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Mitten in Wolfratshausen:Ach, du armer Grünkohl

Kulinarische Entdeckungen am Loisachufer

Grünkohl - man liebt ihn oder man hasst ihn. Seitdem dieses "heimische Superfood" in allen Kochmagazinen so hochgejubelt wird, hat jedenfalls fast jeder eine Haltung zu den grünen Stängeln. Vor allem im hohen Norden ist man ganz verrückt nach den Eintöpfen und Suppen, die man daraus machen kann. Und das gar nicht so sehr wegen des vielen Vitamin C und der ach so gesunden Senföle, die darin enthalten sind - eher rein aus Tradition. In der norddeutschen Küche lag dieses Wintergemüse eben schon immer im Trend, schon lange bevor man daraus auch Smoothies gemacht hat.

Tja, aber wie gesagt: norddeutsche Küche. Im Süden fremdelt man noch ein bisschen mit dem Kreuzblütengewächs. Manche stibitzen es offenbar sogar aus dem Einkaufskorb und schleudern es heimlich in die Büsche, damit daheim ja keine Beilage zum Kassler oder dem Lachs werden kann. Anders lässt sich kaum erklären, warum in Wolfratshausen am Loisachufer seit Tagen ein zurückgelassener Grünkohl herumliegt. Anfangs sah er noch frisch und knackig aus, mittlerweile lässt er seine welken Blätter hängen und schaut traurig hinüber zu dem Gemüseladen, aus dem er womöglich einst gekommen ist.

Ach, lieber Grünkohl, das hast du nicht verdient. Fast möchte man ihn einbuddeln und ihm wünschen, dass er Wurzeln schlägt und im Frühjahr wieder aufblüht. Das Loisachufer soll doch ohnehin demnächst umgebaut und aufgewertet werden. Vielleicht könnte man da ja auch einen kleinen Grünkohlgarten anlegen. Ach ja, aber nein, man liebt dieses Gewächs ja oder man hasst es. Und wenn dieser traurige Grünkohl vom Loisachufer nicht irrt, dann wird es in Wolfratshausen eher gehasst.

© SZ vom 15.02.2020