Nicht alle tierischen Neuankömmlinge sind hierzulande willkommen, man denke nur an Tigermücke, Japankäfer oder Asiatische Hornisse. Ganz anders ist das bei den Vögeln. Drei Beispiele aus der Münchner Region, an denen Naturliebhaber ihre Freude haben.
Bienenfresser
Der Vogel mit dem schillernden Gefieder ist seit etwa zehn Jahren im Landkreis Freising heimisch geworden. Allerdings ist er immer noch so selten, dass man ihn nur mit viel Glück zu Gesicht bekommt. Nördlich der Amper, in alten Tongruben, gebe es 30 bis 40 Brutpaare, sagt Günther Knoll vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Freising. In den Sandschichten von Steilwänden finden sie optimale Bedingungen und graben ihre Bruthöhlen. „Es werden jedes Jahr mehr.“ Die genauen Stellen will er nicht verraten, denn die Vögel seien sehr scheu und reagierten empfindlich auf Störungen.
Dass sich der Bienenfresser hier angesiedelt hat, freut Knoll. „Er ist wunderschön“, das Gefieder leuchte in den „unwahrscheinlichsten Farben“, schwärmt er, in gelb-grün-blau-braun. Die in Mitteleuropa seltene Art ist ein Profiteur des Klimawandels. Verbreitet ist sie in Nordafrika und dem Mittelmeerraum, zudem in der Schwarzmeerregion bis Mittelasien. Eines der größten Brutvorkommen der wärmeliebenden Vögel in Deutschland gibt es im Kaiserstuhl mit seinem gemäßigten Klima. In Bayern ist der Bienenfresser in Schwaben und im nordwestlichen Oberbayern vereinzelt oder in Kleinkolonien vertreten.
Anders als sein Name vermuten lässt, frisst er nicht nur Bienen, sondern auch Libellen, Käfer und Wespen. Von einem Ansitz aus erbeutet er sie in der Luft. Knoll vermutet, dass die Vögel dauerhaft in Bayern bleiben werden. Ihre Zahl steige von Jahr zu Jahr. Weit verbreiten werde sich der Bienenfresser eher nicht, weil die Zahl der Insekten abnimmt und das Nahrungsangebot deshalb begrenzt ist. Brutpaare gibt es auch in den Landkreisen Erding und Pfaffenhofen. Ein weiteres Problem ist laut Knoll, dass aufgelassene Gruben wieder renaturiert werden müssen. Dabei seien sie ein wichtiger Lebensraum nicht nur für den Höhlenbrüter, sondern beispielsweise auch für Kröten und Kammmolche. Entdecke man die Vorkommen rechtzeitig, könne man die Lebensräume in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde schützen.
Mittelmeermöwe

Wem im Urlaub schon mal die Eiswaffel in einer unerwarteten Attacke aus der Luft weggeschnabelt wurde, der weiß: Die Mittelmeermöwe ist eine schlaue und unverfrorene Flugkünstlerin. Die etwa bussardgroßen Vögel, die an ihren gelben Füßen und dem roten Schnabelfleck zu erkennen sind, gelten als hochintelligent und außergewöhnlich anpassungsfähig. So erklärt sich auch, dass sie gerade dabei sind, ihre ursprüngliche Heimat im Mittelmeerraum immer weiter nach Norden auszudehnen.
„Ihre Wanderrouten liegen entlang der Flüsse“, weiß Simon Hummel vom LBV Bad Tölz-Wolfratshausen. „An Donau, Isar und Inn hat sie sich schon angesiedelt.“ Der höchstgelegene Brutplatz nördlich der Alpen dürfte am Walchensee liegen. „Dort gibt es schon seit mehr als zwanzig Jahren eine kleine Kolonie.“
Das Wasser nutzt die Mittelmeermöwe vor allem zur Nahrungssuche. Fisch und Krustentiere stehen ganz oben auf ihrer Speisekarte. Im Notfall bediene sie sich aber auch im Grünland oder an Mülldeponien, sagt Hummel, „sofern diese noch zugänglich sind“. Wenn es ums Essen geht, erweist sie sich jedenfalls als einfallsreiche Problemlöserin. Um Muscheln oder Krabben zu knacken, lässt sie diese etwa aus großer Höhe auf harte Unterlagen fallen. „Der Vogel ist sehr erfinderisch.“
Die Zahl der Brutpaare ist bislang sehr übersichtlich. Vor zehn Jahren sei der Brutbestand in ganz Deutschland auf 100 Paare geschätzt worden, sagt Hummel. Er sieht die Mittelmeermöwe daher nicht als invasive Gefahr, die andere Arten zu verdrängen drohe. „Sie ist eher ein erfreulicher Zusatz.“
Zwergohreule

Sie ist eine der kleinsten Eulen Europas, wiegt weniger als 100 Gramm und bringt nicht nur Vogelfreunde um ihren Schlaf: Die Zwergohreule hat in den vergangenen Jahren mehrmals am Ammersee und Starnberger See Station gemacht, was eine kleine Sensation ist. Denn in Deutschland ist das Nachtvögelchen noch immer extrem selten. Der Bestand liege unter zehn Paaren, meldet die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen. Bedingt durch den Klimawandel breitet sich die streng geschützte Art aber langsam auch in Süddeutschland aus.
„Vor etwa zehn Jahren hat es ein Brutpaar am Südende des Ammersees gegeben“, sagt Pit Brützel vom LBV Starnberg. „Und wenn wir dieses Gespräch in zehn Jahren noch einmal führen, wird sie hier wohl häufiger anzutreffen sein.“ Zuletzt machte die kleine Jägerin immerhin zweimal Sommerpause am Starnberger See, wo sie vor allem durch ihren markanten Ruf aufhorchen ließ – „ein monotones kurzes Djü in einer Tonhöhe von etwa 1400 Hertz“, wie der Ornithologe Hauke Clausen-Schaumann erklärt.
Im Mai 2023 habe ein Männchen zunächst am Ostufer bei Ambach gerufen, und zwar „von Sonnenuntergang bis nach Mitternacht“. Anfang Juni habe es dann offenkundig die Seeseite gewechselt. Eine Bernriederin habe die etwa amselkleine, aber ausdauernde Eule mehrere Nächte lang rufen gehört und gefragt: „Muss die denn gar nicht Luft holen?“ Auch im darauffolgenden Jahr sei sie wieder in Bernried zu Gast gewesen und dann mit dem Sonnwendfeuer verstummt, erzählt Clausen-Schaumann. Zu Gesicht habe er sie noch nie bekommen. Ihr Federkleid sieht aus wie Rinde, was ihr eine perfekte Tarnung verschafft. Und ihre auffälligen gefiederten „Ohren“ – kann sie einfach anlegen.

