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Mountainbiken in den Bergen:Trail fahren macht Spaß - aber auch Gegner

Mountainbiker

Downhill im Wald: Viele Mountainbiker radeln gerne abseits der ausgetretenen Pfade. Der rasante Freizeitspaß führt immer wieder zu Konflikten - mit Naturschützern, Grundbesitzern und Wanderern. Der DAV will die Sportler nun auf Wege leiten, die an Ruhezonen vorbeiführen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Immer wieder kommt es in den Bergen zu Konflikten zwischen Wanderern und Mountainbikern. Letztere will der Deutsche Alpenverein über ausgeschilderte Wege lenken.

Von Benjamin Engel

Auf dem Zwieseltrail geht es vom gleichnamigen Berg auf schmalen, stein- und wurzeldurchsetzten Pfaden hinunter nach Bad Heilbrunn. Solche für Mountainbiker reizvollen Strecken sind auf vielen Internetportalen der Szene zu finden. Begegnen die Zweiradsportler allerdings langsameren Wanderern, wird es manchmal konfliktreich. Problematisch bewerten auch Almbauern, Waldbesitzer und Naturschützer, wie Mountainbiker rasant talwärts fahren. Um ein harmonisches Miteinander zu fördern, arbeitet der Deutsche Alpenverein (DAV) seit 2018 an beispielgebenden Modellprojekten in den Landkreisen Oberallgäu und Bad Tölz-Wolfratshausen. Als Ergebnis könnte es eigens für Mountainbiker ausgeschilderte Trails geben.

Genau dafür wirbt Hans Urban. Der örtliche Grünen-Landtagsabgeordnete ist mit seinem Partei-Kollegen Christian Zwanziger und zwei Bergradsport-Verantwortlichen des DAV am Montag zum Blomberghaus geradelt. Mit Elektroantrieb ging das relativ bequem. "Trail fahren macht Spaß", sagt er. Daher könne er nachvollziehen, dass viele diesen Sport auch gerne mit der Familie ausüben wollten. Dafür müsse man aber Regeln setzen, die Mountainbiker auf bestimmte Gebiete kanalisieren und die Sportler aus anderen Ruhezonen etwa zum Naturschutz heraushalten. Grundsätzlich ist Urban jedoch der Ansicht, dass man den Bergradlern Freizeitmöglichkeiten bieten solle.

Vorbild könnte für Urban die Schweiz sein. Dort würden die Besucherströme teils radikal gelenkt, schildert er. Die Region um Flims und Laax im Kanton Graubünden ist etwa in verschiedene Aktivitätsgebiete aufgeteilt - mit primär auf Wanderer abgestimmten Ruhe- sowie auf Mountainbiker ausgerichtete Aktivzonen.

Dahinter steht der Gedanke, dass es für eine friedliche Koexistenz auch attraktive Angebote geben muss. Genau darauf setzt der DAV mit seinen beiden Modellprojekten. Wie Nicolas Gareis erklärt, gehe es darum, die Leute zu sensibilisieren und aufzuklären. "Wir wollen für ein natur- und sozialverträgliches Ausüben der Sportart werben", sagt der für Mountainbiken verantwortliche Funktionsträger beim DAV. Der Verband habe große Expertise in der Besucherlenkung. Um das zu erreichen, könnten auch Internet-Plattformen eine wichtige Rolle spielen. Denn die Tourenplanung verlagere sich immer mehr ins Digitale.

Für den tourismuspolitischen Sprecher der Landtags-Grünen Zwanziger sollte es darüber möglich sein, Ausschlusszonen für Mountainbiker aus Natur- oder Wildschützgründen darzustellen. "Manche wird man mit einer App lenken können, manche mit Beschilderung sensibilisieren, andere muss man kontrollieren." Um Akzeptanz zu erreichen, sei es wichtig, Alternativangebote zu entwickeln, damit sich die Leute aus dem Weg gehen könnten. In der Politik sei Kooperation statt Kirchturmdenken einzelner Gemeinden gefragt.

Langer Weg zum friedlichen Miteinander in den Bergen

Der Weg zum Miteinander in den Bergen ist allerdings langwierig und mühselig. Für das Pilotprojekt "Bergsport Mountainbike - nachhaltig in die Zukunft" im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat das Seeshaupter Alpenforschungsinstitut eine Machbarkeitsstudie erstellt. Vor zwei Jahren begann der DAV das Vorhaben umzusetzen. Behördenvertreter, Almbauern, Waldbesitzer und Naturschützen trafen sich zu runden Tischen. Nach drei Jahren, also eigentlich 2021, sollte der Diskussionsprozess abgeschlossen sein. Doch wie der DAV-Projketleiter Benjamin Trotter erklärt, dauere alles länger. Deshalb bemühe man sich darum, das Unternehmen um ein Jahr zu verlängern.

Bislang fehlt etwa noch eine genau Bestandsaufnahme, wie viel Mountainbiker wo im Landkreis überhaupt unterwegs sind. Diese soll laut Trotter noch erfolgen. Eine erste Umfrage in Kooperation mit der Universität Bayreuth habe aber gezeigt, dass die Wanderer im Landkreis klar in der Überzahl seien. Das Konfliktpotenzial sei aus seiner Sicht weit niedriger, als öffentlich oft dargestellt werde.

Im Modellprojekt umstritten sind vor allem auch Haftungsfragen von Eigentümern, wenn es auf über ihren Grund verlaufenden Wegen zu Unfällen kommt. Bald schon will Trotter einen Leitfaden dafür veröffentlichen. Nach Möglichkeit soll es im Herbst wieder einen runden Tisch mit allen Beteiligten geben. Vorschläge sollten gesammelt werden, wo Mountainbikestrecken ausgeschildert werden sollten oder nicht, sagt Trotter. Aus der Region heraus müsse ein Konsens gefunden werden.

Lobbyinteressen der Land- und Forstwirtschaft macht Hannes Zintel allerdings dafür verantwortlich, dass seine Idee für einen Bike-Park am Blomberg gescheitert ist. Der Bergbahnbetreiber berichtet, dass er erste Versuche dafür unter dem Arbeitstitel "Downhill-Strecke" schon Anfang der 1990er-Jahre unternommen habe. Sogar ein Automobilunternehmen habe er als Sponsor gewonnen. Das Projekt sei aber an der Kommunalpolitik gescheitert. Aus seiner Sicht hätte ein Bike-Park aber eine wichtige Lenkungsfunktion und könne Mountainbiker binden. Denn bislang gebe es dauernd Unfälle mit Radlern am Berg, etwa am Forstweg von der Talstation hinauf oder hinunter zur Waldherralm. Hans Urban zeigt sich offen, über Zintels Pläne zu diskutieren.

© SZ vom 29.07.2020/aip/weij

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