bedeckt München 14°

Münsing:Neuer Lebensraum im Moor

Etwa ein Drittel des Münsinger Filzes konnte mit Gräben und Dämmen wieder vernässt werden.

(Foto: Elisabeth Pleyl/oh)

Im renaturierten Münsinger Filz siedeln sich seltene Tiere an

Von Benjamin Engel, Münsing

Das Münsinger Filz zu renaturieren hat fünf Jahre Vorbereitungszeit erfordert. Nur wenige Wochen nach der Umsetzung aber zeigten sich erste positive Auswirkungen. Bei den Begehungen habe sie seltene Tierarten wie Flussuferläufer und Heidelibellen entdeckt, berichtet Projektleiterin Elisabeth Pleyl. Mit ihrem Team hat die Moor-Fachkraft der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt in den ersten beiden Herbstmonaten dieses Jahres die Hälfte der früheren Torfstiche und Gräben im Moor durch Dämme aus Holz und Torf abgeriegelt. Mit zwei kleinen Moorbaggern wurden insgesamt 180 Dämme errichtet. "Soweit die Flächen dafür zur Verfügung gestellt worden sind, konnte der natürliche Moorwasserstand wieder hergestellt werden", sagt Pleyl.

Damit sind 20 Hektar, etwa ein Drittel, des Münsinger Filzes nordöstlich von Degerndorf im natürlichen Gleichgewicht wieder vernässt. Dank breiter Ketten war es den beiden Moorbaggern zwar möglich, den sensiblen Untergrund schadlos zu befahren. Selbst mit den Spezialmaschinen sei es aber trotzdem herausfordernd gewesen, auf dem nassen Untergrund in den Torfstichen zu arbeiten, sagt Pleyl.

Im renaturierten Filz bildeten sich laut einer Meldung des Landratsamts schon bald sogenannte Moorkolke. Das sind komplett von Moor umschlossene Wasseransammlungen ohne Strömung. Dort gibt es wichtige Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten wie Amphibien, Wasserwanzen und -käfer sowie Libellen. "Sogar seltene Zugvogelarten, die nasse Stellen zur Nahrungsaufnahme aufsuchen, fanden sich ein", schildert Pleyl.

Als Gebietsbetreuerin ist sie zusätzlich für das Benediktbeurer Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) tätig. Die Umwelt- und Naturschutzeinrichtung ist in der Lenkungsgruppe "Tölzer Moorachse" aktiv, die Moorrenaturierungen vorbereitet und bewerkstelligt. In dem seit 18 Jahren bestehenden Zusammenschluss arbeiten neben dem ZUK regionale Naturschutzverbände, der Bayerische Bauernverband, Naturschutzbehörden und Landrat Josef Niedermaier (FW) miteinander. Die Renaturierungsmaßnahmen im Münsinger Filz werden mit Mitteln des "Klimaprogramm Bayern 2050 - Moore" finanziert.

Die dortigen Torfmoose können nun wieder wachsen, weil die neu errichteten Dämme das Regenwasser zurückhalten. So kann laut Pleyl das Kohlendioxid aus der Luft entnommen und im Boden gespeichert werden. Denn das nasse Torfmoos zersetze sich nicht, sondern lagere sich ab, erklärt sie. Ein austrocknendes Moor hingegen zersetze sich und gebe so zehn bis 15 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und Jahr ab, sagt die Projektleiterin. Auf den 20 Hektar der wieder vernässten Moorflächen im Münsinger Filz würden so etwa 200 Tonnen des Treibhausgases im Jahr im Boden gehalten.

Der Torf aus Mooren wie dem Münsinger Filz diente in früherer Zeit als Brennstoff und Baumaterial. Um den Rohstoff abzubauen, zogen die Eigentümer der Flächen Entwässerungsgräben. Das Moor trocknete aus. Um den Ursprungszustand wiederherzustellen, begann Pleyl vor fünf Jahren, Gespräche mit Eigentümern zu führen. Sie stellten schließlich Flächen von 20 Hektar in dem 60 Hektar großen Gebiet zur Renaturierung bereit. Besonders freut sich Pleyl, dass sich erst kurz vor den jüngsten Maßnahmen weitere Eigentümer gemeldet hätten. Womöglich könnten so noch mehr Flächen im Filz renaturiert werden, sagt sie.

© SZ vom 09.12.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema