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Mitten in Wolfratshausen:Abstimmung für die Tonne

"Kippster-Automaten" in der Innenstadt - ist Rauchen wieder gefragt?

Die meisten Raucher erinnern sich noch sehr gut daran, wie ihnen dieser langhaarige Öko aus Niederbayern angeblich ein Stück Lebensfreude geklaut hat. Es war das Jahr 2009, als Sebastian Frankenberger von der ÖDP per Volksbegehren das Rauchverbot in Restaurants, Bars und Gaststätten durchsetzt hat. Seitdem ist es vorbei mit den Privilegien. Der Raucher? Er hat irgendwie an Bedeutung verloren. Selbst bei der Jugend ist der Glimmstängel im Mund nicht mehr das unangefochtene Zeichen der Rebellion. In Wolfratshausen bekommt der Raucher nun aber wieder etwas exklusive Aufmerksamkeit.

In der Marktstraße hat die Stadt zusammen mit dem Werbekreis vier neue Abfallbehälter aufgehängt. "Kippster-Automaten" heißen die gelben Aschenbecher, die ein plebiszitäres Element in sich verbaut haben. Der Mülleimer besteht im Wesentlichen nämlich aus zwei Röhren, darüber steht eine Frage. Momentan will die Stadt dort wissen, ob man sich künftig öfter in der Marktstraße aufhalten wird, wenn im Zuge der Altstadtsanierung dort alles picobello hergerichtet ist. Je nach Meinung muss man dann in die rechte oder die linke Röhre aschen.

Im Aschenbecher vor dem Rathaus steht es an Kippen derzeit 1:0 für den negativen Bescheid. Ein nach zwei Wochen Betrieb doch eher dürftiger Zwischenstand. Die momentanen Ausgangsbeschränkungen werden sicherlich ihren Anteil an dem mageren Ergebnis haben. Die Marktstraße ist gerade wie ausgestorben. Vielleicht muss man aber auch einfach eine andere Frage stellen. Soll das Rauchverbot in Kneipen wieder aufgehoben werden? Da würden viele Raucher sicher an die Kippenurne gehen.

© SZ vom 25.03.2020
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