Auf der Hitliste missglückter Ausflüge dürfte dieses Szenario weit oben rangieren: Man kommt schwer bepackt vom See, um die Heimfahrt anzutreten – und das Auto ist nicht mehr da. Abgeschleppt. Diese Erfahrung haben in den vergangenen Tagen vermehrt Erholungssuchende in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Starnberg gemacht. Seit Juli wendet der Zweckverband Kommunale Dienste Oberland dort das sogenannte vereinfachte Abschleppverfahren an. Es greift bei „sicherheitsrelevanten Parkverstößen“, wie Pressesprecherin Simone Bräu erklärt.
Im Fokus stehen Rettungswege und Feuerwehrzufahrten, aber auch Behindertenparkplätze, also alle Bereiche, in denen Falschparker ein besonderes Risiko oder Ärgernis darstellen. In Vereinbarungen haben die zuständigen Kommunen gemeinsam mit Polizei und Zweckverband festgelegt, wo sich diese sensiblen Bereiche befinden. Eben dort können die Kontrolleure des Zweckverbands nun weitgehend selbständig Autos abschleppen lassen. Die Polizei werde zwar weiterhin informiert und eingebunden, sie müsse „die Gefährdungslage jedoch nicht mehr vor Ort bestätigen“, sagt Bräu. Dadurch können wild geparkte Fahrzeuge weitaus schneller als bisher entfernt werden.


Vereinbarungen zum vereinfachten Abschleppverfahren hat der Zweckverband mit den Gemeinden Jachenau und Kochel am See sowie mit Tutzing, Berg, Münsing und Starnberg geschlossen. Zehn „abschleppwürdige Parkverstöße“ hat es nach Auskunft von Maximilian Brummer, Leiter Ruhender Verkehr, in den ersten drei Juliwochen gegeben, sechs widerrechtlich geparkte Autos wurden von Spezialfirmen aus dem Weg geräumt.
Es gehe nicht darum, möglichst viele Fahrzeuge abzuschleppen, sagt Brummer. „Es geht darum, Gefahren zu beseitigen und sicherzustellen, dass Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei im Ernstfall ohne Zeitverlust an ihren Einsatzort gelangen. Gerade mit Blick auf die vielen ehrenamtlichen Einsatzkräfte in der Region ist das ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen Sicherheit.“
Der Ärger über blockierte Zufahrten und Rettungsgassen hat in den beiden Landkreisen seit Jahren zugenommen. Vor allem in den Sommermonaten geht der Ansturm von Badefreudigen mit einer bisweilen rücksichtslosen Park-Anarchie einher. Nicht wenige Gäste nehmen lieber einen Strafzettel in Kauf, als wieder umzukehren oder sich ein anderes Ausflugsziel zu suchen.


Polizei, Kommunen und Zweckverband setzen nun auf die abschreckende Wirkung von Abschleppmanövern. „Da hat man erst einmal das G’schau“, sagt Sprecherin Bräu, eine gebürtige Gaißacherin. Die Aufregung sei also groß. Und dann komme auf den Fahrzeughalter ein erheblicher Aufwand zu. Wer einen Rettungsweg blockiert, zahlt 55 Euro Strafe an den Zweckverband. Die Kosten fürs Abschleppen betragen rund 400 Euro. Nerven und Zeit kostet es zudem, das Auto wieder abzuholen. Feste Plätze gebe es dafür nicht. Die Polizei vereinbare mit den jeweiligen Abschleppunternehmen, wo die Fahrzeuge abgestellt würden.
Auch Bräu hat Verständnis dafür, „dass Menschen aus der Stadt am Wochenende ein Stück See und Grün um sich haben möchten, logisch“. Das Problem seien mittlerweile die Massen von Besuchern. Einheimische würden die Erholungsgebiete an den Wochenenden längst meiden. Gerade an heißen Tagen seien die Parkplatz-Kapazitäten „komplett ausgelastet“, bestätigt Brummer. Er empfiehlt, das Auto dann an einem Pendlerparkplatz abzustellen und auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen.
An diesem Wochenende starten er und sein Team in Abstimmung mit der Polizei die Aktion „Bist du sicher?! – Parke fair“. In der Stadt Starnberg sowie in den Seegemeinden Berg, Münsing, Tutzing, Bernried, Feldafing, Pöcking und Seeshaupt gibt es von Freitag, 24. Juli, bis Sonntag, 26. Juli, verstärkte Verkehrskontrollen. An besonders sensiblen Stellen werden Banner zum Freihalten von Rettungswegen angebracht. „Rücksichtnahme beginnt bei jedem Einzelnen“, sagt Brummer. „Im Ernstfall kann sie einen entscheidenden Unterschied machen.“

