Brauchtum boomt - und kann doch so schwer im Magen liegen. Spätestens heute, vier Tage nach Ostern, ist die Lust auf Eier, Hefegebäck und Schokohasen erkaltet. Dabei glühte die Leidenschaft für ein traditionelles Fest vor den Feiertagen. Wie schon bei Oma und Mama wurden wieder Eier ausgeblasen, bemalt und aufgehängt, für den Verzehr gekocht und gefärbt. Nach der Suche nach dem Osternest war die Freude groß aufs erste bunte Hühnerendprodukt, bei dem es nicht blieb.
Jetzt ist der Cholesterinspiegel bedenklich gestiegen, der Bauch aufgebläht, und die letzten Eier lassen einen mit drückendem Magen darüber sinnieren, ob ein veganes Leben nicht doch ein sinnvolleres wäre. Natürlich nicht. Denn wie sollte dann Ostern im kommenden Jahr aussehen, so ganz ohne Bräuche.
Auf Brauchtum und Tradition setzt auch die Lebensmittelindustrie. Alles, was dem Verbraucher "so wie früher" suggeriert, macht ihn schwach. Er liebt Dinge "wie aus der guten alten Zeit". Darauf setzt die Werbung in Bildern: Dampfende Kessel, Mühlen und immer wieder Großmütter werden bemüht, um ein Produkt schmackhaft zu machen. Kein Wunder, dass schon Säfte unter Namen wie "Omis Marillenknödel" und "Omis Apfelstrudel" in Plastikflaschen verkauft werden. Obwohl Omas Eierlikör jetzt vielleicht doch passender wäre.