Mobilität Nächster Halt: Gesamtkonzept

Mit Rollator - aber auch mit Kinderwagen - tun sich Passagiere oft schwer, in die Busse einzusteigen. Davon machen sich hier an der Haltestelle Waldfriedhof ein Bild (v.l.): SPD-Stadtrat Hans Hopfner, Stadtbaurat Rainer Goldstein, CSU-Stadtrat Ewald Kailberth und Bürgermeister Michael Müller.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Geretsried will sich in einer Sondersitzung mit Fragen des öffentlichen und des individuellen Verkehrs auseinandersetzen. Ein Nulltarif für den Stadtbus kommt keinesfalls zum 1. Januar

Von Felicitas Amler

Stetig zunehmender Autoverkehr in der größten und gleichzeitig stark wachstumsorientierten Stadt des Landkreises; Staus an neuralgischen Kreuzungen; Busse, die nicht barrierefrei zu besteigen sind, und Lücken im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) an Wochenenden: Die Stadt Geretsried sieht sich vor Aufgaben gestellt, die ein Verkehrs-Gesamtkonzept erfordern. Dies soll entweder in einer Sondersitzung, einem Workshop oder einem Arbeitskreis angegangen werden, so hat es Bürgermeister Michael Müller (CSU) jetzt angekündigt.

FDP-Stadtrat Günther Fuhrmann nahm das am Dienstag mit Befriedigung zur Kenntnis, denn genau dies war seine Forderung im Zusammenhang mit der Neugestaltung der zentralen Geretsrieder Stadteinfahrt von der Bundesstraße 11 aus. Dort wird auf Mehrheitsbeschluss im kommenden Sommer eine Ampelanlage installiert, die aber als Provisorium deklariert ist - bis eines Tages die B 11 an den Schwaigwaller Hang verlegt ist, vermutlich erst weit in den kommenden Zwanzigerjahren.

Viele Fragen sind offen, eins aber steht nach Müllers Aussage bereits fest: Der Stadtbus - das ist die Ringlinie 310 zwischen Steiner Ring-Süd und Lilienstraße - wird nicht von 1. Januar an zum Nulltarif fahren. So einfach, wie der Stadtrat dies im Juni auf SPD-Antrag beschlossen hatte, sei die Sache nicht, erklärt Müller. Geretsried sei mit seinem Busverkehr in den Tarifverbund MVV integriert. Veränderungen könnten da nur auf Beschluss der Gesellschafterversammlung vorgenommen werden. "Insellösungen" seien bisher immer abgelehnt worden.

Dies betonte der Bürgermeister auch auf einer Rundfahrt mit dem 310er, die der Bauausschuss am Mittwoch unternahm. Dabei wurden vor allem die Bushaltestellen genauer betrachtet. Denn hierzu liegt ein Antrag der CSU-Stadträtin und Seniorenreferentin Sabine Gus-Mayer vor: Nach und nach sollen alle Stationen barrierefrei werden.

Anschaulich wurde es gleich beim Einstieg am Waldfriedhof: Ein Mann mit Rollator demonstrierte, dass er nur dann leicht in den Bus hineinkommt, wenn der Fahrer ganz nah bis an den Randstein fährt; andernfalls ist ein breiter Spalt zu überwinden. Schwieriger zu lösen ist die Situation am Neuen Platz. Denn der wurde bei der Neugestaltung rundum derartig barrierefrei angelegt, dass es an der Bushaltestelle gar keine Absenkung mehr gibt. Höhengleich aber wären Haltestelle und Bus nur, wenn dieser absenkbar wäre. Da er das nicht ist, müssen Passagiere nun hochsteigen, um hineinzukommen.

An der Testfahrt der Stadträte nahmen auch Manfred Freiseisen (Freie Wähler, links) und Wolfgang Möckel (CSU, daneben) teil.

(Foto: Felicitas Amler)

Allenthalben fehlt es nach Ansicht der Stadträte auch an Sitzbänken oder Überdachungen der Bushaltestellen. Dies soll im Einzelnen noch überprüft werden. Der Bürgermeister warnte aber gleich: In bestimmten Wohnvierteln rechne er mit Protest, weil die Anwohner entweder Angst vor Ansammlungen von Jugendlichen hätten - dies sei in seiner Sprechstunde schon zu hören gewesen - oder nicht wollten, dass ihre Aussicht durch ein Wartehäuschen verstellt werde.

Zum Stadtbus hat Müller diverse Anregungen anstelle des Nulltarifs. Man sollte über eine Taktverdichtung nachdenken, meint er, nicht zuletzt an Sonn- und Feiertagen, an denen der 310er bisher gar nicht verkehre. Hingegen halte er eine Anbindung Geltings an den Stadtbus nicht für richtig: "Da ist der 378er ausreichend."

Belustigt oder - je nach Naturell - verärgert nahmen die Räte die automatisierte Haltestellen-Durchsage wahr, die den Platz, der nach der Geretsrieder Partnerstadt Chamalières benannt ist, nicht korrekt französisch ausspricht - mit Zischlaut und gebunden -, sondern buchstäblich so: K-a-m-a-l-i-e-r-e-s.