Mitten in der Wenzberg-DebatteParteiaustritt nach 47 Jahren

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Alfred von Hofacker will kürzer treten und gibt deshalb die meisten seiner Ehrenämter und Mitgliedschaften auf, auch die in der SPD Icking.
Alfred von Hofacker will kürzer treten und gibt deshalb die meisten seiner Ehrenämter und Mitgliedschaften auf, auch die in der SPD Icking. (Foto: Hartmut Pöstges)

Alfred von Hofacker, Sohn des Widerstandskämpfers Cäsar von Hofacker, verlässt die SPD

Interview von Claudia Koestler, Icking

Ganze 47 Jahre war Alfred von Hofacker Mitglied der SPD, lange war er Vorsitzender des Ortsvereins Icking, zwölf Jahre saß er im Gemeinderat. Nun ist der 1935 in Berlin geborene Jurist, Hospizhelfer und Sohn des Widerstandskämpfers Cäsar von Hofacker aus der Partei ausgetreten. Justament, als der Wenzberg in Icking in der Diskussion steht, weil dieser nach einer Nazi-Gestalt benannt ist. Ob Hofackers Zäsur damit zu tun hat, erklärt er im Interview:

SZ: Herr von Hofacker, Sie haben das Parteibuch zurückgegeben - warum?

Alfred von Hofacker: Ich bin dabei, in meinem Leben Ordnung zu schaffen, und so räume ich auch mit meinen diversen Mitgliedschaften auf. Ich möchte in den Jahren, die mir bleiben, ungebunden und ohne Zwang sein.

War die Kontroverse um den Ickinger Wenzberg der Auslöser?

Der Entscheidungsprozess war davon unabhängig und bereits seit Längerem im Gang. Und sie richtet sich weder gegen Genossen, noch gegen Inhalte. Aber in Sachen Wenzberg war ich zunächst irritiert, dass einige meiner Parteifreunde davon ausgingen, der Vorschlag zur Änderung in Von-Hofacker-Steig sei mit mir im Vorfeld abgestimmt worden. Der Alleingang von Christoph Kessler bezüglich der Namensalternative hat mich vorübergehend in eine sehr unangenehme Situation gebracht. Er hat das inzwischen eingesehen und sich dafür entschuldigt.

Dass Kessler aber grundsätzlich die Nazi-Verbindung des Straßennamens publik machte, sehen Sie aber positiv.

Ja, durchaus. Wobei ich es erstaunlich finde, wie schwer sich die Gemeinde mit dem Thema tut. Ich habe mich während der Debatte öfters gefragt, wo ich da eigentlich lebe. Der Name wurde 1957 vergeben. Es wäre einfach gewesen, zu sagen, wir korrigieren das, wir hatten damals nicht die Kenntnis, die wir heute haben. Aber es war von Anfang an zu spüren: Wenn es irgend geht, will die Mehrheit des Gemeinderates die Umbenennung vermeiden.

Wie hätte es laufen sollen?

Als erste Reaktion hätte ich mir gewünscht, dass es heißt: Hier muss etwas geschehen.

Ein Arbeitskreis soll diese und weitere Straßen aufarbeiten.

Es geht aber doch primär um den Wenzberg! Und es wird kaum eine andere Straße im Ort geben, über die so viel belastendes Material bekannt ist.

Manche werden wegen des Zeitpunktes hinter ihrem Austritt mehr vermuten als einen altersbedingten Rückzug.

Natürlich besteht die Gefahr, dass die Leute meine Begründung nicht verstehen. Aber damit muss ich leben.

Werden Sie beim Arbeitskreis mitarbeiten?

Nein. Das hielte ich nicht für sinnvoll, weil ich eine Vorbelastung darstellen würde.

© SZ vom 12.05.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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