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Münsing:Jeder Ochs' ist anders

Für das Rennen am Sonntag in Münsing gibt es keinen Favoriten. Die Unwägbarkeiten sind groß. Die Reiter hoffen, dass sie nicht stürzen, denn das kann ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen.

Sie heißen King Louie und Napoleon, Bepo, Fonse und Bud Spencer. 19 Ochsen und ihre Reiter treten am Sonntag zum sechsten Münsinger Ochsenrennen an. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die Arena an der Holzhauser Straße ist vorbereitet. Unter den Jockeys sind auch dieses Jahr wieder einige Frauen, darunter die 21-jährige Amelie Bernlochner. Sie ist schon zum zweiten Mal dabei, diesmal mit King Louie, einem Fleckvieh-Ochsen, der ihr selbst gehört. Als sie ihn vor fast zweieinhalb Jahren bekam, war er drei Monate alt. Sie hat ihn selbst aufgezogen. "Er wird viel gestreichelt und gestriegelt." Dadurch sei eine enge Beziehung entstanden, sagt sie. Amelies Vater, Alois Bernlochner, ist Gründungsmitglied des Münsinger Ochsenvereins.

Teilnehmen kann an dem Rennen, wer entweder, wie Amelie, einen Ochsen besitzt oder von einem "Ochserer" als Jockey berufen wird. Amelie Bernlochner macht mit, weil es Spaß macht. Ob ihr die Erfahrung hilft? "Das kann man nicht sagen", erklärt die 21-Jährige. "Jeder Ochs' ist anders." Deshalb könne beim Rennen alles passieren. Tiere, die im Training nicht vom Fleck kommen, rennen vor Zuschauern plötzlich los, andere bleiben stehen oder laufen in die falsche Richtung. Für die junge Reiterin, die mit Pferden wenig am Hut hat, steht der Spaß im Vordergrund. Dabei hofft sie, dass sie nicht stürzt. Denn dabei kann man sich durchaus ernste Verletzungen zuziehen.

5. Ochsenrennen 2012

Die Sieger des Münsinger Rennens 2012: Martin Breiter auf dem Fleckvieh-Ochsen Kare. Breiter tritt beim diesjährigen Rennen nicht erneut an.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das ist Kirsten Kailer, 44, Erzieherin aus Münsing, vergangene Woche im Training mit dem Ochsen Bepo passiert. Sie brach sich eine Rippe. Sie wollte in diesem Jahr zum ersten Mal teilnehmen, beim Rennen vor vier Jahren war sie Zuschauerin. Zu Bepo hat sie eine "ganz intensive Beziehung mit ganz viel Herz und Gefühl. Ich weiß genau, was er denkt." Reiten kann sie ihn aber nicht mehr. Den Part übernimmt ausgerechnet der 23-jährige Forstwirtschaftsstudent Julius Sebald. Für das Rennen 2012 hatte er einen eigenen Ochsen ausgebildet. Er brach sich aber im Training einen Wirbel, mit der Teilnahme war es vorbei. Jetzt muss er einspringen, konnte sich nur wenig vorbereiten. "Ich lass' das einfach auf mich zukommen", sagt er.

Beim Rennen 2012 trat auch die 20-jährige Ela Sappl erstmals an. Heuer startet sie wieder - mit dem gleichen Ochsen. Seit 2010 reitet sie Mr. Charly Brown, einen Murnau-Werdenfelser. Über eine gute Freundin kam sie zum Ochsenrennen. "Ich bin da irgendwie so reingewachsen." Seitdem sei das Ochsenreiten eine "gemeinsame Mädelssache", erzählt sie. Vier Frauen sind heuer dabei. "Es packt einen das Rennfieber, man wird süchtig". Charly Brown ist mit seinen sechseinhalb Jahren der zweitälteste Ochse. "Das heißt nicht, dass er nicht auch gut ist." Er sei nie aus der Übung gekommen, die Arena kenne er. Sie hat großes Vertrauen in Mr. Charly Brown. "Er würde mich nie absichtlich runterbuckeln." Sappl macht in Erlangen eine Hebammen-Ausbildung, aber wann immer sie in Münsing ist, besucht sie ihren Ochsen. Am meisten freut sie sich auf das Miteinander beim Ochsenrennen und die gute Stimmung. Die Teilnehmer schätzten sich und helfen sich gegenseitig.

Das Programm

Das Münsinger Ochsenrennen hat heuer wieder ein mehrtägiges Rahmenprogramm. Im Festzelt am Hartlweg ist am Freitag Blasmusik und Partystimmung angesagt mit "Ansatzlos", Einlass ist von 19 Uhr an, die Band fängt an zu spielen, wenn genug Leute da sind. Am Samstag, 27. August, werden von 10 Uhr an Oldtimer gezeigt, vor allem sind auch landwirtschaftliche Fahrzeuge zu sehen. Um 19 Uhr ist Einlass zum Münsinger Tanzlmusi-Treffen.

Der Renntag, Sonntag, 28. August, beginnt um 10 Uhr mit einem Frühschoppen, es folgt der Festzug vom Bernlochner-Stadl zur Arena an der Holzhauser Straße um 12.30 Uhr, bevor von 14 Uhr an die 19 Ochsen auf die 100 Meter lange Strecke gehen. In den Vorläufen treten vier mal fünf und einmal vier Tiere gegeneinander an. Die besten zwei jedes Vorlauf qualifizieren sich direkt für die Halbfinal-Läufe, daneben gibt es Hoffnungsläufe. Die besten vier Ochsen aus den Halbfinalläufen treten im Finale gegeneinander an. Wer schließlich gewinnt, hängt stark von der Tagesform ab.

Man kann auf den Sieger Wetten abschließen, es gibt von der Traumreise über eine Motorsäge, einen Gutschein von Hutmacher Martin Wiesner bis zum Bierfass interessante Preise zu gewinnen. Unter allen Teilnehmern werden 100 mal zwei Karten für die Sommerrodelbahn Kolbensattel in Oberammergau verlost. Der Renntag endet mit dem Ochsenball im Festzelt. Beginn ist um 19 Uhr, allerdings ohne die Ochsen. ihr

Die Ochsen sind Weiß-Blaue Belgier, Pinzgauer oder Murnau-Werdenfelser. "Diese Rassen sind einfach schöner und nicht alltäglich", erklärt Sebald. Sappl sagt, es sei "Glaubenssache", welche Rasse man halte. Sie selbst ist der Meinung, die Schnelligkeit hänge mehr mit dem Charakter eines Ochsen zusammen als mit der Rasse: "Jedes Vieh hat einen anderen Charakter, wie beim Menschen."