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Mobilität in Bad Tölz-Wolfratshausen:Per Express durch den Landkreis

MVV Bus bei Taglaching

Zwei Expressbuslinien soll es künftig im Landkreis geben, die einmal die Strecke Bad Tölz-Geretsried-Wolfratshausen-Starnberg bedienen und ein weiteres Mal Wolfratshausen-Egling-Oberhaching. Diese wiederum ist Teil der Ringbuslinie rund um München.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Kreis-Gremien beschließen die Ausschreibung zweier neuer Buslinien, die die S 3, S 6, S 7 sowie Regionalzüge miteinander verbinden soll. Bad Tölz-Wolfratshausen muss mit Kosten in Höhe von 4,5 Millionen Euro rechnen

Von Alexandra Vecchiato, Bad Tölz-Wolfratshausen

Die Mobilitätswende ist nur umsetzbar, wenn den Bürgern ein attraktives Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zur Verfügung steht. Der Kreistag im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat deshalb mehrheitlich der Einführung zweier neuer Expressbuslinien zugestimmt. Dafür muss der Kreis tief in die Tasche greifen: 4,5 Millionen Euro werden die beiden Linien in den ersten fünf Jahren voraussichtlich kosten. Start soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 sein.

Der Freistaat plant, die Mobilität in Bayern zu verbessern. Erstellt wurde ein Netz von landesbedeutsamen Buslinien. Diese ersetzen Schienenverbindungen, da neue Zugstrecken wesentlich schwieriger zu realisieren sind. Zwei Expressbuslinien sollen auch den Landkreis bedienen: die Verbindungen X 970 Bad Tölz-Geretsried-Wolfratshausen-Starnberg (Bahnhof) und die Linie X 320 Wolfratshausen-Egling-Oberhaching (S-Bahnhof Deisenhofen). Letztere ist Teil der Ringbuslinie rund um München, die die fehlende Querverbindung schaffen soll. Vorgesehen ist von Montag bis Samstag von etwa 6 bis 22 Uhr ein 20-Minuten-Takt. An Sonn- und Feiertagen fahren die Busse im 60-Minuten-Takt. Der Takt sei unter der Woche deshalb so dicht gewählt, sagte Matthias Schmid, zuständig für den ÖPNV im Landkreis, da der Freistaat fordere, die Busse an den Takt der S-Bahn zu koppeln. "Wenn wir wollen, dass die Bürger umsteigen, müssen wir mit einem attraktiven Angebot reingehen. Auch außerhalb der Schulzeiten", sagte Schmid in der gemeinsamen Sitzung von Umwelt- und Kreisausschuss am Dienstag.

Für ambitioniert hält Peter Plößl (CSU) den 20-Minuten-Takt. Die Erfahrungen als Nutzer der S 7 in Wolfratshausen sehe anders aus. "Da wären wir schon glücklich, wenn der 40-Minuten-Takt funktionieren würde." Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) sieht dies ebenso. Seit Langem sei der Ausbau des Schienennetzes eine Forderung. Nur so sei eine Taktverdichtung zu gewährleisten. Bei der S 7 sei der Ausbau am dringendsten.

Angesichts der Kosten für die insgesamt 49 Busse auf beiden Expresslinien hatte CSU-Fraktionschef Martin Bachhuber Bauchschmerzen. Er fragte nach, ob ein durchgehender 20-Minuten-Takt tatsächlich sinnvoll sei. Landrat Niedermaier bejahte. Der Takt sei gesetzt. Für die beiden Linien übernimmt der Kreis die auf seinem Gebiet anfallenden sowie nicht durch den Freistaat abgedeckten Kosten. Insgesamt werden in den Jahren 2022 bis 2026 4,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Betriebskosten insgesamt belaufen sich auf etwa 16 Millionen Euro. Etwa 8,8 Millionen Euro schießt der Freistaat zu. Zudem erwartet Schmid Fahrgeldeinnahmen in Höhe von circa 2,4 Millionen Euro. "Das ist allerdings konservativ gerechnet", sagte er. Aus München gebe es die Zusage, die Linien dauerhaft zu 50 Prozent zu fördern, so Schmid. Bis die Expressbusse von den Bürgern angenommen würden, müsse man mit einem Zeitraum von drei Jahren rechnen. Kreisrat Werner Weindl (CSU) missfiel, dass das Thema Verkehrs- und Mobilitätswende scheibchenweise in den Gremien behandelt werde. Er wünschte sich zuerst eine Gesamtschau, die der Nahverkehrsplan, den der Landkreis derzeit erstellen lässt, bringen soll. Den Gesamtüberblick bräuchten die Kreisräte, um zu wissen, mit welchen Kosten insgesamt zu rechnen sei. Ihm gab sein Fraktionskollege Michael Häsch "bei aller Euphorie" recht. "Es werden enorme Steigerungen auf uns zukommen, die wir alle bezahlen müssen", sagte er. Daher müsse auch geprüft werden, ob unrentable Linien nicht wieder gestrichen werden sollten.

Sowohl Kreis- wie auch Umweltausschuss und im Anschluss der Kreistag votierten gegen die Stimme von Werner Weindl für die Ausschreibung der beiden Expressbuslinien für vorerst fünf Jahre - vorbehaltlich der Zustimmung der anderen betroffenen MVV-Verbundlandkreise (München, Dachau, Fürstenfeldbruck und Starnberg).

Der Landkreis profitiert von einer weiteren landesbedeutsamen Buslinie: Mit dem Alpenbus soll eine zusätzliche Querverbindung von Rosenheim ausgehend bis in den Landkreis Weilheim-Schongau geschaffen werden. Die Planungen laufen.

© SZ vom 24.10.2019

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