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Der Entwurf für das Ambacher Seniorenwohnstift ist dem KWA nun doch zu klein.
Der Entwurf für das Ambacher Seniorenwohnstift ist dem KWA nun doch zu klein. KWA/oh

Das Aus für das in Ambach geplante Seniorenwohnstift kommt überraschend. Nach acht Jahren soll die Anzahl der Wohnungen, auf die man sich geeinigt hatte, nicht mehr reichen.

In Ambach stehen die Kommune Münsing und das Kuratorium Wohnen im Alter buchstäblich vor einem Schutthaufen. Denn mehr ist von den einstigen Gebäuden der früheren Wiedemann-Kurklinik auf dem Hanggrundstück am Ostufer des Starnberger Sees nicht übrig geblieben. Gleichzeitig hat der KWA-Vorstandsvorsitzende erklärt, nun doch kein Seniorenwohnstift auf dem Areal realisieren zu wollen, das sein Unternehmen vor acht Jahren für mehrere Millionen Euro gekauft hat. Seiner Darstellung nach ist die Anlage mit 79 Wohnungen nicht wirtschaftlich zu betreiben. Diese Entwicklung ist für alle Beteiligten nach so vielen Jahren der Planung, lautstarker Kritik und manchen Verwerfungen zwischen Gemeinde und Unternehmen kein Meisterstück.

Man könnte darin den Beleg sehen, dass sich Großprojekte in Deutschland in einem angemessenen Zeitrahmen kaum noch konstruktiv realisieren lassen. Der Eindruck könnte aber auch täuschen. Denn für das Aus des Ambacher Seniorenwohnstifts dürften in erster Linie Kommunikationsprobleme eine Rolle gespielt haben. Von Anfang an sahen sich die Gemeinde und das KWA der Kritik ausgesetzt, dass das Projekt für das kleine Ambach zu überdimensioniert sei, dass dem Ort für so viele Neubewohner die Infrastruktur fehle. Trotzdem hat sich der Projektträger darauf eindeutig eingelassen.

Bereits 2018 hatte das damalige KWA-Vorstandsmitglied Stefan Arend erklärt, dass es fortan nur noch um ein Konzept mit 80 Wohnungen gehe. Davor waren erst 120 und 91 Wohnungen für die geplante Anlage im Gespräch. Sechs Jahre und ein erfolgreiches, aber schließlich vom Gemeinderat einkassiertes Bürgerbegehren später, soll das alles nun Makulatur sein. Die 79 Wohnungen, von denen seit acht Jahren die Rede war, sollen plötzlich nicht mehr reichen. Und das, nachdem die Gemeinde einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan gegen alle Widerstände erarbeitet und das sich KWA in einem Durchführungsvertrag rechtlich gebunden hat.

Natürlich muss das Unternehmen darauf reagieren, wenn die Baukosten für das Projekt steigen. Aber erst öffentlich zu suggerieren, am Vorhaben festzuhalten, um dann doch wenige Monate später das Aus zu verkünden, ist einfach kein guter Kommunikationsstil. Das KWA muss sich den Vorwurf gefallen lassen, bewusst auf Zeit gespielt zu haben. Die Kritiker des Bauvorhabens werden sich nun bestätigt fühlen. Zeit ist aber das richtige Stichwort. Die sollten sich jetzt alle geben, um nach konstruktiven Lösungen in engerem Miteinander zu suchen.

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