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Münsinger Politik:Bund der Steuerzahler prüft Kosten für Bürgerhaus

Bürgerzentrum und Jugendzentrums in Geretsried Stein

So sah die Planung zunächst aus, dann wurde alles etwas kleiner, das Foyer um einen halben Meter Breite und der Saal um 24 Quadratmeter.

Statt zwölf soll das Münsinger Projekt 20,5 Millionen Euro kosten. In der Erstschätzung haben etwa Baunebenkosten gefehlt

Von Benjamin Engel, Münsing

Als zu teuer haben bislang vor allem Teile der Münsinger Grünen das geplante Bürgerhaus kritisiert. Jetzt hat sich der Bund der Steuerzahler eingeschaltet. Nach einem Hinweis kontaktierte der Verein Münsings Bürgermeister Michael Grasl (FW). Der Rathaus-Chef soll beantworten, inwiefern die Kommune das Projekt sachgerecht finanziert. Es geht um Fragen zur Projektsteuerung, zur Rechtfertigung für die Tiefgarage und das Kosten-Nutzen-Verhältnis. "Wir werden das innerhalb der nächsten Wochen beantworten", stellt Bürgermeister Grasl klar. Aus seiner Sicht lässt sich die Kritik ausräumen.

Die Differenz zwischen der ersten groben Kostenschätzung und aktuellen Zahlen klingt zunächst groß. Nach Abschluss des Architekturwettbewerbs vor drei Jahren war mit Ausgaben von um die zwölf Millionen Euro kalkuliert worden. Anfang 2020 standen mehr als 15 Millionen Euro im Raum. Aktuelle Kostenschätzungen gehen von 20,5 Millionen Euro aus. Davon entfallen 7,5 Millionen Euro auf den Rathaustrakt, acht Millionen Euro auf die Bereiche für soziale und kulturelle Nutzung. Sechs Millionen Euro soll die Tiefgarage kosten. "Die Differenz ist wirklich nicht klein", sagt Grasl. Der Bürgermeister spricht aber auch von einem sehr unglücklichen Umstand. Denn zur ersten Grobkostenschätzung hätten neue, erst seit dem Jahr 2020 bekannte Erkenntnisse noch gar nicht vorgelegen.

Verschiedene Gründe führen laut Grasl zu den Mehrkosten. Bei den ersten Schätzungen seien die Baunebenkosten, etwa für die Planer und Projektsteuerer, noch nicht miteinbezogen gewesen. "Im öffentlichen Bereich macht das heutzutage um die 25 Prozent aus", sagt Grasl. Als Bauträger sei die öffentliche Hand besonders gehalten, Regularien akribisch einzuhalten. Das koste Zeit, aber vor allem Geld. Ohne einen externen Projektsteuerer könne eine kleine Verwaltung wie die Münsinger ein solches Projekt nicht stemmen. "Wir müssen uns externe Hilfe holen", erklärt Grasl. Hinzu komme, dass Materialkosten am Bau wieder anzögen. Eine große Rolle spielten die Steigerungen am Holzmarkt. Die Kommune baue das Bürgerhaus mit viel Holz. Zudem seien die Tiefbauarbeiten aufwendig und machten das Projekt teurer. Die Tiefgarage mit 50 Stellplätzen ist aus Sicht von Grasl erforderlich. Bei Veranstaltungen im jetzigen Gemeindesaal oder in der Turnhalle gebe es schon im derzeitigen Bestand zu wenig Stellplätze.

Bürgerhaus Münsing Simulation Peck.Daam Architekten

Für Vinzenz Dufter vom Bayerischen Verein für Heimatpflege setzt der jetzt geplante Neubau Einfirsthof-Merkmale architektonisch zeitgemäß um.

(Foto: Visualisierung: Peck Daam Architekten)

Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat den Bauantrag für das Bürgerhaus im diesjährigen Februar gebilligt. Die Eingabepläne und die Dokumentation des Architekturwettbewerbs sind auf der Gemeinde-Homepage für jedermann einzusehen. Für Vinzenz Dufter vom Bayerischen Verein für Heimatpflege fügt sich das Bürgerhaus bestens in das Ortsbild Münsings ein, schreibt er in einer Stellungnahme. Der Neubau übersetze die Merkmale des vorherigen Einfirsthofs in eine zeitgemäße Architektursprache. Bürgermeister Michael Grasl wehrt sich gegen Vorwürfe, zu wenig zu informieren. Die aktuelle Pandemie-Situation mache Sonderveranstaltungen unmöglich. Über das Gemeindeblatt, die Homepage und die Presse werde man sich bemühen, die Öffentlichkeit zu informieren.

© SZ vom 15.04.2021
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