Hobbyfarming heißt der Trend, der die Liebe zu Tieren mit dem Wunsch der Selbstversorgung vereint. Immer mehr Hühner tummeln sich daher in Privatgärten. So kam es, dass vor einem Jahr zwei Seidenhühner und drei Zwerghühner einzogen. Frische Eier jeden Tag - schon klasse. Aber davon abgesehen: Hühner sind einfach coole Socken.
Anfangs herrschte noch Unsicherheit, ob man den Bedürfnissen des Federviehs auch gerecht wird. Vorsichtshalber wurde so ziemlich jedes Mittelchen, jeder Futterzusatz und was es sonst noch so im Handel zu finden gab, gekauft. Man möchte ja nicht, dass die liebgewonnenen Hühner an Vitaminmangel eingehen. Hinzu kommen noch diverse Mittelchen gegen Plagegeister, die den Tieren arg zusetzen können. Wer im Internet googelt, sieht sich mit einer Masse an Zubehör, Futter und Nahrungsergänzungsmitteln konfrontiert. Es lässt sich gutes Geld mit den Hobby-Landwirten verdienen.
Die Hühner wissen indes nicht, dass sie einen florierenden Wirtschaftszweig in Gang gesetzt haben. Bella, Piroschka, Colette, Minette und Froufrou scharren in den Beeten, lieben Rucola und würden für Mehlwürmer sterben. Mit ihrer ruhigen, gelassenen Art leben sie im Hier und Jetzt. Schon längst führen ihre verdrehten Körper im Sandkasten, die aussehen, als hätte sie ein Cruciatus-Fluch ereilt, nicht mehr zu Panikattacken der Halterin. Harry-Potter-Fans wissen, wovon die Rede ist. Die fünf Damen lieben einfach nur Wellness. Und sie schmusen für ihr Leben gerne. Wer hätte gedacht, dass es so befriedigend sein kann, ein Huhn zu streicheln. Sommerabende enden in der Regel im Stuhl vor dem Auslauf. Es hat in der Tat etwas Meditatives, den Fünfen zuzusehen.
Vielleicht ließe sich ja daraus ein weiterer Geschäftszweig gründen. Lama-Wanderungen sind out, dafür gibt es Chicken-Watching für gestresste CEOs - sozusagen ein Sundowner der anderen Art.

