Der März war der Monat der Skeptiker. Denn obschon auf ihn die Tag-und-Nacht-Gleiche fällt, die rein kalendarisch den Frühling einleitet, kann es wetter- und ergo bekleidungstechnisch noch ganz dick kommen, wie man aus Erfahrung weiß. Schon der alte Goethe sah in dem Monat einen hinterlistigen Gesellen. "Der Sonnenblick betrüget mit mildem, falschem Schein" heißt es in seinem Gedicht "März". Und auch wenn das Storchenpaar längst auf dem Klosterdach in Benediktbeuern angekommen ist, die Amseln singen, die Veilchen blühen, und sich Frösche und Kröten an den Schutzzäunen der Ortsverbindungsstraßen stapeln - so ganz konnte man dem Gesäusel noch nicht trauen.
Denn neben den unverbesserlichen Optimisten wie zurückkehrenden Zugvögeln, sonnensüchtigen Frühblühern und ausgeschlafenen Igeln und Reptilien sind es ja vor allem unverbesserliche Opportunisten, die fleißig an der Verheißung des Lenzes arbeiten, um mit Frühlingsgefühlen Kasse zu machen: Gastronomen, die eilig ihre Biergärten herrichten oder Eisverkäufer, die händereibend ihre Gelato-Vitrinen herausrollen, sobald sich die Wolken lichten. Der gesunde Realist fällt nicht auf sie herein.
Nun aber ist es anders. Denn zum Glück gibt es im Landkreis ganz besondere Frühlingsboten, deren untrüglichem Instinkt man getrost trauen kann. So ließ die Meldung der Polizei, man habe den ersten Exhibitionisten in der Pupplinger Au dingfest gemacht, bereits am Mittwoch aufhorchen. Ein aufmerksamer Naturbeobachter hatte den Münchner nackt am Straßenrand entdeckt und die Botschaft an die Beamten weitergegeben. Als dann die Kollegin auch noch berichtete, sie habe in Wolfratshausen zwei bleiche Buben in Badehose gesichtet, die sich vom Sebastianisteg in die Loisach stürzten, war jeder Zweifel verflogen. Denn sind die Brückenspringer wieder da, dürfen auch die Skeptiker pünktlich zum April getrost mit Eduard Mörike rufen: "Frühling, ja du bist's! Dich hab' ich vernommen!"