Glasfaser in MünsingMit wenig Tempo zum schnellen Internet

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Gegenstand der Sehnsucht: Glasfaserkabel, hier beim Ausbau in Icking, sind nur für manche Münsinger in Ausicht.
Gegenstand der Sehnsucht: Glasfaserkabel, hier beim Ausbau in Icking, sind nur für manche Münsinger in Ausicht. Hartmut Pöstges

Knapp fünf Jahre hat es in Münsing gedauert, 101 Adressen über ein Förderprogramm mit Glasfaser zu erschließen. Weil kein Unternehmen das Netz auf eigene Kosten ausbauen will, setzt die Kommune auf neue Ausbauhilfen.

Von Benjamin Engel, Münsing

Ein Farbwechsel soll helfen, die Datenübertragungsraten im Internet für die Münsing zu erhöhen: Nachdem der zähe Glasfaserausbau mit dem „Weiße-Flecken-Förderprogramm“ des Bundes die Stimmung einiger Anwohner getrübt hat, will die Kommune das Netz nun über ein anderes Bundesförderprogramm schneller machen – das für „dunkelgraue Flecken“. Viel Aussicht, dass sich die Situation damit schnell verbessert, besteht jedoch nicht. Die Chancen auf eine Aufnahme Münsings für dieses Jahr sind gering.

Von einem „sehr unerfreulichen Thema“ sprach denn auch Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) in der Juli-Sitzung des Gemeinderats. „Die Sache beschäftigt uns, wenn sie uns nicht sogar belastet“, sagte er. Dass der Bayerische Landtag laut eines aktuellen Schreibens an die Gemeinden den flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes bis 2030 sicherstellen wolle, sei unbefriedigend, so Grasl. „Wir haben heute den dringenden Bedarf.“

Beim Thema Breitbandausbau sehen sich gerade große Flächengemeinden auf dem Land in der Bredouille. Denn weil die Einwohnerdichte dort eher gering ist, lehnen es die Telekommunikationsunternehmen in der Regel ab, das Glasfasernetz auf eigene Kosten auszubauen. Viele Kommunen setzen daher auf Förderprogramme, so wie Münsing.

Dort hat die Ausbauhilfe des Bundes für „Weiße Flecken“ gerade bewirkt, dass genau 101 eher abgelegene Adressen bald schnelle Glasfaserverbindungen ins Internet nutzen können. Auch Anwohner der Straßen, welche die Telekom auf der Strecke dorthin aufriss, wollten sich anschließen lassen, durften aber nicht. Das hat zu Irritationen und Ärger geführt. Solche Beifanglösungen seien bei dem Bundesförderprogramm „Weiße Flecken“ nicht möglich, erklärte die Telekom. Außerdem seien Gelder und Kapazitäten momentan fest verplant.

Die Betroffenen, die sogar bereit waren, für den Anschluss selbst zu zahlen, können das nicht nachvollziehen. Das berichtete auch Bürgermeister Grasl. „Ich muss sagen, der Frust bei den Anwohnern kommt bei uns täglich an“, sagte er. Doch der Kommune fehlt die Handhabe, etwas voranzutreiben. Die 101 abgelegenen Adressen in Münsing mit schnellen Glasfaseranschlüssen zu versorgen, kostet 3,2 Millionen Euro. Die Hälfte davon zahlt der Bund, weitere 40 Prozent der Freistaat. Die Kommunen müssen zehn Prozent der Ausbaukosten schultern.

Laut Münsings technischem Bauamtsleiter Josef Limm sollen die Tiefbauarbeiten für dieses Förderprogramm bis Ende September abgeschlossen sein. Die Telekom wolle die meisten Hausanschlüsse bis Ende Oktober 2025 in Betrieb nehmen. „Bis jetzt sind 75 Prozent der Hausanschlüsse gebucht“, so Limm. Laut Telekom ist das eine gute Quote.

Daran, dass der Glasfaserausbau in Münsing eher schleppend vorankommt, wird das wohl erst einmal nichts ändern. Den Vertrag für die 101 Adressen, die gerade angeschlossen werden, hatte die Telekom im November 2020 geschlossen. Viereinhalb Jahre vergingen bis zum Baubeginn.

Bis zu 1333 Adressen könnten vom neuen Förderprogramm potenziell profitieren

Mithilfe des Bundesförderprogramms für „dunkelgraue Flecken“ könnte die Kommune Münsing zwar sogar 1333 Adressen potenziell mit Glasfaser versorgen lassen. Denn dafür kommen all die Haushalte infrage, die derzeit weniger als 300 Megabit pro Sekunde im Download und 150 Megabit im Upload erhalten. Das Glasfasernetz entsprechend auszubauen, würde laut Limm 8,5 Millionen Euro kosten. Der Anteil der Kommune läge bei 850 000 Euro.

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Die Gemeinde will zwar in diesem Jahr einen Förderantrag dafür stellen. Doch die Chancen, die Mittel zu erhalten, stehen aktuell für Münsing ungünstig. Laut Melanie Hundt vom eingeschalteten Beratungsbüro Corwese ist das Volumen der bereitgestellten Fördermittel 2025 relativ gering. Zudem komme Münsing derzeit nur auf 165 von 500 möglichen Punkten. 250 bräuchte es ihrer Aussage nach mindestens. In Bezug auf Kriterien wie Bevölkerungsdichte oder interkommunale Zusammenarbeit stünden Münsings Chancen schlecht. Wenigstens verbessere jeder Ausbau wie der aktuelle über das „Weiße-Flecken“-Programm die Ausgangslage, so Hundt.

Angesichts der Faktenlage wirkte Bürgermeister Grasl konsterniert. „Wir können es niemandem mehr erklären“, sagte der Rathauschef. Bauamtsleiter Limm sagt, manche Bürger ließen sich eine Antenne von Elon Musks Unternehmen Starlink aufs Dach setzen, um eine funktionierende Internetverbindung zu erhalten.

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