Zu hohe GeschwindigkeitenMünsing will den Verkehr abbremsen

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An der Einmündung der Bach- in die Hauptstraße haben Eltern mit ihrem Nachwuchs bereits vor Jahren für eine sichere Querungsmöglichkeit demonstriert.
An der Einmündung der Bach- in die Hauptstraße haben Eltern mit ihrem Nachwuchs bereits vor Jahren für eine sichere Querungsmöglichkeit demonstriert. Hartmut Pöstges

Verkehrsplaner haben der Gemeinde aufgeschrieben, was sie tun kann, um geringere Geschwindigkeiten auf den Straßen zu erreichen. Nun muss der Gemeinderat über Zebrastreifen, Blitzeranlagen und Poller entscheiden.

Von Benjamin Engel, Münsing

Mit zunehmenden Klagen von Anwohnern über rasende Autofahrer an den Ortsdurchfahrten in Münsing und Holzhausen oder über rücksichtslose Radfahrer an der Seeuferstraße sieht sich die örtliche Kommunalverwaltung bereits seit Längerem konfrontiert. Scheiterten bislang etwa Initiativen von Eltern für mehr Schulwegsicherheit durch Zebrastreifen oder Geschwindigkeitsbeschränkungen an gesetzlichen Vorgaben, könnte die novellierte Straßenverkehrsordnung jetzt Handlungsmöglichkeiten geben.

Zur Debatte stehen etwa Straßeneinbauten an beiden Holzhauser Ortseinfahrten oder fest installierte Blitzanlagen. An der Querung der Bach- zur Hauptstraße in Münsing wäre ein Zebrastreifen möglich, wofür sich Eltern lange einsetzten. Auch der Dorfplatz könnte umgestaltet werden. An der Seeuferstraße bleiben die Eingriffsmöglichkeiten bis auf vermehrte Kontrollen zu Park- oder Geschwindigkeitsverstößen begrenzt. Würde die bisherige Kreisstraße tatsächlich zur Gemeindestraße, worüber Münsings Verwaltung mit dem Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen verhandelt, könnte über eine Schrankenanlage oder versenkbare Poller diskutiert werden.

Aufgabe des Münsinger Gemeinderats ist es, darüber zu entscheiden, mit welchen Maßnahmen weiter geplant werden soll. Im August legte Philipp Schömig vom Büro Modus Consult aus Ulm einen Katalog mit Vorschlägen vor, welche die Kommune mit übergeordneten Fachbehörden sondiert hat. „Wir müssen im nächsten Schritt konkret beantragen und begründen, was wir warum vorschlagen“, so Münsings Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler). „Und dann muss das Landratsamt nach unseren Beschlüssen entscheiden.“ Für etwaige Maßnahmen bezahlen müsste allerdings allein die Gemeinde Münsing.

In Holzhausen sind um die 70 Prozent aller Fahrzeuge zu schnell. Das stellte das Büro Modus Consult bei monatelangen Messungen im Jahr 2024 fest. Schömig schlug vor, die Fahrbahn im Norden und Süden so zu verschwenken, dass Autofahrer gezwungen werden, abzubremsen. Das könnte mit ovalen oder S-förmigen, in der Mitte bepflanzten Einbauten, sichergestellt werden. Auf Anregung von Tobias Eckart (Freie Wähler) soll ebenso eruiert werden, ob fest installierte Blitzeranlagen eine Option sein könnten.

An der Kreuzung von Bach- und Münsinger Hauptstraße ist ein Zebrastreifen denkbar

Wo in Münsing die Bach- die Hauptstraße kreuzt, könnte sich Schömig einen Zebrastreifen vorstellen. Der Übergang könnte sowohl nördlich als auch südlich davon entstehen. Zudem wäre im unmittelbaren Umkreis des Zebrastreifens Tempo 30 möglich, allerdings nicht für die ganze durch Münsing führende Staatsstraße. Ein Zebrastreifen oder andere Maßnahmen zur Temporeduzierung um die Einmündung der Hacklgasse und damit eine sicherere Querung zu und von der Apotheke haben dagegen nach Aussage des Planers keinerlei Erfolgschancen.

Für den Münsinger Dorfplatz sprach Schömig von strukturierenden Lösungsmöglichkeiten wie etwa einem Gehweg mit Hochbord an der Bachstraße oder einer länger zwischen der Hackl- und der Schmiedgasse in die Kreuzung gezogenen Nase samt Gehweg. Teils fragten sich manche Gemeinderäte allerdings, ob solche Maßnahmen nicht falsche Sicherheit suggerierten, weil Schüler oder Senioren trotzdem Straßen queren müssten. Womöglich könnte der derzeit unstrukturiertere Verkehrsraum sogar zu mehr Vorsicht führen, so ein Teiltenor.

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Am Ostufer des Starnberger Sees bilden die nördliche und südliche Seestraße, die Seeleitn sowie die Seeuferstraße zwischen Ammerland und Ambach eine Sondersituation. Die öffentlich gewidmete Strecke ist größtenteils für Anlieger nur mit Sondererlaubnis befahrbar. Um die 2600 Lizenzen gibt es aktuell. Zudem will das Landratsamt die noch als Kreisstraße aufgeführte Verbindung seit vielen Jahren gerne in die Verantwortung der Kommune Münsing übergeben und zur Gemeindestraße abstufen. Das scheiterte bislang an der ablehnenden Haltung der Mehrheit der Münsinger Gemeinderäte. Aktuell verhandelt Bürgermeister Grasl allerdings erneut darüber.

Im August 2025 hat sich Schömig von Modus Consult an zwei besonders frequentierten Tagen ein Bild von der Situation gemacht. Sein Fazit: Das Verkehrsaufkommen war gering. Nur wenige parkten unerlaubt an der Seeuferstraße. Vor allem waren aber keine besonders kritischen Rettungswege zugeparkt. „Seit Mai hat die kommunale Verkehrsüberwachung 300 Parkverstöße geahndet, nur einer parkte im Rettungsweg“, so Schömig.

Nur bei einer Abstufung der Seestraße kämen Poller oder eine Schranke zur Verkehrsregulierung infrage

Scheitere die Abstufung, dürften nur mehr Kontrollen und „Ausweichparkplätze“ an extrem frequentierten Tagen Lösungen versprechen. Mit der Abstufung könnte die Kommune Poller oder eine Schrankenanlage installieren. Es stellt sich allerdings die Frage, wie praktikabel das ist, da Berechtigte mit Sonderausweis Schranken oder Poller deaktivieren müssten. Zudem stellt sich bei jeder Maßnahme die Kostenfrage. Geräuschreduzierende Mittel zu installieren, wäre zwar infolge des derzeit gültigen Lärmaktionsplan eine Option. Dem werden jedoch kaum Erfolgschancen eingeräumt. Aus dem nächsten Lärmaktionsplan könnte Münsing wegen zu geringer Fahrzeugzahlen sogar herausfallen.

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