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München/Geretsried:Zweifelhafte Übergriffe

44-Jähriger bestreitet, die Tochter seiner Frau missbraucht zu haben

Es war an einem Morgen im Januar 2012, als Simon L. (Name geändert) aufwachte und die Wohnung, in der er mit seiner Frau in Geretsried wohnte, verlassen musste. Die Mutter zweier Kinder hatte die Polizei alarmiert und behauptete, ihr Mann schlage sie und die beiden Kinder. Simon L. musste gehen, nachdem eine Streife ihn mit den Vorwürfen konfrontiert hatte. Danach lebte er zwei Jahre in einer Unterkunft für Obdachlose in Bad Tölz, ehe er eine neue Bleibe im südlichen Landkreis fand. Seine Frau ließ sich von ihm scheiden. Dann tauchten weitere Vorwürfe gegen den 44-Jährigen auf. Simon L. soll die kleine Tochter seiner früheren Frau in der Zeit zwischen September 2010 bis Anfang 2012 sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. So steht es in der Anklage der Staatsanwaltschaft am Landgericht München II, wo sich der 44-jährige Maschinenführer seit Montag verantworten muss.

Insgesamt soll es zu fünf Übergriffen gekommen sein. Nachdem er im Januar 2012 die gemeinsame Wohnung in Geretsried habe verlassen müssen, habe er kein Wort mehr mit seiner früheren Frau und deren beiden Kinder aus erster Ehe gesprochen, sagt L. bei seiner Vernehmung.

"Warum erzählen die jetzt solche Geschichten", fragt Richterin Regina Holstein. "Das weiß ich doch nicht", erwidert der 44-Jährige. Kennengelernt haben er und die Muter zweier Kinder sich über das Internet bei einem Online-Spiel. Dabei schlüpften die Teilnehmer in die Rolle von "Kämpfern, die zusammen Aufgaben lösen", so L. bei seiner Vernehmung. Auch der erste Ehemann seiner späteren Frau habe mitgespielt. 2006 besuchte Simon L. sie. Sie ließ sich von ihrem ersten Mann scheiden. Im Spätsommer 2010 zog L. bei ihr in Geretsried ein.

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Angeklagte die damals etwa sieben Jahre alte Tochter seiner späteren Frau bereits kurz nach seinem Einzug sexuell missbraucht haben. Bis Januar 2012, als L. die Wohnung verlassen musste, soll es zu vier weiteren Übergriffen gekommen sein, im Ehebett, im Wohnzimmer und in der Küche der Wohnung, in der der 44-Jährige mit seiner Frau lebte. Diese war tagsüber weg. Sie arbeitete in einem Geschäft als Filialleiterin. Er sei in dieser Zeit "Hausmann" gewesen, sagt der Angeklagte und habe sich um die Tochter und den kleinen Bub seiner Frau gekümmert. "Ich hab' alles für die Kinder gemacht, bin mit ihnen zum Arzt gegangen hab' mit ihnen gespielt", versichert L. den Richtern. Und die Vorwürfe aus der Anklage der Staatsanwaltschaft, hakt die Vorsitzende nach. "Ich sag', ich hab' nix gemacht, dabei bleib' ich", antwortet Simon L.

Der kleinen Tochter seiner Frau soll der 44-Jährige mehrfach angedroht haben, sie zu schlagen, für den Fall, dass sie jemanden etwas von den mutmaßlichen sexuellen Übergriffen erzähle. Außerdem soll er ihr gesagt haben, dass sie "Ärger" mit ihm bekommen werde, wenn sie bei den sexuellen Praktiken, die er von ihr verlangt habe, nicht mitmache. Simon L. streitet dies alles ab. Die Kinder hätten ihn sogar gefragt, ob sie "Papa" zu ihm sagen dürften, berichtet er. Ob er das Gefühl gehabt habe, dass die Tochter seiner Frau ihn mochte, will der Vertreter der Staatsanwaltschaft wissen. "Ich hatte schon das Gefühl, dass sie mich mag", erwidert Simon L. Das Gericht hat drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil in dem Prozess wird für Mitte Mai erwartet.

© SZ vom 05.05.2020 / sal

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