Wenn ein Museum blau macht, lässt es mitnichten die Arbeit sausen. Im Gegenteil: Im „Museum Penzberg – Sammlung Campendonk“ geht’s in diesem Jahr so richtig rund. Einige Wochen lang wird ein „interaktiver Zwischenraum“ fürs Publikum geboten, in dem Kinder und Erwachsene selbst malen und gestalten können. Und es wird eine Ausstellung „Campendonk malt Blau“ präsentiert, in der seltene und noch nie gezeigte Bilder des Jüngsten der „Blauen Reiter“ zu sehen sind.
Die expressionistischen Künstler der Gruppe „Der Blaue Reiter“ und das Blaue Land zwischen Loisachtal und Murnau sind Thema der „MuSeenLandschaft Expressionismus“, zu der sich Lenbachhaus, Buchheim- und Franz-Marc-Museum sowie die Museen Penzberg und Murnau zusammengeschlossen haben. Von 11. April an präsentieren sie sich alle gemeinsam unter dem Motto „Blau machen!“, das in der Unterzeile ein Appell ans Publikum ist: „Rauskommen, ankommen, runterkommen“.

Für das Penzberger Haus eine gute Gelegenheit, das „Campendonk-Blau“ in den Fokus zu nehmen. Jene Farbe, über die der Künstler gesagt haben soll: „Das Blau ist mir das Geistige, das sich vom Irdischen des Gelb abhebt.“ Die kommissarische Penzberger Museumsleiterin Anne Götzelmann nennt es „die Farbe des Himmels, der Sehnsucht und für Campendonk der Bewegung nach innen, in die Tiefe.“
Ganz wunderbar zeigt sich dies in dem Ölgemälde „Gänseflug“, auf dem eine Person einen sehnsuchtsvollen Blick in den Himmel richtet. Sie schaut einer Schar imposanter Gänse nach, die dort in Formation fliegen, aus der eine einzelne ausschert, um in die entgegensetzte Richtung davonzuflattern. Abgestufte, ruhige Blautöne dominieren das Bild, dazu zurückgenommenes Grün und vor allem in der dargestellten Person das „irdische“ Gelb und Schwarz. „Farbe war nun einmal sein ureigenstes Thema“, wird die frühere Museumsleiterin und führende Campendonk-Kennerin Gisela Geiger zitiert.

Die Werke für diese Ausstellung lagern im Moment noch im Depot des Museums, darunter auf dem Wasser schaukelnde Boote, blaue Figuren, ein stehender weiblicher Akt, in die Höhe wachsende Pflanzen – Ölgemälde, Hinterglasbilder und Arbeiten auf Papier. Unter dem Aspekt „Campendonk malt Blau“ entdecke das Haus seine Sammlung ganz neu, heißt es in der Ankündigung. Anne Götzelmann gibt für den Fotografen ein paar Einblicke in sorgsam verpackte Arbeiten, die sie vorsichtig mit Handschuhen aufblättert.

Genauso reizvoll wie diese neue Perspektive auf den Maler dürfte jenes Angebot sein, das die kommissarische Museumsleiterin sich für eine Umbauphase des Hauses ausgedacht hat. Im Altbau des Museums, an den vor genau zehn Jahren eigens für die Sammlung Campendonk ein Zwilling angebaut wurde, müssen die Fenster umfangreich saniert werden. Diese Zeit wird nun für einen „kreativen (Spiel)Raum“ genutzt. Das Museumsteam hat den Erdgeschoss-Raum, der sonst Sonderausstellungen vorbehalten ist, mit einem rustikalen Tisch, bequemen Stühlen, Sesseln und Sitzsäcken in einen Interimsraum „Zwischen Jetzt und Blau“ umgewandelt. Dort sollen Workshops stattfinden und ein offenes Atelier für alle. Kinder und Erwachsene sind eingeladen, sich im Malen – auch in Campendonks Spezialität der Hinterglasmalerei – zu erproben. Eine Lese-Ecke bietet Kunstbände zum Schmökern an. Wer möchte, kann sich dazu an der Rezeption einen Cappuccino holen. Sogar Yogastunden sind geplant.

Eine Brücke zwischen der Kunst und der Arbeitergeschichte der Stadt wird im Nebenraum geschlagen. Dort ist ein kleines Filmstudio aufgebaut. Mit Blick auf 60 Jahre Bergwerksschließung lädt das Haus Menschen dazu ein, ihre persönliche Geschichte zum Kohlebergbau in Penzberg zu erzählen. Das Museumsteam nimmt die Beiträge auf Video auf, und damit werden sie Teil der Sommerausstellung rund um das Thema Bergbau. Sie erinnert daran, dass am 30. September 1966 die letzte Ein- und Ausfahrt der Bergleute im Nonnenwaldschacht stattfand.
Weitere Informationen unter www.museum-penzberg.de

