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Moorachse:Aufgereiht wie an einer Perlenkette

Der Landkreis zählt zu den moorreichsten Gebieten Bayerns.

Sobald man nur wenige Meter von der Straße bei Kirchbichl über die Loipe in das Moor hineingeht, ist man in einer anderen Welt. Archaischer ist sie, wilder. Der Boden gibt unter den Füßen nach. Betreten kann man das Feuchtgebiet überhaupt nur im Winter, wenn der Boden gefroren ist - erlaubt ist das Betreten das ganze Jahr über nicht.

Auch im Winter muss man aufpassen, dass man nicht im Moor versinkt. Seit 470 kleinere und größere Verschlüsse das Wasser im Bereich des Torfwerks der Kirchseefilzen zurückhalten, ist der Boden wieder viel feuchter geworden. Torfmoose wachsen und Tier- und Pflanzarten kehren zurück.

"Das Hochmoor soll wieder wachsen", erklärt Gebietsbetreuerin Elisabeth Pleyl, die das Renaturierungsprojekt Kirchseefilzen als Klimafachkraft begleitet. Planung und Bauleitung für die Arbeiten im Jahr 2012 übernahm der Biologe Achim Rücker.

Alle 470 Verschlüsse wurden innerhalb weniger Wochen von einem Spezialisten mit einem großen Bagger angelegt. Dabei wurde unter anderem darauf geachtet, das Wasser, das noch immer aus dem Moor abfließt, nicht mehr nach Bad Tölz geleitet wird. Früher brauchte man es in der Stadt für die Mühlen, doch es verschärfte die Hochwassergefahr. Nun wird es in eine andere Richtung geleitet, was Tölz entlastet.

Gebietsbetreuerin Elisabeth Pleyl sieht das Kirchseemoor zwischen Ellbach, Sachsenkam und Bad Tölz in seiner Einzigartigkeit gleichrangig mit der Kendlmühlfilzen südlich des Chiemsees und dem Murnauer Moos. Zehn Tafeln, die der Landkreis vor allem rund um den Kirchsee aufgestellt hat, weisen auf die Besonderheiten hin.

30 Hektar ist der nun renaturierte Bereich groß, zahlreiche Grundbesitzer mussten für das Projekt gewonnen werden. Pleyl sagt, es sei gelungen, für jeden ein passendes Modell zu finden: Manche verkauften ihr Land, andere verpachteten es, wieder andere ließen Grunddienstbarkeiten eintragen. Das Geld dafür kam vom KLiP, dem Klimaprogramm 2020 - Moore in Bayern.

Das Kirchseemoor ist ein wesentlicher Teil der Moore im Landkreis, der seinerseits zu den moorreichsten Bayerns gehört. Elf Prozent der Fläche sind Moore, was noch beachtlicher wird, wenn man bedenkt, dass der Landkreis andererseits auch einen großen Anteil an Bergen hat. Über eine fast ununterbrochene Achse vom Kochelsee bis nach Deining sind die Moore aufgereiht, wie auf einer 30 Kilometer lange Perlenkette, wie ein ebenso beliebter wie treffender Vergleich lautet. Zudem findet sich im Landkreis das komplette Spektrum aller Moortypen Deutschlands.

Um die Moore zu schützen und auch zu renaturieren, wurde vor gut zehn Jahren der Arbeitskreis Tölzer Moorachse geschaffen. Vertreter von Behörden, Naturschutzverbänden und auch vom Bauernverband arbeiten hier zusammen. Und zwar gut, wie Franz Steger betont, Sachgebietsleiter Umwelt im Tölzer Landratsamt. "Dadurch kann man viel erreichen. Man muss die Grundstückseigentümer mitnehmen."

Es sei ein großes Anliegen, die Eigentümer vom Wert des Moorschutzes und der Renaturierung zu überzeugen. Steger lobt die Gebietsbetreuerinnen Pleyl und Weis, die sehr anschaulich die Besonderheiten der Moore erklären könnten. So könne es gelingen, größere zusammenhängende Flächen zu erwerben. Gleichzeitig müsse man immer darauf achten, benachbarte Flächen von Eigentümern, die sich nicht an dem Projekt beteiligen wollten, nicht zu beeinträchtigen.