Mitten in der PauseWir lassen uns nicht unterbuttern

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Um das Butterbrot ist es schlecht bestellt

Von Ingrid Hügenell

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Wir haben an dieser Stelle neulich auf einen Tag hingewiesen, der ausnahmsweise einmal kein Tag des Gedenkens oder der Aktion für irgendetwas oder irgendwen war. Das war der 24. August. Wie wohltuend, so ein Tag! An diesem Freitag, dem 30. September, feiern die Menschen in Botswana die Unabhängigkeit von Großbritannien. Die Übersetzer gedenken ihres Patrons Hieronymus, der im 5. Jahrhundert das Alte Testament aus dem Hebräischen ins gesprochene Latein übertrug - dieser Gedenktag ist natürlich ein internationaler. Und in Deutschland wird gleichzeitig an das Butterbrot gedacht, was ein Zufall ist, denn der Butterbrot-Tag ist der letzte Freitag im September, der heuer eben auf den 30. fällt.

Also, um genau zu sein, gibt es den Deutschen Butterbrottag gar nicht mehr. Die einstige Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft CMA hatte ihn 1999 ausgerufen, schon 2008 fand er letztmals offiziell statt, weil die CMA 2009 liquidiert wurde. Und es ging nie darum, froh und dankbar zu sein, dass man ein Butterbrot zum Essen hat und nicht hungern muss. Nein, der Tag diente immer der Vermarktung von Butter und Brot.

Etliche Bäckereien nutzen ihn unverdrossen so. Auch eine Molkerei aus Piding im Berchtesgadener Land macht heuer wieder auf ihn aufmerksam, mit schönen Fotos von glücklichen Kindern in Tracht, die in schön dekorierte Butterbrote beißen. Dabei ist es um das Butterbrot selbst arg schlecht bestellt. Deshalb gibt es die Internet-Seite eines Berliners, für den ein Butterbrot gerne einen Belag aus Erdbeermarmelade, Schinken und Käse oder Bismarck-Hering haben darf. Die Seite ruft zur Rettung des Butterbrots auf. Ein Anliegen, das unbedingt unterstützenswert ist, weil... ja, warum eigentlich? Darüber sollte man mal nachdenken. Vielleicht am Tag der gesunden Ernährung - am 7. März 2017.

© SZ vom 30.09.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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