Als Ingenieur bei einem großen Automobilkonzern hatte Martin Schumacher einen renommierten Arbeitgeber und ein geregeltes Einkommen. Die Tätigkeit versprach Prestige und Karrierechancen. Wirklich befriedigend war das für den Münchner auf Dauer allerdings nicht. Im Alter von 42 Jahren hat Schumacher in diesem Frühjahr seinen Job gekündigt, um mit seiner Freundin Tina Gröner – die 54-Jährige war Produktmanagerin in der Textilbranche – die Florianshütte auf dem Brauneck zu übernehmen. „Das war die beste Entscheidung, die wir jemals getroffen haben“, sagt Schumacher zweieinhalb Monate nach der Eröffnung.
Auf einer Berghütte zu arbeiten, verspricht häufig ein Freiheitsgefühl an einem Ort in schöner Natur – dort, wo andere gerne Freizeit und Urlaub verbringen. Genau davon berichtet auch Schumacher und nennt zugleich die damit verbundenen Risiken. Denn Wirt und Wirtin zu sein, bedeutet natürlich viel mehr, als nur eine gute Zeit mit den meist entspannten Gästen zu haben.
Am Betrieb einer Berghütte hängt eine komplizierte Logistik, weil alle Lebensmittel, die dort angeboten werden, erst auf den Berg transportiert werden müssen. Es braucht zudem technisches Verständnis für Reparaturen, weil Handwerker sich aus dem Tal gar nicht mal schnell nach oben bestellen lassen. Auf der Florianshütte sind Schumacher und Gröner zusätzlich fürs Personal verantwortlich, planen Feiern und betreuen Übernachtungsgäste. „Ohne Vorerfahrung geht das nicht“, sagt Schumacher.

Bereits drei Jahre half das Paar auf der Florians- und einer weiteren Berghütte am Brauneck aus. Irgendwann, so schildert der Ingenieur, sei ihnen beiden klar geworden, dass der Job am Wochenende so viel mehr Spaß machte als die, denen sie unter der Woche nachgingen. „Es ist die Komplettmischung, die es ausmacht“, so Schumacher. Ihn begeistere vor allem die direkte Rückmeldung von den Gästen, denen sie am Berg eine gute Zeit machen wollten.
Als Wirtepaar ergänzen sich beide gut, was wichtig für die Arbeitsabläufe ist. So liegen Technik und Logistik vor allem in der Hand von Schumacher, während Gröner die Küche betreut. Um höhere Qualität bieten zu können, gibt es nur eine Speisekarte mit wenigen Gerichten, die teilweise je nach Saison wechseln. Zu zweit zu arbeiten, sieht Schumacher als Teil des Erfolgsrezepts. „Jeder weiß, was der andere kann. So können wir am besten unser gemeinsames Ziel verfolgen.“

Die Oswaldhütte steht in Alleinlage an der Straße zwischen Vorder- und Hinterriß am Südrand des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. In den beiden Orten leben zusammengenommen nicht viel mehr als 50 Menschen. Seit diesem Jahr ist im Betrieb dort ebenfalls ein neues Pächterpaar aktiv. Katharina Pscheidl stammt aus Königsdorf. Die 35-Jährige ist ausgebildete Friseurin und war die vergangenen Jahre für die Kantine und das Catering eines Herstellers von Bergsportartikeln tätig. Sie habe schon immer davon geträumt, sich selbständig zu machen, sagt sie.
Doch die Abgeschiedenheit in der Natur des Karwendels muss man mögen, wenn man dort leben will. Sind die Touristen und Ausflügler abends weg, wird es ziemlich ruhig. Ihr Freund Adrian Meßmer und Pscheidl schwärmen jedoch vom grandiosen Sternenhimmel und den Geräuschen der Tierwelt. Außerdem lässt sich Pscheidl von der Natur für ihre Küche inspirieren. Für einen erfrischenden Drink sammelt sie etwa die Triebe von Fichtennadeln, kocht diese in Zuckerwasser zweimal auf und lässt alles gut durchziehen. Für Knödel sammelt sie Brennnesseln, backt aber auch einen orientalischen Grieskuchen mit Rosenwasser, Kardamom und Zitrone.

Der 31-jährige Adrian Meßmer hat Gartenbau- und Hydrotechnologie sowie Biologie studiert. In diesem Jahr wollte er mit seiner Promotion beginnen und auf der Oswaldhütte eigentlich nur in der Freizeit aushelfen. Doch seine Bewerbungen um Stipendien scheiterten. Daher entschloss er sich, für die Saison zwischen April und Oktober ganz einzusteigen. Das Paar wohnt auch auf der Hütte.
Das Geschäft dort ist stark wetterabhängig. Die meisten Sitzplätze sind im Freien. Drinnen gibt es nur die Stube mit einem großen Tisch sowie einen Tisch im Küchenbereich. Nach eigenen Worten hat sich das Paar als Gastgeber gut eingearbeitet, schon nach wenigen Wochen haben die beiden Stammgäste gewonnen. Für den Sommer planen sie Sessions mit Yogalehrern oder Kräutertouren. „Uns geht es sehr gut“, sagt Meßmer.

