Münsinger Politik:Zwei Hektar für den Mobilfunk

Als Alternative für den geplanten Mast bei Holzhausen hat ein Gutachter 19 weitere Standorte untersucht. Infrage käme ein Areal nördlich von Pfaffenkam

Von Benjamin Engel, Münsing

Dem Ziel, einen möglichst landschafts- und gesundheitsverträglichen, aber auch funktechnisch geeigneten Mobilfunkstandort bei Holzhausen zu finden, ist die Gemeinde Münsing näher gekommen. Im Planungsgebiet im Umkreis von etwa einem Kilometer rund um das Dorf hat Hans Ulrich im Auftrag der Gemeinde 20 mögliche Standorte untersucht. Für den Gutachter des Büros Funktechanalyse stellten sich zwei Stellen westlich von Holzhausen und nördlich des Hügels bei Pfaffenkam als besonders geeignet heraus. Dort soll ein etwas mehr als zwei Hektar großes Gebiet als Konzentrationsfläche für den Mobilfunk ausgewiesen werden. Der Gemeinderat hat dafür den von Christian Ufer vom Büro Terrabiota ausgearbeiteten Vorentwurf zur Änderung des Flächennutzungsplans am Dienstagabend gebilligt.

Einer der möglichen Standorte könnte auf Gemeindegrund sein. Wie Ufer erläuterte, könnte die Anlage hinter dem Hügel am Waldrand stehen und nur wenig über die Baumwipfel herausragen. Der zweite Standort sei im Wald oder nördlich im angrenzenden Wiesengrundstück vorstellbar. Das Grundstück befinde sich in Privatbesitz. Der dortige Eigentümer habe aber anklingen lassen, dass er sich einen Pachtvertrag für einen Mast vorstellen könne.

Der Planentwurf mit der Konzentrationsfläche wird jetzt öffentlich ausgelegt. So soll eine Alternative für einen östlich von Holzhausen auf freier Wiese angedachten Mobilfunkmast der Telekom gefunden werden. Dafür hatte das Unternehmen 2019 einen Bauantrag gestellt, was eine lautstarke Kontroverse verursachte. Damals hatte eine Bürgerinitiative mehr als 1000 Unterschriften gegen das Vorhaben an dieser Stelle gesammelt. Der Gemeinderat lehnte den Bauantrag der Telekom ab und stellte diesen zurück. Bis Ende des Sommers muss die Kommune laut Bürgermeister Michael Grasl (FW) nun einen Alternativstandort benennen. Sonst müsse das Landratsamt den zurückgestellten Bauantrag doch noch genehmigen. "Dann droht ein zweiter Standort."

Die bisher vorgesehene Anlage östlich von Holzhausen kann die durch den Ort führende Staatsstraße funktechnisch nicht abdecken. Laut Gutachter Ulrich müsse bis Ende 2024 eine mobile Datenversorgung aber sichergestellt sein. Zudem werde die Bundesnetzagentur ihre Auflagen mittelfristig verschärfen. "Der bisher beantragte Standort ist nicht zukunftsfähig", sagte der per Video zugeschaltete Ulrich. Würde dieser errichtet, bräuchte es mittelfristig einen zweiten Standort.

Um das zu verhindern, treibt die Kommune das jetzige Verfahren mit alternativer Konzentrationsfläche voran. Laut dem Gutachter liegt die Strahlenbelastung bei allen untersuchten, möglichen Standorten außerhalb Holzhausens weit unterhalb der Grenzwerte der Bundesimmissionsschutzverordnung. Wer ein Schnurlostelefon oder W-Lan zuhause bei 1,5 Meter Abstand nutzt, wird vergleichbar stark belastet. Heraus steche nur ein Standort am Dach des Holzhauser Feuerwehrhauses, der 14 Prozent des Grenzwerts erreiche. Von einer "ganz schön harten Aufgabe" sprach Georg Sebald (Wählergruppe Ammerland). Bei der Entscheidung für einen Mast-Standort fühle er sich von den übergeordneten politischen Instanzen allein gelassen. Gut fand er, erfahren zu haben, dass die Belastung durch den Alternativstandort nicht höher sei als bei W-LAN oder einem Schnurlostelefon. Helge Strauß (CSU) warb dafür, Konzentrationsflächen für den Mast möglichst weit von der Wohnbebauung entfernt zu halten.

Auf der Homepage der Gemeinde soll das Gutachten zu den untersuchten Standorten veröffentlicht werden. Bürgermeister Grasl (FW) betonte, dass die Suche nach einem Alternativstandort nur mit dem jetzigen Bauleitplanungsverfahren rechtssicher sei.

© SZ vom 11.02.2021
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