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Mitten in Wolfratshausen:Die Logik der Machos

Seit der Mee-too-Kampagne wissen Männer gar nicht mehr, wo sie bei Frauen noch hinschauen dürfen

Kolumne von Felicitas Amler

Es ist ja bekannt, dass Männer den "Playboy" mit spitzen Fingern nur wegen der guten Interviews aufblättern. Kurven, Häschen und nackte Haut nehmen sie dafür äußerst widerstrebend in Kauf. Seit der Me-too-Kampagne aber wissen die Kerle nun gar nicht mehr, wo sie bei Frauen überhaupt noch hinschauen dürfen. Arme Jungs, das ist aber auch echt schwierig.

Deswegen schlagen sich mit dieser Frage ja auch die Marketing-Füchse einer Auto-Waschanlage herum, die sich gern als die beste ihrer Art im Landkreis anpreist, mit ihrer Länge prunkt (50 Meter) und eine Facebook-Seite unterhält. Bisher räkelten sich auf den Werbeplakaten dieser mit dem Prädikat XXL protzenden Blech-Shampoonierer schlanke blonde und brünette Frauen mit diesem Ruf-mich-an-Blick, mal im Bikini mit Oberteil, mal ohne. Hat ja alles seine XXL-Logik: Autowäsche ist reine Frauensache, und bevor sie sich die guten Klamotten nass machen, ziehen sich die Mädels doch lieber gleich aus.

Irgendwie muss den Werbern aber doch der Sexismus-Schreck in die Knochen gefahren sein. Denn die Frauen werden nun nicht mehr völlig entblößt: Ihr Gesicht ist gar nicht zu sehen; der ganze Kopf fehlt einfach. Auf dem gerade an der Autobahnausfahrt Wolfratshausen prangenden Banner sieht Mann nur noch, was er unbedingt sehen muss, um zu wissen, ob das eine gute Waschanlage ist: einen knackigen Po in knappen schwarzen Höschen, schlanke lange Beine und bloße Arme in Domina-artigen Lederstulpen. "Ab 7,90 Euro" steht darunter. Billig? Nicht so billig wie diese XXL-Macho-Werbung.

© SZ vom 24.11.2017
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