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Mitten in der Region:Lasagne mit Sitzmöbeln

Zu Ferienbeginn schlägt die Stunde der geschickten Gepäck-Stapler

Kolumne von Nicole Graner

Wenn einer eine Reise tut, ja, dann muss er viel bedenken. Und organisieren. Gerade in diesen Zeiten. Zum Beispiel sicherheitshalber den Nachweis eingesteckt, dass einem das Haus im fernen Norwegen auch wirklich gehört. Sicher ist sicher. Und er muss Packkünstler sein. Zumindest dann, wenn er mit dem Auto gen Norden fährt und wichtige Dinge für das Haus mitnehmen möchte. In diesem Fall: zwei Holzbänke für die Terrasse, zwei Stühle, einen riesigen, ausziehbaren Tisch, Polster, einen Fernseher, einen Sitzsack, ein Hundekörbchen, Klamotten und ein bisschen Wein. Das Herzstück des Ganzen: eine drei Meter lange Markise. Schirme fliegen gerne weg in Norge.

Alle Öffnungen im Auto werden bestückt, eine Fenstertasche angebracht und Taschen für den Fahrer- und Beifahrersitz. Und jetzt nur genau überlegen, an welche Dinge man für die Stopps in Kassel, Hamburg und bei der Fährenübefahrt von Hirtshals nach Stavanger unbedingt dran kommen muss. Denn wenn alles verzurrt ist . . . keine Chance.

Die Bänke und Sitzmöbel gehen glatt ganz unten hinein ins Auto, der Tisch millimetergenau auf die umgeklappte Bank. Uff! Darauf werden wie bei einer Lasagne Polster, Taschen, Polster, Taschen geschichtet. Die wiederum verzurrt. Zum Schluss wird die Markise an der Sitzbank angebunden. Kühlschrank voll, Kühlbox voll, Taschen voll. Der Hund muss übrigens auf die Konsole zwischen Fahrer und Beifahrerin.

Frau muss zugeben, dass Mann die Lasagne-Technik bis zur Perfektion gebracht hat. Respekt. Alles ist drin und sicher verstaut, dann klingelt das Handy, es sind Künstler-Freunde aus Norwegen: "Sag mal, könntet ihr noch zwei Bilder mitnehmen?" "Okay", sagt der Packkünstler. Der Ehefrau wird angst und bange. "Wie bitte? Hast Du gefragt, wie groß die sind?" "Nö." Die Bilder kommen. Sind schlappe 1,50 auf 1,20 Meter groß. Aber auch die werden, sozusagen als Käseschicht, noch draufgepackt. Möge der heilige St. Christopherus gnädig sein und die Zöllner in Norwegen schlafen lassen. Nur das Auto nicht mehr aufmachen!

© SZ vom 01.08.2020
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