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Modern und gemütlich:Die Bücherei als Treffpunkt

Buchempfehlungen sieht Silke Vogel nicht als ihre Kernkompetenz an. "Es gibt Kolleginnen, die können das viel besser."

(Foto: Hartmut Pöstges)

Seit einem halben Jahr leitet Silke Vogel die Stadtbücherei, viele spannende Veranstaltungen stehen auf dem Programm. In das Erzählcafé hat sie viel Leidenschaft gesteckt.

"Ich komme jeden Tag gerne zu Arbeit", sagt Silke Vogel, die seit Juli des vergangenen Jahres die Stadtbücherei in Wolfratshausen leitet. Dass sie ihre Arbeit gerne macht, sieht man der 58-jährigen gelernten Hotelfachfrau an. Schon 1999 begann sie nach einer Kinderpause in der Bücherei zu arbeiten und hat dort über die Jahre nach und nach mehr Verantwortung übernommen. Besonders gefalle ihr die Abwechslung "mit Menschen und Medien" zu tun zu haben. Wichtig ist für sie, dass die Bücherei auch als Treffpunkt für Begegnungen wahrgenommen werde. Leser sollten sich, wie Gäste im Hotel, wohl und willkommen fühlen. 2500 aktive Nutzer und 66 000 Besucher konnten 2017 verzeichnet werden, relativ viel für eine kleine Stadt wie Wolfratshausen. Bibliotheken gehörten generell zu den meist besuchten Institutionen.

Die Förderung von jungen Lesern liegt Vogel besonders am Herzen. Regelmäßig kommen Klassen der Grund- und Hauptschule in die Bücherei und auch sie selbst beschäftigt sich viel und gerne mit Bilder- und Kinderbüchern. Gerade ist sie dabei, mit der jungen Autorin Julie Heiland als Moderatorin einen Jugendbuchclub aufzubauen. Dafür gab es schon ein erstes Treffen, die Lehrer seien auch sehr positiv, aber bis sich der Club etabliere, brauche es wahrscheinlich noch ein bisschen Zeit. Sie freut sich sehr über die Zusammenarbeit. "Ich mit 58 muss mich da nicht mit 16-Jährigen hinsetzen und glauben, das gut moderieren zu können".

Vier regelmäßige Buchclubs gibt es schon, nämlich auf Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch. Den spanischen und den englischen Club leitet die mexikanische Mitarbeiterin Liz Avelina Ruiz Rocha. Außerdem veranstaltet die Bücherei regelmäßig zweisprachiges Vorlesen. Vogel selbst würde gerne mehr lesen. Sie leihe viele Bücher aus, aber habe dann nicht immer die Ruhe, sie zu lesen. Fasziniert haben sie zuletzt zwei Bücher mit spannenden Gedankenspielen: "Blackout" von Marc Elsberg, in dem die Gesellschaft plötzlich ohne Strom auskommen muss, und "Die Stadt der Blinden" von José Saramago, in dem ein Teil der Menschheit auf einmal erblindet. Zur Unterhaltung liest sie gerne Krimis zum Beispiel von Jussi Adler-Olsen oder Hans Rosenfeldt, mit sehr eigenwilligen Hauptpersonen, und da sie abends oft zu müde zum Lesen sei, höre sie gerne Hörbücher. "Die Onleihe ist sehr luxuriös, in ein oder zwei Minuten hab ich das runtergeladen", meint sie. Die Onleihe, ein Online-Bibliotheks-Portal, werde auch von den Besuchern sehr gut angenommen.

Mehr als 10 000 virtuelle Medien seien im Vorjahr ausgeliehen worden, insgesamt gab es 125 000 Entleihungen. Damit ist Vogel zufrieden, nach den Renovierungsarbeiten und zahlreichen Neukäufen befinden sich zurzeit ungefähr 34 000 Medien im Besitz der Bücherei. Natürlich wäre mehr auch immer gut, aber die Ausstattung der beiden Filialen in Wolfratshausen und Waldram passe zur Größe der Stadt und Vogel erfahre viel Unterstützung bei ihrer Arbeit. Buchempfehlungen sieht Vogel nicht als ihre Kernkompetenz an: "Es gibt Kolleginnen, die können das viel besser."

Für dieses Jahr empfiehlt sie den Besuchern zwei Werke: "Homemade in India", von Christopher Kloeble, in dem der Autor vom Leben zwischen zwei Welten berichtet, und "Barfuß auf dem Sommerdeich" von Katja Just, in dem die Autorin vom Hallig-Leben schreibt. Beide Autoren kann man im Juni auch persönlich erleben; sie kommen für Lesungen in die Stadtbücherei. Eine weitere große Veranstaltung in diesem Jahr ist das interkulturelle Sommerfest am 1. Juli. Im vergangenen Jahr sei das Fest sehr gut angekommen und nun soll es regelmäßig veranstaltet werden.

Außerdem habe Vogel viel Leidenschaft in das Erzählcafé gesteckt, bei dem Menschen Geschichten aus ihrem Leben erzählen und das nun zum zweiten Mal stattfand. Sie hofft, dass die Bücherei nicht als dröger Ort mit Mitarbeitern mit erhobenem Zeigefinger wahrgenommen wird, sondern als moderner, gemütlicher Ort. "Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass den Leuten klar wird, dass das keine verstaubte Bücherei ist."