Coronamäßig ist derzeit immer noch alles ziemlich trostlos, obwohl sich der Frühling doch fast höhnisch herbeischmeichelt in diesen Tagen der Klaustrophobie - mit vielstimmigem Vogelgesang und einer wechselhaft warmen, wie immer launischen Aprilsonne. Doch die rechte Aufbruchstimmung mag heuer nicht aufkommen, dank Mundschutz, Ausgangssperre und einer inflationären monothematischen Nachrichtenflut. In derlei verdrossener Stimmung empfiehlt sich ein Schritt zu den Blumenkästen am Balkon, denen der vergangene Winter schwer zugesetzt hat. All dieses vertrocknete, angeblich winterharte Gestrüpp: Am besten, man holt sich die Biotonne nach oben, um nicht so oft mit den verdorrten Relikten des Gartenjahrs 2019 runtergehen zu müssen.
Botanischer Totalschaden! Her mit der Schere und weg mit all diesen welken braunen Pflanzenleichen. Aber da man sich gerade anschickt, drauflos zu wüten, stellt sich heraus, dass sich - zartgrün, hoffnungsfroh und gar nicht auf den ersten Blick erkennbar - in den ausgetrockneten Kästen und Töpfen Unerwartetes getan hat. Dass es da und dort vorsichtig, aber doch kraftvoll und frech emporsprießt, dass sich da putzmunter hervordrängt, was offenbar doch selbst in diesen verqueren Zeiten noch was werden will. Ein Schnittlauchhälmchen unbekannter Herkunft hat sich da emporgereckt, auch ein lustig pelzig anmutendes Gewächs nebst allerlei unerlaubt angeflogenem, frischgrünem Kleinkram unbekannten Namens.
Die minikleine Entdeckung hat in diesen hermetischen Tagen was Erbauliches, fast Sensationelles. Da sprießt eine unbekümmerte kleine, aber wirkungsvolle Arznei gegen trübe Stimmungen, die Antithese zur allgegenwärtigen Seuchenfurcht. Deshalb der wohlmeinende Tipp: Die inflationären Corona-Nachrichten sofort abschalten, raus auf den Balkon, rein ins Gartenbeet, sofern man eines hat, mal gucken, was da los ist und unbeschwert genießen, noch bevor der Sturm auf die wiedereröffneten Gartenbaumärkte mit ihren langweiligen Geranien und Veilchen einsetzt. Das stärkt die Abwehrkräfte und ärgert den Virus.