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Mobil in Bad Tölz-Wolfratshausen:Fahrplan für attraktiven Busverkehr

RVO Elektrobusse

Elektrobusse wie in Bad Tölz tragen zum Klimaschutz bei. Das allein reicht jedoch nicht, sagt Landrat Josef Niedermaier (FW).

Der Kreis- und der Infrastrukturausschuss verabschieden das neue Nahverkehrskonzept, um die Verbindungen im Norden und Süden zu verbessern. Oberste Priorität hat der Bergsteigerbus, der den Isarwinkel entlasten soll.

Von Alexandra Vecchiato

Der Landkreis kann künftig auf einen neuen Nahverkehrsplan zurückgreifen - vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistags im Juli. Dieser soll den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verbessern. Kreis- und Infrastrukturausschuss brachten das Werk am Montag mit konkreten Projekten auf den Weg. Diese sind auf die drei Planungsbereiche Isarwinkel, Loisachtal und nördlicher Landkreis verteilt und in drei Kategorien priorisiert. Zu den Maßnahmen zählen die Ausweitung der sogenannten Hauptverkehrszeit, die künftig von 16 bis 20 Uhr festgelegt wird, und die Optimierung des Freizeitverkehrs.

Mobilität gehöre zum Alltag, sagte Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler). Doch seien die Auswirkungen des Individualverkehrs auf Klima und Verkehrsbelastung hinlänglich bekannt. Daher müsse die Frage erlaubt sein, "ob es uns gelingen kann, Verkehr zu vermeiden, aber gleichzeitig Mobilität zu garantieren". Selbst wenn in naher Zukunft Autos nahezu emissionsfrei unterwegs seien, meinte Niedermaier, bliebe es unter anderem bei verstopften Straßen, wenn nicht Bus und Schiene attraktiver für die Nutzer würden. Dabei gehe es nicht allein um Umweltaspekte, es gehe auch um die Möglichkeit zur Teilhabe am Leben, die allen Bürgern zustehe. "Mit einem Beschluss zur Verabschiedung des Nahverkehrsplans in vorliegender Fassung bilden wir die verkehrspolitische Grundlage für die nächsten Jahre", sagte der Landrat.

Als Basis benötige der Landkreis ein robustes Hauptnetz, das die Verbindungen zwischen den Hauptorten sicherstellt. "Darauf aufbauend errichten wir ein Freizeit- und Tourismusnetz, das hauptsächlich an den Wochenenden greift." Allerdings, so warnte Niedermaier eindringlich, würden die ÖPNV-Maßnahmen nicht jene "Wahnsinns-Wochenenden" verhindern, "an denen eine Blechlawine nach der anderen zu uns rollt". Um den ÖPNV zu stärken, "müssen wir weg vom nachfrageorientierten hin zum angebotsorientierten Nahverkehr", sagte Niedermaier - "getreu dem Motto: Das Angebot schafft die Nachfrage". Dafür brauche es einen langen Atem, betonte er, Mut und sehr viel Geld.

Grundgerüst für einen attraktiveren ÖPNV im Landkreis sei zum einen der Alpenbus, der von Rosenheim nach Murnau im Stundentakt bis 20 Uhr fahren soll. Er wird wohl sicher am Tölzer Bahnhof und in Bad Heilbrunn (Birkenallee) halten. Eventuell kämen noch Haltestellen an der Blombergbahn, in Reichersbeuern, Greiling und am Busbahnhof (ZOB) in Tölz hinzu, sagte Matthias Breuel von der MVV Consulting, der den Nahverkehrsplan vorstellte. Zum Grundgerüst zählt Breuel auch die beiden beschlossenen Ringbuslinien X 970 und X 320. Sie verbinden einerseits Bad Tölz, Wolfratshausen und Starnberg, andererseits Deisenhofen, Endlhausen, Egling und Wolfratshausen. Beide Linien starten im Dezember 2021.

Auf dieser Basis hat MVV Consulting den Rest des Landkreises unter die Lupe genommen und Schwachstellen identifiziert. Im Isarwinkel sollen die Freizeitlinien, insbesondere am Wochenende, verstärkt werden. Allgemein soll das Angebot an den Werktagen ausgebaut, die Stadt- und Ortsbuslinien in Bad Tölz und Lenggries sollen optimiert werden. Doch nicht nur im Isarwinkel sollen die Freizeitlinien ausgebaut werden. Auch im Loisachtal will man das Angebot an Bussen generell verbessern. Abhilfe könnten sogenannte Bedarfsverkehre sein, also Busse "on demand" oder Ruftaxis. Alle Maßnahmen sind in Kategorien von eins bis drei unterteilt. Priorität eins mit einer Umsetzung in circa ein bis drei Jahren genießt der Bergsteigerbus (Linie 9569) im Isarwinkel, der im Sommerhalbjahr Entlastung bringen soll. Kosten: 120 000 bis 180 000 Euro. Laut Breuel dringend ausgebaut werden muss der ÖPNV in Sachsenkam, die Linie 9553. Die Kosten werden zwischen 350 000 und 450 000 Euro beziffert. Wichtig wegen der hohen Nachfrage sei auch der Ausbau der Linie 9612 Bad Tölz-Kochel. An Samstagen sowie an Sonn-und Feiertagen sollen die Busse im Ein-Stunden-Takt ganzjährig fahren, was bis zu 130 000 Euro kosten wird.

Fasst man alle Maßnahmen zusammen, kommt man auf Mehrausgaben für den Landkreis in Höhe von etwa 4,6 Millionen Euro im Jahr. Die Fahrgäste sollen damit nicht belastet werden. Für sie sollen die Tickets erschwinglich sein. Das werde ein finanzieller Kraftakt, sagte Martin Bachhuber (CSU). Werner Weindl fügte hinzu: Man beschließe dauerhafte Ausgaben, was sich sicher in der Kreisumlage niederschlagen werde. "Es wird die ein oder andere Stadt oder Gemeinde geben, die nicht umhinkommen wird, die Steuern zu erhöhen" - die letztlich die Bürger zahlten. Der ÖPNV sei eine freiwillige Aufgabe des Landkreises, sagte der CSU-Kreisrat. Er habe Sorge, es könnte zu Klagen vor Gericht kommen. Niedermaier gab Entwarnung: Es gebe Bestrebungen im Landkreistag, den ÖPNV als Daseinsvorsorge festzuschreiben.

Sollte der Kreistag im Juli den Nahverkehrsplan verabschieden, heißt das nicht, dass alle Maßnahmen automatisch umgesetzt werden. Für jede einzelne bedarf es eines eigenen Beschlusses durch die Kreisgremien.

© SZ vom 23.06.2021
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