Die Alleinlage auf einer Anhöhe am Ostufer mit Blick über den Starnberger See bis zu den Alpen macht das Schlossgut Oberambach zu einem besonderen Ort. Als Rückzugsort nutzte bereits die Deutsche Fußballnationalmannschaft das von Wiesen und Wäldern umgebene Haus, in dem die Familie Schwabe in den 1990er-Jahren ein nach ökologischen Prinzipien geführtes Hotel eingerichtet hatte. Im November 2024 schlossen die Eigentümer ihren Betrieb in der Kommune Münsing und verkauften das Haus an Fabian Strüngmann aus der Gründerfamilie des Pharma-Unternehmens Hexal.
Im denkmalgeschützten Gebäudeensemble von Oberambach will der Sohn des Pharma-Unternehmers Thomas Strüngmann den Hotelbetrieb mit 40 Betten wiedereröffnen, vor allem aber seine Vision von nachhaltiger Landwirtschaft und Gastronomie zusammenführen. „Wir haben einmal die Chance, neu zu denken“, sagt der neue Eigentümer.

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In der Remise nordwestlich des Haupthauses will Fabian Strüngmann eine Kochschule als zentralen Bestandteils seines Konzeptes für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln und der Natur einrichten. Das soll Menschen anziehen, die sich intensiver mit den Aspekten des Kochens und der Verarbeitung der Produkte auseinandersetzen wollen. „Die Kochschule könnte den gastronomischen Betrieb unterstützen und ein integraler Bestandteil des Gastronomie-Erlebnisses werden“, so Strüngmann.
Auch wenn die Voreigentümerfamilie Schwabe der Kommune jahrelang Pläne für eine aus ihrer Sicht ökonomisch notwendige Erweiterung präsentierte, will Strüngmann die Bettenzahl gleich lassen. Das Vitalzentrum am heutigen Entree des leer stehenden Hotelgeländes will er abreißen lassen. So sollen neue Blickachsen entstehen und die Orientierung leichter werden, weil der Fokus mehr auf die denkmalgeschützten Gebäude gelenkt wird, erklärt er. „Heute fahren die Gäste am Parkplatz erst einmal auf das Vitalzentrum zu“, sagt Strüngmann. „Sie wissen nicht, wo sie hin müssen.“
Die Wellnessangebote will der neue Eigentümer stattdessen in einem neuen Gebäude nordwestlich des Badeteichs zentralisieren. Früher mussten etwa Gäste von der separat untergebrachten Sauna zu Kosmetikbehandlungen oder Massageanwendungen über den Vorplatz laufen.


Auch den Wintergarten, der im Süden an das Haupthaus angebaut wurde, könne man entfernen, überlegt Strüngmann. Denn dieser mache die Innenräume viel zu dunkel. Stattdessen könnten größere Fenster mehr Helligkeit nach innen bringen.
Mit dem Projekt widmet sich der Besitzer seiner Leidenschaft. Als Sohn von Thomas Strüngmann, der mit seinem Zwillingsbruder Andreas die Firma Hexal gründete, ist Fabian Strüngmann in die Branche hineingewachsen, wie er sagt. „Ich bin ein Kind der Pharma-Industrie.“ Jahrelang blieb er in diesem Berufsfeld tätig, ehe er sich entschloss, umzusteigen.
„Mein Hauptthema war schon lange der nachhaltige Umgang mit Lebensmitteln“, so Strüngmann. Als begeisterter Hobbykoch habe er sich immer stärker mit der sogenannten dynamischen Landwirtschaft beschäftigt, die Elemente des ökologischen Anbaus mit Prinzipien der Permakultur und Agroforstwirtschaft verbindet. Schließlich habe er eine Kochschule in Paris und besucht und in Sterne-Restaurants gearbeitet, sagt Strüngmann. „Ich habe dann zunächst nach einem Hof gesucht, um Landwirtschaft und Gastronomie zusammenzuführen.“ Währenddessen machte ihn jemand auf das zum Verkauf stehende Schlossgut Oberambach aufmerksam.
„Das passt an so vielen Enden“, sagt Fabian Strüngmann über den Ort
Die Lage mit Blick über den Starnberger See bei gleichzeitiger Nähe zur Großstadt München waren ausschlaggebende Kriterien, das Haus zu übernehmen. Der Ort sei ihm wichtig, sagt Strüngmann. „Das passt an so vielen Enden, dass man dort etwas entstehen lassen kann.“
Die Entwicklungsgeschichte erinnert an das Projekt seines Vaters und seines Onkels am Tegernsee, auch wenn die Dimensionen dort viel größer sind: In Bad Wiessee sind die Zwillingsbrüder die Investoren hinter dem Luxus-Hotel-Projekt Seegut, für das auf 3,5 Hektar 25 Gebäude entstehen. Einen Vergleich zu seinem Vorhaben weist Fabian Strüngmann aber strikt von sich. „Allein schon die Preisklasse ist eine ganz andere“, sagt er. Ihm sei es ein Anliegen, dass eine gemischte Klientel nach Oberambach komme, insbesondere auch die Einheimischen.
Bis es so weit ist, braucht es allerdings noch ein wenig Zeit. Die Kommune arbeitet an einem vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahren, das der Gemeinderat im November gebilligt hat. Die Gemeinde Münsing habe ihm das Gefühl gegeben, willkommen zu sein, sagt Strüngmann. „Bisher ist es eine sehr positive Zusammenarbeit gewesen.“

