Energiewende:Münsing will Photovoltaik-Ausbau forcieren

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Energiewende: Eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage bei Markt Schwaben.

Eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage bei Markt Schwaben.

(Foto: Eberwerk Ebersberg/oh)

Die Gemeinde verabschiedet Leitlinien zur Entwicklung von Freiflächenanlagen. So soll eine verträgliche Energiewende möglich werden - doch Widerstand deutet sich an.

Von Benjamin Engel, Münsing

Mithilfe von Leitlinien soll in Münsing gelingen, was in Dietramszell erst kürzlich gescheitert ist. "Wir wollen den Ausbau für Photovoltaik auf der Freifläche forcieren", hat die Umweltbeauftragte Anja Ruhdorfer (Grüne) dementsprechend selbstbewusst in der jüngsten Sitzung des Münsinger Gemeinderats formuliert. Dafür sollen die von dem Gremium verabschiedeten Leitlinien als Handlungsrahmen dienen. Das Ziel klingt durchaus ambitioniert: Um die 200 Prozent des gesamten Strombedarfs der Kommune sollen über Solarflächen gedeckt werden. Das entspricht etwa 25 Megawatt Leistung. Dafür müssten künftig auf 25 Hektar - einem Prozent der landwirtschaftlichen Flächen Münsings - Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen entstehen.

Für andere erneuerbare Erzeugungsformen wie etwa die Windkraft gibt es derzeit in Münsing keine Investoren. Zudem sind die Planungszeiten lang. Daher will die Kommune primär auf Freiflächen-PV-Anlagen setzen - vor allem deshalb, um das selbst gesteckte Ziel zu erreichen, bis 2035 energieautark zu werden.

Exponierte Lagen, Aussichtspunkte und besondere Sichtachsen sollen laut den Leitlinien als Standorte gemieden werden. Die Anlagen sollen möglichst dezentral und ausgewogen im Gemeindegebiet verteilt werden. Mit dem Betrieb soll eine ökologische Aufwertung einhergehen; das heißt, die dortigen Grünlandflächen sollen extensiv bewirtschaftet, auf Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie Chemie soll verzichtet werden. Projekte mit Bürgerbeteiligung werden als wünschenswert definiert. Präferiert werden von Wohnbebauung entfernte Lagen auf bereits versiegelten Flächen oder nahe der Garmischer Autobahn A 95.

Damit dürfte ein im März erst einmal zurückgestellter Antrag für eine 2,7 Hektar große PV-Freiflächenanlage nahe des Pendlerparkplatzes an der Münsinger Autobahnausfahrt bald wieder spruchreif werden. Ohne Diskussionen dürfte aber selbst dieser Standort kaum bleiben. "Am Pendlerparkplatz ist für mich die falsche Stelle", sagte Thomas Schurz (CSU). "Dort ist die letzte Chance für Münsing, einen verkehrsschonenden Gewerbeindustriepark zu schaffen." In einer Kommune brauchten auch die Unternehmen Platz, um zu wachsen. Skeptisch äußerte sich Schurz, ein Ziel von 25 Hektar für PV-Freiflächenanlagen auszugeben. "Da bin ich gespannt, wo wir das ohne Gegenwehr durchbringen werden." Der CSU-Gemeinderat stimmte als einziger gegen die Leitlinien.

Bislang hat die Kommune laut dem Energie-Atlas Bayern einen Gesamtenergiebedarf von knapp 11 000 Megawattstunden (Stand 2019). 61 Prozent davon decken erneuerbare Energie wie PV-Dachanlagen und Biogas. Für die Energiewende wird Münsing also viel mehr regenerativ erzeugten Strom brauchen. Beim Ausbau müsse die Kommune mit Widerstand umgehen, sagte die Umweltbeauftragte Ruhdorfer. "Auch das wunderbare Oberbayern wird seinen Beitrag leisten müssen." Die Planungshoheit liege bei der Gemeinde, für die PV-Freiflächenanlagen müssten Bebauungspläne aufgestellt werden. Laut Bürgermeister Michael Grasl (FW) werde es ohne Kompromisse nicht gehen. "Wir werden Zugeständnisse machen müssen."

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