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Münsinger Politik:Neue Hundetoiletten für Münsing

Gemeinde setzt an den Stationen aber weiter auf Plastiktüten

Von Benjamin Engel, Münsing

Das Henne-Ei-Problem führt in den oft schwer lösbaren Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Ob zusätzliche Behälter zum Wegwerfen von Hundekotbeuteln und Tütenspendern womöglich mehr Abfall hinterlassen, hat den Münsinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschäftigt. Der Münsinger Grünen- Ortsverband hatte beantragt, für die Hinterlassenschaften der beliebten Begleiter mehr Stationen im Gemeindegebiet aufzustellen. Auf biologisch abbaubare Tüten sollte gewechselt werden. Zum Schluss stimmten zehn gegen sieben Gemeinderäte für fünf zusätzliche Stationen, die bisherigen Plastiktüten aber weiter zu nutzen.

Wie umweltfreundlich biologisch abbaubare Beutel tatsächlich sind, ist durchaus umstritten. Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) verwies auf die Gemeinde Pullach, die sich damit auseinandergesetzt habe. Demnach würden solche Beutel samt Inhalt nur umso mehr in die Landschaft geschmissen, weil diese als abbaubar gelten. Die Beutel könnten nicht über den Biomüll kompostiert werden, weil sie langsamer verrotteten. Aus Hygienegründen würden die Beutel über die Müllverbrennung entsorgt.

Für den Münsinger Bürgermeister stellt sich aber die Grundsatzfrage. "Wie viel Infrastruktur halten wir in unserer Gemeinde vor?" Grasl sagte, dass sich nur ein ganz kleiner Teil von Ausflüglern und Hundehaltern rücksichtslos verhalte. Flächendeckend Abfallbehälter aufzustellen, sei nicht umsetzbar. Alle regelmäßig zu entleeren, könnten die kommunalen Mitarbeiter nicht leisten und sei unangenehm. "Anscheinend fehlt es in unserer Gesellschaft an Grundwerten wie Rücksicht, Kinderstube und Eigenverantwortung."

Damit reagierte Grasl auch auf ein Schreiben einer Ambacherin, die sich in ihrem Ortsteil über selbst in ihrem Briefkasten entsorgte Beutel mit Hundekot beschwerte und Abhilfe anmahnte. Sie hatte angeregt, sich mit Landkreis-Gemeinden wie Egling und Wolfratshausen auszutauschen, in denen es viele Behälter für Hundekotbeutel gebe. Dort liege auch nichts rum. Zudem könnte im Gegenzug für mehr Behälter doch die Hundesteuer angehoben werden. Aus Sicht von Grasl müsse darüber aber der Gemeinderat gesondert entscheiden. Eine Vollkasko-Haltung, wonach die Kommune alles wegräume und -mache, unterstütze er aber nicht.

Explizit dagegen, neue Müllbehälter aufzustellen, waren etwa Ernst Grünwald (Wählergruppe Ammerland), Susanne Huber (Freie Wähler) oder Ursula Scriba (Bürgerliste). Sie betonten die Eigenverantwortung, Abfall wieder mitzunehmen. Auf die Verpflichtung als Tourismusgemeinde, etwas zu tun, verwies Grünen-Gemeinderätin Christine Mair, dankte aber für den Gemeindevorschlag, fünf zusätzliche Behälter zu installieren.

Zwei stehen bisher schon an der Attenkamer Straße und am Kölbbachweg in Münsing. Am Abzweig der Meilenberger Straße zur Kiesgrube soll ein Sack durch einen Behälter ersetzt werden. Im Umfeld des Müsninger Hartlwegs, in Degerndorf, am Holzhauser Kirchberg, an der Ambacher Seeuferstraße Richtung Luigenkamer Weg sowie an der Bushaltestelle der südlichen Seestraße in Ammerland sollen neue aufgestellt werden.

© SZ vom 05.03.2021
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