Infrastruktur in MünsingWasserpreis steigt um 50 Prozent

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Trinkwasser wird in Münsing kommendes Jahr erheblich teurer: um einen Euro pro Kubikmeter.
Trinkwasser wird in Münsing kommendes Jahr erheblich teurer: um einen Euro pro Kubikmeter. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Kommune Münsing erhöht die Gebühren für Trinkwasser im kommenden Jahr deutlich. Grund sind steigende Betriebskosten und die Investitionen der Vorjahre.

Von Benjamin Engel, Münsing

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Für ihr Trinkwasser mussten die Münsinger schon seit Januar 2022 deutlich mehr zahlen als in den Jahren zuvor: Um 19 Prozent ging der Preis für den Kubikmeter nach oben. Nun steht ihnen erneut ein Preissprung bevor, der allerdings wesentlich deutlicher ausfällt: Von 2026 an steigt die Verbrauchsgebühr um satte 50 Prozent. Damit sind künftig 2,94 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser fällig, ein Euro mehr als derzeit. Gleichzeitig steigt die Grundgebühr für die Kleinverbraucher von 67,34 auf 96 Euro, in den höheren Stufen von 169,76 auf 240 Euro sowie von 274,68 auf 384 Euro.

Für die Mitglieder des Münsinger Gemeinderats stand die zentrale Frage im Raum, wie Groß- und Kleinverbraucher bei der Preisanpassung am fairsten wegkämen. Denn dass die Kommune die Gebühren grundsätzlich erhöhen muss, wenn Betriebs- und Investitionskosten steigen, ist gesetzlich festgelegt. „Zur Wasserversorgung müssen kostendeckende Benutzungsgebühren erhoben werden“, erklärte die per Videoscreen zugeschaltete Bettina Radlbeck, deren. Büro für Kommunalberatung die Münsinger Verwaltung mit der aktuellen Kalkulation beauftragt hatte.

Laut Radlbeck sind vor allem die laufenden Betriebskosten stark gestiegen, etwa für Strom. Zudem habe Münsing viel investiert, erklärte sie und nannte als Beispiel den Hochbehälter Weidenkam, den die Kommune für 1,6 Millionen Euro netto neu errichten ließ. Der Bau hat zwei alte Hochbehälter von 1961 und 1974 ersetzt. Finanziert wurde er mithilfe der Wassergebühren, bei denen damit für die nachkalkulierten Jahre zwischen 2021 und 2025 eine Unterdeckung von 426 000 Euro anfiel. Der Betrag ergebe sich auch aus der Tatsache, dass die Münsinger insgesamt weniger Wasser verbraucht hätten als ursprünglich berechnet, so Radlbeck.

Die Preise für die Wasserversorgung steigen derzeit generell in den Kommunen so stark, weil die Betriebs- und Investitionskosten explodieren. Und weil das Kommunalabgabengesetz (KAG) den Gemeinden bei der Gesamtkalkulation keine Handlungsspielräume gibt. „Wenn wir nichts machen, handeln wir rechtswidrig“, sagte Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler). „Gemeinden, die nicht kalkulieren, werden beanstandet und verpflichtet, nachzukalkulieren.“ Damit seien „politische Wasserpreise“ nach dem KAG ausgeschlossen.

Die Kommune habe im Lauf der Jahre allerdings immer viel in ihr Wassernetz investiert, sagte Grasl: mit einem neuen Trinkwasserbrunnen und der UV-Anlage 2010, dem digitalisierten Leitungsnetz, der Sanierung des Münsinger Hochbehälters und schließlich dem Neubau in Weidenkam. Münsing habe sein Wassernetz im Griff und sei somit auch Vorbild für Gemeinden in der Umgebung. Für die Zukunft müsse die Gemeinde angesichts ihres großen Netzes jedoch regelmäßig in den Unterhalt von Leitungen investieren, so der Bürgermeister. Um die Kosten zu dämpfen, sei es durchaus überlegenswert, Sanierungen wie etwa die des Brunnens in Seeheim erst einmal zurückzustellen.

Landwirte sind wegen ihres hohen Wasserverbrauchs besonders betroffen

In der Diskussion, wie die Preisanhebung zu gestalten sei, ging es unter Münsings Gemeinderäten darum, dass höhere Grundgebühren tendenziell Großverbraucher besser stellten. In diesem Balancespiel suchte das Gremium nach einer möglichst gerechten Lösung für alle Gruppen. Die Variante, die Verbrauchsgebühren um 1,14 Euro zu erhöhen und die Grundgebühr unverändert zu lassen, fiel indes durch.

Für die besondere Lage in der Landwirtschaft meldete sich Gemeinderätin und Öko-Bäuerin Christine Mair (Grüne) zu Wort. „Ein Verbrauch von 2000 Kubikmetern im Jahr trifft auf mehrere Betriebe zu“, sagte sie. „Die müssen dann um die 2000 Euro mehr zahlen.“ Daher appellierte Mair für die Variante, auch die Grundgebühr zu erhöhen. Eine Kuh trinke pro Tag bis zu 100 Liter Wasser. „Das ist für manche existenzbedrohend“, so Mair. Gemeinderatskollege Josef Strobl (Wählergruppe Münsing) vom Gorithomahof in Weipersthausen brachte vor, dass manche Landwirte überlegten, eigene Brunnen zu bohren und über Befreiungen nachdächten.

Matthias Richter-Turtur (Grüne) warnte hingegen davor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wie er sagte: „Für Landwirte zählt das Wasser, das eine Kuh trinkt, zu den Betriebsmitteln. Das lässt sich steuermindernd gelten machen. Das gilt fürs Blumengießen nicht.“

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