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Mitten in Wolfratshausen:Legendäre Frühstücksstadt

In der Union wird wieder um die Kanzlerkandidatur gerungen. Deshalb wird in der Berichterstattung immer wieder Bezug genommen wird auf ein einzigartiges Ereignis von vor knapp 20 Jahren...

Glosse von Florian Zick

Bei den Nachrichtenagenturen taucht das Schlagwort "Wolfratshausen" derzeit so oft auf wie schon lange nicht mehr. Das liegt nicht etwa daran, dass der Freistaat das beschauliche Loisachstädtchen als Modellkommune für Öffnungsschritte auserwählt hätte, als bayerisches Tübingen quasi. Eine Entscheidung dazu steht immer noch aus. Es liegt auch nicht daran, dass die Flößer wieder den Fluss runterschippern würden, die Holzstämme liegen coronabedingt immer noch auf dem Trockenen. Es liegt einfach daran, dass wir gerade wieder eine Situation haben wie im Januar 2002.

Damals bekam Edmund Stoiber beim sogenannten Wolfratshauser Frühstück von Angela Merkel die Kanzlerkandidatur angetragen. Aus umfangreichen Recherchen dazu weiß man heute: Es gab damals Kaffee, O-Saft, Semmeln, zweierlei Brot, Honig, Ribisl-Marmelade, Obst, Eier, Käse und geräucherten Schinken, serviert auf Blümchenporzellan. Mehr als eine halbe Semmel soll Merkel damals allerdings nicht gegessen haben, was sicher - so viel sei festgehalten - an ihrem geringen Hunger und nicht an der Qualität des heimischen Bäckerhandwerks lag.

Nun wird in der Union gerade wieder um die Kanzlerkandidatur gerungen, weshalb in der Berichterstattung auch immer wieder Bezug genommen wird auf jenes Wolfratshauser Frühstück vor knapp 20 Jahren. Die Protagonisten sind heute freilich andere, die Wiederkehr des Frühstücks als Anlass für ein politisches Spitzentreffen ist damit eher unwahrscheinlich. Markus Söder müsste Armin Laschet vielleicht eher auf ein fränkisches Schäufele zu sich nach Nürnberg einladen. So ein mächtiges Stück Fleisch würde man wahrscheinlich auch eher nicht auf Blümchenporzellan servieren. Das Wolfratshauser Frühstück bleibt damit das, was es bis heute ist - eine legendäre und ziemlich einmalige Sache.

© SZ vom 16.04.2021
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