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Mitten in Penzberg:Der Dackel und die Eislaufmutter

Haustiere funktionieren immer in sozialen Netzwerken. Wenn dort amerikanische Hunde zu Weltstars werden, könnte das doch mit einem oberbayerischen Zamperl auch funktionieren.

Die Sozialen Medien sind voll von Tierfotos und -videos - eins niedlicher als das andere. Da purzeln munter Katzenbabys durchs Wohnzimmer, Entenküken lernen im Spülbecken schwimmen. Ach, und all die kleinen Hündchen mit ihrer Kindchenschema-Attitüde! Schmacht. Packt ein, Leute. Denn jetzt kommt Eddy aus Penzberg, der hübscheste und intelligenteste Dackel-Mix von Oberbayern, ach was, der Welt, mindestens. An ihn kommen die tierischen Facebook-Stars nicht ran. So süß ist er mit seinen Dumbo-Ohren. Hmm, das müsste sich doch vermarkten lassen.

Vorbilder gibt es zuhauf. Etwa Crusoe the Celebrity Dachshund. Der wird von Frauchen und Herrchen in diverse Outfits gesteckt, je nach Anlass als flotter Kapitän oder im Anglerdress. Wie groß war die Anteilnahme, als Crusoe kürzlich operiert werden musste. Tägliche Berichte über seinen Genesungszustand hielten seine bangende Fangemeinde auf dem Laufenden. Und, welch Zufall, genau zu diesem Zeitpunkt konnten seine treuen Anhänger das neue T-Shirt mit Crusoes Motto "Keep Balling" im Internet bestellen. Da hört man über den Atlantik die Kasse klingeln.

Das Problem: Crusoe ist Eddy marketingtechnisch weit voraus. New-York-Times-Bestseller, Gewinner des Best Pet Blog Award 2013, mehr als eine Million Menschen gefällt seine Facebook-Seite. Da heißt es von nun an "klotzen und nicht kleckern". Als erstes braucht Eddy seinen eigenen PR-Strategen, einen Modeberater, einen Profi-Fotografen, der ihn ins rechte Licht rückt, seinen eigenen Groomer und einen Ghostwriter. Tassen, Kugelschreiber, Shirts, Kalender mit Eddy als Weihnachtsmann, verdammt, ein Slogan muss her: "Cool, cooler, Eddy" oder, der Eddy ist ja ein Bayer, "A Hund is a scho" . . . Und dann, dann wird Eddy berühmt. Sein Frauchen und Herrchen reich. Und dann, ja dann . . .

Eddy und Herrchen sitzen derweil auf dem Sofa: Ersterer gähnt und widmet sich schleunigst wieder seiner Lieblingsbeschäftigung, nämlich schlafen. Letzterer schüttelt den Kopf und murmelt was von "Eislaufmutter". Wie sang Reinhard Mey so treffend: "Von Luftschlössern, die zerbrochen sind. Von Träumen, die Träume blieben."