erweitern könne, das könne man dann immer noch besprechen, so Fahrenschon.

Penzberg Festplatz Festzelt

Am Freitag geht's auf der Penzberger Berghalde los.

(Foto: Manfred Neubauer)