Mitten in Königsdorf Der schlaue Dieb denkt weiter

Warum ein Unbekannter einen Christbaum klaut, wenn Heiligabend schon vorbei ist, kann wohl nur er beantworten

Von Ingrid Hügenell

Was ist nicht alles geschrieben worden über Weihnachten in den vergangenen Tagen und Wochen, auch an dieser Stelle. Eines aber kam noch nicht zur Sprache: Das äußerst seltsame, aber jedes Jahr wieder zu beobachtende Phänomen, dass Weihnachten so überraschend kommt. Grade waren noch Sommerferien, dann ist die Wiesn vorbei, und zack - schon steht das Christkind vor der Tür. Zu diesem Lied, in dem eine nach der anderen die Adventskerzen entzündet werden, gibt es eine inoffizielle Strophe: "Und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt."

So ging es vermutlich einem Dieb, von dem die Polizei am Dienstag berichtete, er habe einen Weihnachtsbaum gestohlen. Nun ist das allein wahrscheinlich gar nichts so Besonderes, aber die Geschichte geht noch weiter. Die Tanne wurde nicht einfach aus dem Wald geklaut oder von einem Christbaumhändler, sondern in einem Garten in der Osterhofener Straße in Königsdorf ausgebuddelt. Und der Dieb schlug nicht etwa am 23. zu, sondern in der Nacht auf den 27. Dezember. Da ist, zumindest nach hiesigen Gebräuchen, das Fest schon wieder vorbei, wenn auch viele vom Feiern noch recht erschöpft wirken.

Dass der Dieb nur irgendeine Tanne wollte, ganz unabhängig von Weihnachten, scheint ausgeschlossen. Denn das Bäumchen war mit einer Lichterkette geschmückt, die, so schreibt die Polizei, beim Diebstahl erheblich beschädigt worden sei. Nicht geklärt ist, warum der Christbaumfreund nicht noch etwas gewartet hat. Denn schon bald, um den 6. Januar herum, stellen die Leute ihre Bäume ja ohnehin vor die Tür oder bringen sie zur Grüngutannahme. Dann könnte man ganz legal einen abstauben, der je nach Qualität vielleicht noch nicht gleich alles vollnadelt. Ganz traditionell kann der Weihnachtsbaum sowieso bis Lichtmess stehen bleiben. Und das ist erst am 2. Februar.