Mitten in der RegionC-Wörter mit B-Deutung

Lesezeit: 1 Min.

Die Corona-Krise als C-Krise abkürzen? Geht. Aber was sagt das über andere Dinge mit großem C im Namen?

Kolumne von Franziska Langhammer

SZ bei Google bevorzugen

Immer öfter liest man in letzter Zeit von der C-Krise. Bitte, was? Natürlich schnallt man nach kurzem Stutzen, damit ist - mal wieder - Corona gemeint. Das Virus hat es begrifflich schon in aller Munde geschafft, kann also vom scharfsinnigen Leser nun abgekürzt und in Kombination mit dem Wort Krise auch sofort in Verbindung gesetzt werden. Nun stellt sich aber die Frage, ob man sich mit dieser Abkürzung wirklich einen Gefallen tut.

Die C-Wörter nämlich haben es per Ce nicht leicht. Das C steht im Verdacht, eine Klassifizierung vorwegzunehmen, bei der A und B logischerweise die ersten Ränge ablaufen. C-Promis etwa werden nicht ernst genommen, sie stehen im VIP-Level unter der B-Prominenz und noch dazu häufig im Verdacht, sich selbst wichtiger zu nehmen als andere das tun. C-Movies werden mit noch geringerem Aufwand als B-Movies produziert und stehen daher zumeist auch für C-Qualität. Die C-Gastritis tritt chronisch auf, beispielsweise durch übermäßigen Alkohol- und Tabakkonsum, C-Ram bezeichnet die Systeme zur militärischen Gegenwehr. Andererseits ist C-Dur eine der zwei Tonarten ohne Vorzeichen, und hochklassige Mittelklasse liefert die C-Klasse von Mercedes-Benz, wozu auch Limousine und Cabriolet zählen. Auch auf dem C-Level möchte sich so mancher gern wiederfinden. Ist doch damit im angelsächsischen Raum die Chef-Etage gemeint. Wo wir schon dabei sind: C-Span ist kein orthografischer, gesundheitsministerlicher Fauxpas, sondern ein amerikanischer Fernsehsender, der sich ausschließlich mit Gesetzgebung und Justiz in den C-USA befasst, nicht zu verwechseln mit der C-DU.

Was sagt nun das C über die Krise aus? Wenn das nur ein C ist, denkt man, möchte man weder die B- geschweige denn die A-Krise erleben. Wäre denn dann Co-Krise als Bezeichnung passender? Bedeutungstechnisch: ja. Denn die Krise ist die Begleiterscheinung des Virus. Faktisch freuen wir uns aber schon lieber mal auf die Zeit, in der man auch an dieser Stelle über etwas anderes nachdenken kann als C-Wörter.

© SZ vom 30.04.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: