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Museum Penzberg:Schatulle der Erinnerung

Dieser Strick erinnert an ein Nazi-Verbrechen in Penzberg in den letzten Kriegstagen.

(Foto: Museum Penzberg/oh)

Ein Exponat wird als "Heimatschatz" verewigt

Es ist ein erschütterndes Zeitzeugnis: "Mit diesem Strick wurde mein Vater in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 vom Wehrwolf erhängt." Diese Inschrift steht im Deckel einer Schatulle, in der ein Strick und ein Kreuz bewahrt werden. Das Exponat erinnert im Museum Penzberg an die berüchtigte Mordnacht vom 28. April 1945. Damals begingen SS-Männer und "Werwolf"-Freischärler ein Verbrechen, bei dem 16 Menschen und ein ungeborenes Kind ums Leben kamen. Die Enkelin eines der Ermordeten hat dem Penzberger Museum ein bemaltes Kästchen mit dem Strick vermacht, mit dem damals ihr Großvater erhängt worden war. Ihr Vater, der Sohn des NS-Opfers, hatte das Stück Strick bei der Abnahme des Leichnams erhalten. Vor einem Jahr ist das Museum vom bayerischen Heimatministerium für dieses besonderes Exponat ausgezeichnet worden. Jetzt erscheint dazu eine Publikation "100 Heimatschätze", die gratis über das Ministerium zu bestellen ist. "Damit wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und gleichsam ein publizistisches Mahnmal gesetzt", sagt die Penzberger Museumsleiterin Freia Oliv.

Bereits im Jahr 2005 veranstaltete das Stadtmuseum Penzberg eine große Ausstellung zum Thema "Mordnacht" vom 28. April 1945. Der Dokumentation waren Archivrecherchen und Zeitzeugenbefragungen in Penzberg vorausgegangen. In diesem Rahmen übergab die Enkelin dem Museum ihre Erinnerungsstücke.

Am 28. April 1945, in den letzten Stunden des Kriegs, überfielen fanatische Nazi-Freischärler die Bergarbeiterstadt und ermordeten 16 Menschen, darunter eine schwangere Frau und Bürgermeister Hans Rummer. Dies sollte eine Rache sein gegen, so der NS-Jargon, "Verräter und Liebediener des Feindes", die den amerikanischen Befreiern die Stadt übergeben und eine Sprengung des Bergwerks durch braune Fanatiker verhindern wollten. Der Sohn eines der Opfer dieser Racheaktion war dabei, als sein Vater vom Baum abgenommen wurde. Man gab dem Sohn ein Stück des Stricks, den er später in die schwarze, bemalte Holzschatulle legte und um eine Beschriftung und ein kleines Kreuz ergänzte.

Als Ausstellungsstück steht die Schatulle nun geöffnet und für alle sichtbar in der Dauerausstellung zum 28. April 1945 im denkmalgeschützten Altbau des Museum Penzberg.

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