Weil die Hauptstraße, die durch Münsing führt, gleichzeitig Staatsstraße ist, schienen Maßnahmen wie ein Zebrastreifen und eine Geschwindigkeitsreduzierung dort lange undenkbar. Doch nun dürfte die novellierte Straßenverkehrsordnung beides möglich machen. Die Parameter sprechen sogar für Tempo 30 auf dem gesamten zentralen Abschnitt zwischen der Einmündung der Bachstraße und der Grundschule im Westen des Dorfes.
Für mehr Verkehrssicherheit möchte die Kommune die beiden Maßnahmen weiterverfolgen. Der Münsinger Gemeinderat hat die Rathausverwaltung dazu in der Septembersitzung ermächtigt. Das Votum für einen Zebrastreifen an der Einmündung der Bachstraße und Tempo 30 war Teil eines Vorhabenskatalogs, der auch mögliche Umgestaltungen am Münsinger Dorfplatz sowie Straßenverschwenkungen und optionale stationäre Blitzgeräte an den Holzhauser Ortseinfahrten umfasst.
Viel spricht dafür, dass der an der Einmündung der Bach- in die Hauptstraße ins Auge gefasste Zebrastreifen nach Jahren erfolgloser Debatten tatsächlich kommen dürfte. Lange hatten Eltern darauf gedrängt, damit ihre Kinder auf dem Weg zur Grundschule im Westen Münsings die Hauptstraße sicher überqueren können. Bislang wurde dies stets versagt. Die Antwort der unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen lautete etwa im Januar 2019: Weil zu wenige Kinder die Hauptstraße querten, sei ein Zebrastreifen nicht erlaubt.
Die Voraussetzungen sind heute andere, worauf Reiner Neumann hinwies, dessen Büro Modus Consult die Kommune für ein Verkehrskonzept beauftragt hat: „Im Rahmen der Schulwegsicherung brauchen Sie für Fußgängerüberwege keine Nachweise mehr.“ Zudem lasse sich in einem Korridor von 150 Metern vor und nach dem Zebrastreifen Tempo 30 anordnen. Das sei schon mit den übergeordneten Fachbehörden abgestimmt, so Neumann.
Auf einen Lärmaktionsplan für die Hauptstraße verzichtet der Gemeinderat
Diese Neuerung könnte es der Kommune Münsing auch erlauben, das Geschwindigkeitslimit auf die Hauptstraße bis zur Grundschule ganz im Westen auszudehnen. Dort gilt an Unterrichtstagen montags bis freitags von 7 bis 14 Uhr bereits ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde. Weil beide Bereiche weniger als 500 Meter auseinanderliegen, erlaubt laut Neumann die sogenannte Harmonisierungsregel einen Lückenschluss und damit durchgehend Tempo 30, allerdings nur zu besagten Schulzeiten. Münsings Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) erklärte jedoch, man habe bereits beantragt, die Zeiten auszuweiten.
Von der Beantragung eines Lärmaktionsplans für die Hauptstraße, mit dem bei festgestellten gesundheitsgefährdenden Geräuschwerten von mehr als 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts ebenfalls Tempo 30 möglich wäre, sah der Gemeinderat jedoch ab. Dazu riet auch Verkehrsplaner Neumann, weil seiner Ansicht nach keine weiteren Verbesserungen zu erwarten sind.
Gleichzeitig war der Gemeinderat aber dafür, ein Planungsangebot für mehr Verkehrssicherheit am Dorfplatz einzuholen, etwa mit einem Gehweg an der darauf zuführenden Bachstraße. Dort zwischen Hauptstraße und Schmidgasse eine Einbahnregelung zu prüfen, wollte indes nur Thomas Schurz (CSU). Das Gremium verwarf auch den Antrag, die Seestraße als Fahrradstraße ausweisen zu lassen. Laut Neumann würden dadurch die Radsportler bevorzugt, was nicht weiterhelfe, um bestehende Konflikte mit Fußgängern zu entschärfen.

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In Holzhausen haben Messungen im Jahr 2024 ergeben, dass 70 Prozent der Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs sind. Daher soll die Kommune Planungsangebote für Straßenverschwenkungen an den Ortseinfahrten einholen, die Autofahrer ausbremsen sollen. Grobe Kostenschätzung: um die 100 000 Euro. Um den Plan realisieren zu können, braucht die Kommune allerdings Grund von Privateigentümern. Gegen deren Willen werde die Verwaltung nichts durchsetzen, machte Grasl klar. Auch die Möglichkeit, stationäre Blitzanlagen zu installieren, soll geprüft werden.
Wegen zu geringer Verkehrsbelastung von durchschnittlich 2500 Fahrzeugen pro Tag in Holzhausen ist ein Fußgängerüberweg an der unübersichtlichen Kuppe beim einstigen Altwirt laut Grasl aber nicht zu erreichen. Der Bürgermeister mahnte auch zu Geduld bei den generellen Verkehrsmaßnahmen: „Die Umsetzung wird in keinem Fall von heute auf morgen passieren.“

