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Kulturzentrum am Starnberger See:Diskussionen um Münsings zukünftigen Saal

Architekturwettbewerb Bürgerhaus Münsing Modell

Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs für das neue Bürgerhaus stammt aus dem Münchner Büro um Bernhard Peck und Achim Daam.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Musikkapellen lehnen den Vorstoß für eine Verkleinerung im Bürgerhaus ab, der Mitorganisator der Musiktage ist dafür

Die Münsinger Grünen haben die Debatte um die Saalgröße im Bürgerhaus erneut entfacht: Über ihren Vorstoß, die Kapazität zur Kostenbegrenzung zu halbieren, streiten Kulturschaffende der Kommune. Die Vorsitzenden der Musikkapellen aus Münsing und Holzhausen sowie der Vorstand des Trachtenvereins Seeröserl lehnen eine Verkleinerung ab. Für Klaus Reid wäre ein minimierter Konzertsaal unter dem Dach atmosphärisch schöner und ausreichend. Der Mitorganisator des Klassikfestivals Holzhauser Musiktage, der sich für die Grünen engagiert, fürchtet, die Kommune werde mit dem jetzigen Plan für 400 Plätze mehr zerstören als erreichen. "Zum Schluss haben wir etwas, was niemand wirklich möchte", sagt er.

Das Münchner Büro um Bernhard Peck und Achim Daam hat den Architektenwettbewerb für das neue Bürgerhaus gewonnen. Ihr Entwurf sieht einen nach Süden orientierten Veranstaltungssaal im Erdgeschoss vor. Schon zu Jahresbeginn hatte Ernst Grünwald (Wählergruppe Ammerland) beantragt, den Saal zu verkleinern. Um Geld einzusparen, hat der Gemeinderat sich für eine Holz- statt einer Stahltragekonstruktion entschieden. Das kostet 200 000 Euro weniger. Der Raum wird aber dadurch 50 Zentimeter niedriger und nur noch 4,20 Meter hoch.

"Ein Raum mit flacher Decke hat keine gute Akustik", mahnt Reid. Ein Konzertsaal mit offenem Dachraum und Holzkonstruktion im Obergeschoss sei atmosphärisch stimmiger und intimer. Für klassische Konzerte reichten 199 Sitzplätze aus. Das komme die Kommune zudem wesentlich billiger. So bleibe sie unter dem Schwellenwert für größere Veranstaltungen und damit für umfangreichere Bauvorschriften wie etwa beim Brandschutz.

So deutlich Kosten sparen zu können, glaubt Johannes Ramerth nicht. Aus Sicht des Vorsitzenden der Holzhauser Musikkapelle wird der Schwellenwert schon überschritten, wenn etwa parallel noch eine andere Veranstaltung stattfindet. Eine Saalverkleinerung lehnt er ab. "Ich halte nicht sonderlich viel davon." Die Diskussion erinnere ihn an den Gemeindesaal im Verwaltungszentrum aus den 1970er Jahren. Bei Theaterveranstaltungen störten die Säulen im Zuschauerraum viele bis heute. Doch um zu sparen, habe man damals auf eine teurere Tragekonstruktion verzichtet. Ein Saal mit offenem Holzdachstuhl würde auch ihm gut gefallen, räumt er ein. Doch für den Architektenwettbewerb sei ein Raumprogramm vorgegeben worden. Das habe das Siegerbüro am besten umgesetzt.

Das Bürgerhaus wäre das bislang bei Weitem teuerste Bauprojekt der Kommune. Von Kosten bis zu 18 Millionen Euro wurde im Frühjahr gesprochen. Dort sollen die Rathausverwaltung unterkommen und der Veranstaltungssaal mit Platz für bis zu 400 Besucher. Von einem kulturellen Zentrum am Ostufer des Starnberger Sees hat Bürgermeister Michael Grasl (FW) gesprochen. Daher hält Anton Springer vom Trachtenverein Seeröserl die Dimensionen für gerechtfertigt. Münsing sei ein wachsender Ort, sagt er. "Wenn man einen Saal baut, sollte das nicht für jetzt, sondern für die Zukunft sein." Der Trachtenverein selbst brauche natürlich nicht so einen großen Saal. Aber für Gaufeste und ähnliches könne so viel Platz nur von Vorteil sein.

Eine Rolle in der Diskussion spielt auch, dass die Grünen fürchten, das Bürgerhaus könne so viel Geld verschlingen, dass nichts mehr für die vom Sportverein benötigte Mehrzweckhalle bleibt. Dort könnten nach der Vorstellung des Ortsverbands auch Musikkonzerte stattfinden. Das kommt für Springer nicht infrage. Für Auftritte alles herzurichten und wieder abzubauen, sei sehr aufwendig. Das Ambiente bleibe trotzdem das einer Turnhalle.

Für ihre gut besuchten Weihnachtskonzerte muss die Münsinger Musikkapelle in die Schulturnhalle ausweichen. Für die Proben diese länger zu belegen, sei jetzt schon schwierig genug, sagt der Vorsitzende Michael Huber. "Der Sportverein und die Schule müssen zurückstecken." In einer Mehrzweckhalle stellte sich dasselbe Problem. Mit dem Saal im Bürgerhaus für 400 Besucher sei eine Lösung gefunden worden. Viele seien damit zufrieden.

Von einem zukunftsfähigen Projekt spricht auch der neue Kulturreferent Georg Sebald (Wählergruppe Ammerland). Er war offizieller Vertreter für den Bereich Kunst und Kultur im Arbeitskreis für das neue Bürgerhaus. In Umfragen habe sich der jetzige Platzbedarf herauskristallisiert, sagt er. Auch jetzt hätten sich Vereine und Bürger zu Wort gemeldet, an den Planungen festzuhalten. Der Prozess sei so weit gediehen, dass man das Vorhaben jetzt umsetzen sollte.

Den Antrag der Grünen, über die hohen Kosten zu diskutieren, verstehe er sogar. Doch in der jüngsten Klausur zum Bürgerhaus, habe sich gezeigt, dass der Gemeinderat den jetzigen Plänen positiv gegenüberstehe. "Im Gremium ist der breite Wille da, etwas zu schaffen", sagt er. Es habe sich eine Macher-Mentalität ergeben.

© SZ vom 25.06.2020

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