Gleich zwei junge Vereine wollen das Kulturleben in Münsing in Schwung bringen. Für den zu Pandemiezeiten gegründeten Verein „Kunst am See“ war die Ausstellung „Power of Color“ in Michael Eckles Kunstraum Oltremare vor einem Jahr eine Initialzündung, sich neu aufzustellen. Ursula Scriba hingegen ließ sich bei der Gründung des Vereins „Kultur am See“ vom Pallaufsaal im neuen Rat- und Bürgerhaus inspirieren. Nun stellt sich der Verein mit zwei Herbstkonzerten erstmals in größerem Rahmen öffentlich vor.
„Ich war in der Arbeitsgruppe für den Betrieb des Pallaufhofs aktiv“, sagt die Architektin und Stadtplanerin, die die mit ihrer Familie in Ammerland wohnt und viele Jahre den Ostuferschutzverband geleitet hat. „Der Pallaufsaal hat so einen guten Klang. Wir wollen versuchen, dort klassische Musik auf einem hohen Niveau hineinzubringen.“ Dafür hat Scriba den in Wessling (Landkreis Starnberg) lebenden Cellisten und Komponisten Graham Waterhouse gewonnen, der mit ihr gemeinsam im Verein „Kultur am See“ aktiv ist.

Bevor der britische Musiker am Sonntag, 3. November, im Pallaufsaal mit einem größeren Ensemble ein Galakonzert gibt, kommt er am Mittwoch, 18. September, mit seinem Streichtrio – dem Waterhouse Trio – in Scribas Wohnhaus. Zusammen mit Anna Kakutia (Violine) und Chialong Tsai (Viola) spielt der Cellist dort eine neu komponierte Trio-Fassung von Bachs Preludio und Gigue aus der E-Dur Violine Partita, das Streichtrio c-Moll op 9/3 „Sturm und Drang“ von Ludwig van Beethoven und Eigenkompositionen. Warum ein Wohnzimmerkonzert? „Vor allem in kleiner Besetzung gibt es eine unmittelbare Verbindung zum Publikum“, sagt Waterhouse. So sei das Konzerterlebnis viel intensiver und folge historischer Praxis. Kammermusik im privaten Kreis hätten bereits Joseph Haydn oder Wolfgang Amadeus Mozart gegeben.
Das Heckelphon steht im Zentrum des Gala-Konzerts
Mit einem seibenköpfigen Ensemble gestaltet Waterhouse am 3. November ein Galakonzert im Pallaufsaal, bei dem das Heckelphon eine zentrale Rolle spielt. Der Komponist Richard Wagner soll das mit einer Tenor-Oboe vergleichbare Instrument entwickelt haben. In Münsing wird Holger Hoos das Heckelphon in einer Eigenkomposition von Waterhouse für Streichquartett plus Kontrabass spielen, die bei den Richard-Strauss-Tagen in Garmisch-Partenkirchen kürzlich uraufgeführt wurde. Zudem stehen andere Eigenkomposition sowie die für Streicher arrangierten elf Bagatellen Opus 119 von Ludwig van Beethoven auf dem Programm.
„Kultur am See“ verstehen die Vorsitzende Scriba und Waterhouse als Plattform, um mindestens drei bis vier klassische Konzerte pro Jahr in Münsing zu organisieren. Zudem sollen Veranstaltungen über den musikalischen Fokus hinausgehen. Angedacht sind Werkstattführungen in Ateliers von Kunstschaffenden, Lesungen, Filmvorführungen oder Führungen zur Architekturgeschichte in der Region. „Der Verein ist in den Kinderschuhen und relativ neu“, so Waterhouse. „Wir tasten uns heran.“ Seinen Angaben nach hat der Verein derzeit etwa ein Dutzend Mitglieder, die kulturelle Aktivitäten organisieren wollen.
Eine Konkurrenzsituation sieht Scriba nicht
„Ich wollte einen größeren Bogen spannen“, sagt Scriba. Das gelte räumlich über die Gemeindegrenzen hinaus wie auch thematisch. So habe sie bislang schon eine Führung durch eine Ausstellung des Bildhauers Josef Henselmann in der Geretsrieder Galerie an der Elbestraße angeboten oder Lesungen wie etwa mit der Autorin Monika Czernin.
Eine Konkurrenzsituation zu anderen Münsinger Kulturvereinen wie etwa den Holzhauser Musiktagen, dem Ostuferschutzverband, der Franz-von-Pocci-Gesellschaft oder „Kunst am See“ sieht Scriba nicht. Für alle gebe es Raum, um sich zu ergänzen, sagt sie.

Mit einem ansprechenden Logo und personell neu aufgestellt, präsentiert sich der Verein „Kultur am See“. Initiiert hatte ihn vor drei Jahren die Holzhauser Kunsttherapeutin Michaela Michalowski, die damals auch den Vorsitz übernahm. Der Fokus lag zuerst darauf, Kunstkurse für Schulkinder zu etablieren. Diese Angebote gebe es auch weiterhin, sagt Michael Eckle, der den Vorsitz übernommen hat, während Michalowski nun als Stellvertreterin agiert. „Wir konzentrieren uns auf zeitgenössische Kunst, sind aber offen für alle Sparten.“ Für kommendes Jahr sei etwa ein Filmfestival geplant.
Eckle bereitet gerade eine Ausstellung mit Aufnahmen der Seeshaupter Fotografin Kerstin Stelter vor, die am Freitag, 27. September, im Oltremare an der Münsinger Bachstraße eröffnet wird. Zu sehen sind Aufnahmen von Rockstars aus dem London der 1980er-Jahre. Der Verein „Kunst am See“ hat seiner Auskunft nach derzeit 20 Mitglieder. „Wir fangen klein an, legen aber großen Wert auf Qualität.“
„Kultur am See“ mit dem Waterhouse Trio, Wohnzimmerkonzert, Lerchenweg 3, Münsing/Ammerland, Mittwoch, 18. September, 19.30 Uhr, 20 Euro, Anmeldung bei Ursula Scriba unter Telefon 08177/92310 oder ursula@scribaup.de; Gala-Konzert „Das unerhörte Heckelphon“ mit Graham Waterhouse, Sonntag, 3. November, 11 Uhr, Bürgerhaus Münsing
