Nach dem Abriss von Garagen:Verweilen statt einparken

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Nach dem Abriss von Garagen: Flächenzuwachs am Bach: Auf dem Areal beim Johannisplatz soll eine Aufenthaltsfläche für die Bürger entstehen, mit überdachten Sitzbänken, Spielgeräten und vielleicht einem kleinen Amphitheater.

Flächenzuwachs am Bach: Auf dem Areal beim Johannisplatz soll eine Aufenthaltsfläche für die Bürger entstehen, mit überdachten Sitzbänken, Spielgeräten und vielleicht einem kleinen Amphitheater.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wolfratshausen will die Brache am Johannisplatz aufwerten. Überdachte Sitzbänke und eine Spielfläche sollen Aufenthaltsqualität schaffen - noch vor der Umgestaltung des Loisachufers

Von Konstantin Kaip

Die Umgestaltung des Loisach-Westufers in Wolfratshausen ist zwar seit Jahren beschlossene Sache. Bis dort wirklich die gewünschte Flaniermeile entsteht, werden aber noch einige Jahre ins Land ziehen. Schließlich muss zunächst Ersatz für die Parkplätze am Ufer geschaffen werden, die damit wegfielen - und der ist erst einmal nicht in Sicht, nachdem das Parkhaus am Hatzplatz verworfen wurde und die Planungen fürs Parkdeck am Paradiesweg wegen einer Anwohnerklage auf Eis liegen. In einem Bereich aber soll das Westufer nun mehr Verweil-Charakter bekommen: Am Johannisplatz, wo die Stadt vier Garagen abreißen ließ, soll eine Aufenthaltsfläche entstehen, mit überdachten Sitzbänken, einer kleinen Spielfläche und eventuell auch einem Mini-Amphitheater mit Steinstufen. Die Planungen dafür hat der Bauausschuss im Stadtrat am Mittwoch mehrheitlich bewilligt.

Die Brache am kleinen Japanischen Gartens entstand, nachdem die Stadt im vergangenen Jahr vier der sechs Garagen, die dort einst standen, wegen ihrer Asbestbelastung abreißen ließ. Die zwei verbliebenen befinden sich nicht im städtischen Besitz, die Eigentümer hatten einen Verkauf abgelehnt. Um die frei gewordene Fläche der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, wurde das städtische Bauamt mit der Planung beauftragt. Diese wurde den Stadträten am Mittwoch vorgelegt. Weil sich das Areal im später umzuplanenden Westufer-Bereich befindet, war die Zielsetzung, "mit geringen Mitteln eine gute Aufenthaltsqualität" zu schaffen, wie es in der Vorlage heißt. Zudem durfte sich die Gestaltung nach Rücksprache mit dem Iruma-Partnerschaftsverein keinesfalls an den Japanischen Garten anlehnen, um die Partnerstadt, die diesen angelegt hat, "nicht vor den Kopf zu stoßen".

Eine Neuheit in der Innenstadt

Laut Entwurf soll die Fläche mit Kies aufgeschüttet und teils eingeebnet werden sowie drei überdachte Sitzbänke erhalten, auf denen die Bürger regen- und sonnengeschützt verweilen können - eine Neuheit in der Innenstadt. Für Kinder sollen im Zentrum ein, zwei kleine Spielgeräte ohne besondere Anforderungen an den Fallschutz aufgestellt werden. Ein Spielplatz soll dort explizit nicht entstehen, um nicht dem "kontemplativen Charakter des Japanischen Gartens entgegenzuwirken". Die Zufahrten zu den verbliebenen Garagen sollen durch dichte Bepflanzung vom Aufenthaltsbereich abgegrenzt werden. Östlich der Garagen soll eine überdachte Fahrradabstellanlage die weggefallenen Radständer ersetzen. Die Verbindung zum Japanischen Garten soll über Trittsteine in der Uferböschung des Baches erfolgen. Ein ursprünglich angedachter kleiner Steg war wegen der dort unterirdisch verlaufenden Stromleitung nicht möglich. Das steile Bachufer unter und vor der bestehenden Holzbrücke soll mit einem bepflanzten Rankgerüst abgegrenzt werden. Die Umbauten kosten laut Schätzung circa 40 000 Euro, ohne den Fahrradständer. Insgesamt wurden für die Maßnahme 70 000 Euro im Haushalt eingestellt.

Fritz Meixner, der seinen Fraktionskollegen Fritz Schnaller vertrat, regte für die SPD ein weiteres Element an: In Anlehnung an ein "Draußen-Klassenzimmer" sollten dort steinerne Sitzstufen im Halbrund entstehen, die bei Stadtführungen oder Klassenausflügen genutzt werden könnten - eine Idee von SPD-Stadtrat Manfred Menke, der Lehrer am Kolleg Sankt Matthias ist, wo es bereits ein solches Amphitheater gibt. Dessen Errichtung soll nun geprüft werden - auch in Hinblick auf die Stromleitungen zum Trafo-Häuschen, die nicht beeinträchtigt werden dürfen.

Hans Schmidt (Grüne) wollte den Beschluss indes vertagen lassen. Man solle "sorgfältig mit öffentlichen Flächen umgehen", mahnte er. Nördlich der Garagen könne ein circa 30 Meter langer, breiter Fuß-und Radweg entstehen, den es so in der Stadt nicht gebe. "Diese Verschwendung von Platz sollten wir nicht zulassen." Der Radständer könne westlich der Garagen Platz finden, das "Wiesenbiotop" am Trafohäuschen müsse erhalten bleiben, die gefällten Bäume müssten ersetzt werden. Zur Diskussion über diese Optionen kam es aber nicht. Die Stadträte waren mehrheitlich der Meinung, dass sie bereits in der Vorbesprechung abgehandelt wurden. Mit sechs zu zwei Stimmen wurde die Umgestaltung beschlossen, gegen die Stimmen der Grünen Schmidt und Rudi Seibt.

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