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Münsinger Politik:Jugend- und Familienreferent gesucht

Sucht für die Verwaltung Unterstützung im sozialen Bereich: Münsings Bürgermeister Michael Grasl.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

In der Kommune sind beide Ehrenämter derzeit unbesetzt. Ihr Einsatz wäre dringend gefragt

Von Benjamin Engel, Münsing

Die Gemeinde hat noch sieben Wochen nach der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderats weder eine Familien- noch eine Jugendbeauftragte. "Schade, dass sich niemand findet", sagt Tanja Munzinger. Die zweifache Mutter war seit 2014 Jugendbeauftragte. Sie hat das kommunale Ehrenamt aufgegeben, weil sie das Arbeitspensum mit nun zwei schulpflichtigen Kindern und ihrer Berufstätigkeit nicht mehr bewältigen konnte. "Ich habe das aber gerne gemacht. Das war ein tolles Arbeiten." Sie bedauert, dass sich für ihr Amt und auch für Familienbeauftragte Anke Mai bislang keine Nachfolgerin gefunden hat.

Die kommunalen Beauftragten unterstützen die Verwaltung bei wichtigen Aufgaben. Sie sind Ansprechpartner in schwierigen Situationen, halten Kontakt zu Vereinen und initiieren Projekte, wie zum Beispiel in Münsing einen Neugeborenenempfang, eine Ferienbetreuung für Grundschulkinder oder einen Jungbürgertreff. "Wir müssen schauen, dass wir die Ämter besetzen", sagt Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler). Die Verwaltungsmitarbeiter sei so stark ausgelastet, dass sie insbesondere im sozialen Bereich kaum alle Aufgaben ohne Unterstützung stemmen könnten. Für mehr Personal fehle im Rathaus Büroplatz. Sei das neue Bürgerhaus mit mehr Räumen für die Verwaltung gebaut, werde die Kommune wohl eine zusätzliche Vollzeitstelle schaffen, sagt Grasl. "Die Aufgaben werden immer mehr."

Das hohe Arbeitspensum macht es für die ausgeschiedene Jugendbeauftragte Munzinger schwierig, Ehrenamt und Beruf zu vereinbaren. Mindestens vierteljährlich fänden in ihrem Tätigkeitsfeld Besprechungen im Tölzer Landratsamt statt und das meistens auch noch vormittags. "Ist jemand voll berufstätig, wird das schwierig", sagt sie. Zudem müssten die Beauftragten allerhand vor- und nachbereiten, mit Eltern und den Jugendleitern Kontakt halten. "Man muss immer Up-to-date sein." Im Schnitt seien da schnell einmal fünf bis zehn Stunden Arbeit pro Woche angefallen, schildert Munzinger. "Als Jugendbeauftragte war es aber ein tolles Arbeiten mit der Gemeinde." Das liege auch an der tollen Vereinsarbeit für den Nachwuchs in Münsing.

Besonders freut Munzinger, dass so viele an der Jugendkommunalwahl in Münsing mitgemacht haben. Im Landkreis sei die zweitstärkste Wahlbeteiligung erreicht worden. Für die Zukunft wünsche sie sich, dass das Projekt für eine neue Turnhalle in der Kommune vorankomme. Denn gerade de Sport- oder auch der Judoverein machten tolle Angebote, stärkten damit das Gemeinschaftsgefühl unter den jungen Leuten. Derzeit seien die Trainingsmöglichkeiten in der jetzigen Schulturnhalle begrenzt.

Frühzeitig hat die Familienbeauftragte Mai unter anderem in der Märzausgabe des Gemeindeblatts eine Nachfolgerin gesucht. Mehr als zehn Jahre war sie in dieser Funktion aktiv. Sie hatte etwa mitgeholfen, eine Kinderkrippengruppe aufzubauen, einen Mutter-Kind-Treff mit Munzinger aufgebaut. Die Jugendbeauftragte wäre sogar bereit, eine Nachfolgerin einzuarbeiten.

© SZ vom 23.06.2020

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